Eine Befragung des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt: Während Krbes-Mythen wie Handystrahlung als Bedrohung gelten, werden echte Alltagsrisiken wie langes Sitzen oder zu viel Salz oft übersehen.
Rauchen, Sonnenbrand, Alkohol – diese Risikofaktoren für Krebs sind meist bekannt. Bei anderen herrscht hingegen viel Unsicherheit, zeigen DKFZ-Forscher. Finden Sie unter 38 Faktoren die 12 Mythen?
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Rund 37 Prozent aller Krebsfälle in Deutschland gehen auf vermeidbare Risikofaktoren zurück. Rauchen, Übergewicht, Alkohol – das sind die üblichen Verdächtigen, die den meisten Menschen bekannt sind. Doch bei einigen Risikofaktoren, die Millionen Deutsche täglich betreffen, herrscht erstaunliche Ahnungslosigkeit. Genauso steht es um einige Mythen, die viele fälschlicherweise für wissenschaftlich bewiesen halten.
Darauf deutet die „Claro-Studie“ des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) hin, die Ergebnisse haben die Forscher kürzlich im Fachjournal „Frontiers in Public Health“ veröffentlicht.
Für die „Claro-Studie“ befragten die Forscher um Erstautorin und Doktorandin Mona Illmann zwischen Januar und Mai 2025 insgesamt 1232 zufällig ausgewählte Einwohner der Stadt Stuttgart. Die Teilnehmer sollten 38 mögliche Krebsrisikofaktoren bewerten – darunter 26 wissenschaftlich belegte und zwölf Mythen.
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„Besonders überrascht im Positiven hat uns, wie gut einige tatsächliche Krebsrisikofaktoren bekannt waren“, erklärt Illmann gegenüber FOCUS online. So ordneten viele Befragte die folgenden beispielhaften Risikofaktoren korrekt ein:
Zwei tatsächliche Risikofaktoren schnitten allerdings besonders schlecht ab:
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Damit landeten beide auf den letzten Plätzen der 26 abgefragten „echten“ Risikofaktoren. Nur die Tatsache, dass Nicht-Stillen das Krebsrisiko von Müttern erhöhen kann, schnitt noch schlechter ab (13,7 Prozent).
Dabei betreffen gerade Sitzen und ein zu hoher Salzkonsum einen Großteil der Bevölkerung: Der durchschnittliche Salzkonsum in Deutschland liegt laut Bundesinstitut für Risikobewertung deutlich über der WHO-Empfehlung von maximal fünf Gramm pro Tag. Wieso das Krebsrisiko dennoch so unbekannt ist, erklärt Co-Autor Florian Herbolsheimer. Beim Salzkonsum könnte ein bekanntes Risiko das weniger bekannte überlagern: „Beim hohen Salzkonsum wird das gesundheitliche Risiko vor allem mit Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht. Der Zusammenhang mit Krebs, insbesondere mit Magenkrebs, ist deutlich weniger bekannt.“ Allerdings sei Salz im Vergleich zu anderen Risikofaktoren ein eher kleiner Faktor bei der Krebsentstehung.
Auch ist es ein bekanntes Problem, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland zu viel Zeit im Sitzen verbringt. Über zehn Stunden sind es durchschnittlich an einem Werktag, rund zwei Stunden mehr als noch vor zehn Jahren. Das berichtete zuletzt ein Report der Deutschen Krankenversicherung. Herbolsheimer hat die vergleichsweise junge Forschung dazu im Verdacht:
„Die wissenschaftliche Evidenz zu den gesundheitlichen Folgen langen Sitzens hat sich insbesondere in den vergangenen Jahren zunehmend gefestigt. Sitzendes Verhalten wurde erst 2020 in die offiziellen Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen.“
Entsprechend sei dieser Zusammenhang auch in der öffentlichen Wahrnehmung noch weniger bekannt. Hinzu komme laut Herbolsheimer, dass der Krebs-Zusammenhang komplex sei, „da sich lange Sitzzeiten mit Bewegungsmangel, Übergewicht und anderen Lebensstilfaktoren überschneiden können“.
Magenkrebs steht weltweit auf Platz fünf der häufigsten Krebserkrankungen. Laut dem Krebsinformationsdienst des DKFZ spielen neben einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori – dem wichtigsten Risikofaktor – auch Ernährung und Lebensstil eine entscheidende Rolle. Besonders stark gesalzene, gepökelte oder anderweitig mit Salz konservierte Lebensmittel erhöhen das Magenkrebsrisiko. Berechnungen auf Grundlage bevölkerungsbezogener Daten zeigen: In Deutschland lassen sich rund neun Prozent aller jährlichen Neuerkrankungen an Magenkrebs auf einen zu hohen Salzkonsum von über sechs Gramm pro Tag zurückführen. Vermutlich schädigt das Kochsalz die Magenschleimhaut und begünstigt so Entzündungsprozesse, die die Krebsentstehung fördern.
Wie viel Salz ist gesund?Die WHO und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen maximal fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag – das entspricht etwa einem gestrichenen Esslöffel. Die Realität sieht jedoch vielerorts anders aus. Der durchschnittlicher Konsum liegt bei acht bis zehn Gramm täglich. Der größte Salzanteil entfällt dabei auf nicht auf das klassische Nachsalzen, sondern verarbeitete Lebensmittel – eine Fertigpizza kann bereits bis zu fünf Gramm Salz enthalten, ein Brot mit ein paar Scheiben Salami kommt schnell auf über vier Gramm.
So verringern Sie Ihren SalzkonsumNeben wissenschaftlich belegbaren Risikofaktoren fragte die Studie auch zwölf verbreitete Krebs-Mythen ab. Laut Illmann überraschte es das Team, wie verbreitet Fehlinformationen in diesem Bereich waren. „Nur drei der zwölf abgefragten Mythen wurden von mehr als der Hälfte der Befragten korrekt als solche erkannt. Und selbst bei diesen vergleichsweise gut erkannten Mythen zeigten sich immer noch große Unsicherheiten“, berichtet die Doktorandin.
Am hartnäckigsten hielt sich der Glaube, dass Stress Krebs verursache – nur 13,7 Prozent der Befragten wusste, dass es sich dabei um einen Mythos handelte . Auch bei Lebensmittelzusatzstoffen (16,6 Prozent richtige Antworten) und Süßungsmitteln (22,3 Prozent) glaubte die Mehrheit fälschlicherweise an ein erhöhtes Krebsrisiko oder war sich unsicher. Illmann bilanziert:
„Rund 40 Prozent der Befragten wussten nicht, dass die Nutzung von Mikrowellen das Krebsrisiko nicht erhöht, bei der Handynutzung waren es sogar 47 Prozent. Das zeigt, dass trotz eines teilweise guten Wissens über etablierte Risikofaktoren weiterhin erhebliche Unsicherheiten und Wissenslücken bestehen.“
Die Studie fördert noch ein weiteres, zunächst paradox erscheinendes Ergebnis zutage: Wer viele echte Risikofaktoren korrekt erkannte, stufte gleichzeitig häufiger Mythen als zutreffend ein. Illmann sieht eine mögliche Ursache in der Angst vor der Krankheit: „Krebs wird als besonders schwere und bedrohliche Erkrankung wahrgenommen und ist bei vielen Menschen mit Ängsten verbunden.“ Manche Personen könnten daher dazu neigen, potenzielle Risikofaktoren vorsichtshalber eher als zutreffend einzustufen, „gewissermaßen nach dem Prinzip 'better safe than sorry'“, sagt Illmann. „Passend dazu stimmte mehr als ein Drittel der Teilnehmenden der Aussage zu, dass es so scheint, als würde alles Krebs verursachen.“
Einen weiteren Faktor sieht Illmann in der großen Menge und Komplexität der verfügbaren Informationen. Ein regelrechter „Cancer information overload“, zu Deutsch eine „Informationsüberforderung beim Thema Krebs“, könne Unsicherheit und die Wahrnehmung fördern, dass „alles Krebs verursacht“, berichtet Illmann.
„Eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer Arbeit ist, dass sich fast die Hälfte der Befragten von der Menge an Informationen zur Krebsprävention überfordert fühlt“, sagt Illmann. Das zeige sich auch darin, dass viele Mythen nicht korrekt als solche erkannt wurden – auch nicht von den Personen, die angaben, sich aktiv über Krebsprävention zu informieren. „Das könnte darauf hindeuten, dass die Vielzahl an verfügbaren Informationen die Orientierung erschwert und gleichzeitig gerade auf weniger seriösen Internetseiten auch Fehlinformationen verbreitet werden.“
Herbolsheimer rät deshalb zu einem einfachen Prinzip: „Gerade angesichts der Fülle an Informationen im Internet ist es hilfreich, nicht jede einzelne Behauptung zu hinterfragen, sondern zunächst auf die Qualität und Vertrauenswürdigkeit der Quelle zu achten.“ Immer eine gute Wahl seien staatliche oder wissenschaftliche Institutionen, „deren Aufgabe es ist, Informationen auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse aufzubereiten und verständlich zu vermitteln“. Er empfiehlt insbesondere den Krebsinformationsdienst des DKFZ.
Bei den folgenden zwölf Risikofaktoren handelt es sich um Mythen, die nicht wissenschaftlich belegt sind:
(3) Verwenden von Deosprays, (11) Exposition gegenüber elektromagnetischen Frequenzen, (13) Lebensmittel mit Zusatzstoffen, (17) Verwenden von Reinigungsmitteln, (27) Stress, (32) Nutzung von Mobiltelefonen, (33) Wohnen in der Nähe von Stromleitungen, (34) Lebensmittel mit künstlichen Süßstoffen, (35) Trinken aus Plastikflaschen, (36) Nutzung von Mikrowellen, (37) Gentechnisch veränderte Lebensmittel, (38) Körperliche Verletzungen
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