10.000 Schritte am Tag, so lautet eine populäre Faustregel für ausreichend Bewegung im Alltag. Aber nicht allein die Anzahl der Schritte zählt. Wer weniger als 5000 schafft, profitiert laut Forschern davon, kürzere Wege einfach schneller zu gehen.
10.000 Schritte am Tag, so lautet eine populäre Faustregel für ausreichend Bewegung im Alltag. Aber nicht allein die Anzahl der Schritte zählt. Wer weniger als 5000 schafft, profitiert laut Forschern davon, kürzere Wege einfach schneller zu gehen.
80 Schritte pro Minute entsprechen grob einem Gehtempo von etwa 3,5 Kilometern pro Stunde – also eher einem gemütlichen Gang. Trotzdem war dieses Tempo bei Menschen mit weniger als 5000 Schritten am Tag mit einem deutlich niedrigeren Risiko für einen frühzeitigen Tod verbunden. Entscheidend ist offenbar nicht allein, wie viele Schritte wir sammeln, sondern auch, wie schnell wir gehen.
Wer im Alltag wenig läuft, könnte einen Teil des fehlenden Bewegungsumfangs durch mehr Tempo ausgleichen. Das niedrigste Sterberisiko fand sich insgesamt bei 7500 bis 10.000 Schritten pro Tag.
Die Daten stammen aus der UK Biobank und wurden im „British Journal of Sports Medicine“ veröffentlicht, das zur BMJ Group gehört. Für die Analyse der Gesamtsterblichkeit werteten die Forscher Angaben von 64.743 Erwachsenen aus. Im Durchschnitt waren sie 61,5 Jahre alt. Die Nachbeobachtung dauerte rund acht Jahre. In diesem Zeitraum starben 1697 Teilnehmer.
Für die Auswertung ordneten die Forscher die Teilnehmer nach ihrer täglichen Schrittzahl vier Gruppen zu:
Zusätzlich erfassten sie die sogenannte Peak-30-Kadenz. Gemeint ist die durchschnittliche Schrittfrequenz während der 30 aktivsten Minuten eines Tages. Diese Minuten mussten nicht zusammenhängend sein. Auch mehrere kurze Phasen mit höherem Tempo konnten sich über den Tag verteilen. Die Bewegungsdaten stammten von Sensoren, die am Handgelenk getragen wurden.
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Interessant ist der direkte Vergleich zwischen weniger Schritten mit höherem Tempo und mehr Schritten mit niedrigerem Tempo:
Die Forscher fassen diesen Zusammenhang so zusammen: „Eine höhere Intensität bei geringerem Umfang kann gesundheitliche Vorteile bieten, die mit einer niedrigeren Intensität bei höherem Umfang vergleichbar sind.“
Am günstigsten schnitt die Gruppe mit 7500 bis 10.000 Schritten am Tag ab:
Mehr als 10.000 Schritte pro Tag schnitten nicht besser ab als 7500 bis 10.000. Bei sehr hohen Schrittzahlen und hoher Schrittfrequenz flachte der Zusammenhang zudem ab. Die Forscher mahnen hier zur Vorsicht. In den oberen Tempobereichen gab es weniger Daten, und alternative statistische Modelle ergaben einen gleichmäßigeren Verlauf.
Über die verschiedenen Schrittgruppen hinweg waren etwa 90 bis 100 Schritte pro Minute während der 30 aktivsten Minuten mit einem niedrigeren Sterberisiko verbunden. Rund 100 Schritte pro Minute gelten als grober Richtwert für Bewegung mittlerer Intensität. Die Autoren nennen deshalb 90 bis 100 Schritte pro Minute über insgesamt 30 Minuten täglich als möglichen Ansatz für die Prävention eines frühen Todes.
Die Daten belegen allerdings nicht, dass schnelleres Gehen direkt das Leben verlängert. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Menschen mit höherem Gehtempo können sich auch in anderen Punkten von langsameren Gehern unterscheiden.
Die Forscher berücksichtigten unter anderem Alter, Geschlecht, Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung, Schlaf, Bildschirmzeit und Medikamente. Zusätzlich prüften sie ihre Ergebnisse mit mehreren Sensitivitätsanalysen. Trotzdem lassen sich unbekannte Einflussfaktoren und eine mögliche umgekehrte Kausalität nicht vollständig ausschließen.
Für den Alltag bleibt damit vor allem ein praktischer Spielraum: Wer nur wenige Schritte schafft, kann einen Teil seiner Wege zügiger zurücklegen. Wer nicht schneller gehen kann oder möchte, kann dagegen über eine höhere Schrittzahl profitieren. Die günstigste Kombination lag in dieser Auswertung bei 7500 bis 10.000 Schritten pro Tag.
Von Anne Bajrica
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