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Statine senken Risiko für Herzinfarkt um 30 Prozent – bei Älteren ohne Vorerkrankung

Дата публикации: 01-09-2026 06:48:00

Statine werden in Deutschland millionenfach zur Senkung des LDL-Cholesterins verschrieben. Eine neue Studie zeigte nun: Auch ältere Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen können davon profitieren.

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Statine werden in Deutschland millionenfach zur Senkung des LDL-Cholesterins verschrieben. Eine neue Studie zeigte nun: Auch ältere Menschen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen können davon profitieren.

Knapp fünf Millionen Menschen in Deutschland nehmen Statine – Medikamente, die das LDL-Cholesterin im Blut senken. Vorherige Studien zeigten bereits, dass diese das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfall verringern können.

Allerdings gab es nur wenige Beweise, inwiefern Statine insbesondere älteren Menschen über 70 Jahren ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen helfen – diese waren in den Untersuchungen bislang unterrepräsentiert gewesen.

Statine helfen Über-70-Jährigen ohne Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine neue Studie, die am 29. August auf dem Herzkongress „ESC Congress 2026“ vorgestellt wurde, ergab nun: Das Statin Atorvastatin senkt das relative Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Über-70-Jährigen ohne kardiovaskuläre Erkrankungen um 30 Prozent – und zwar im Schnitt sechs Jahre lang.

Jedoch verbessert das Statin nicht das behinderungsfreie Überleben, also das Leben ohne körperliche Einschränkung oder Demenz beispielsweise. Die Ergebnisse wurden gleichzeitig im Fachjournal „New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.

Studie nach wissenschaftlichem Goldstandard durchgeführt

Bei der Studie handelte es sich um das „Staree Trial“. Dies sei die „erste groß angelegte (…) Studie, die untersucht, ob Statine für die Primärprävention bei älteren Menschen verwendet werden können, um ihnen ein längeres Leben in guter Gesundheit zu ermöglichen“, erklärte Erstautorin Sophia Zoungas, Professorin an der Monash University School of Public Health and Preventive Medicine in Melbourne, in einer Pressemitteilung.

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An der Untersuchung, die nach wissenschaftlichem Goldstandard durchgeführt wurde, nahmen 9971 Probanden teil. Diese wurden aus australischen Hausarztpraxen rekrutiert. Sie waren 70 Jahre oder älter und hatten weder Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch Diabetes oder Demenz.

Randomisierte und kontrollierte Doppelblindstudien gelten in der Forschung als Goldstandard, da sie vergleichbare und belastbare Ergebnisse erzielen. Was zeichnet diese Studien aus?

Zunächst werden die Probanden zufällig einer Behandlungs- oder Kontrollgruppe zugewiesen. Die Behandlungsgruppe erhält die zu untersuchende Therapie, die Kontrollgruppe erhält ein Placebo (oder eine andere etablierte Therapie). Weder die Forscher noch die Patienten wissen, welches Medikament (Prüfmedikament oder Placebo) sie bekommen. Das Unwissen darüber verringert eine mögliche Verzerrung der Studienergebnisse.

Studienteilnehmer bekamen 40 Milligramm Atorvastatin oder Placebo

Eine Hälfte der Studienteilnehmer bekam jeden Tag 40 Milligramm Atorvastatin, die andere Hälfte bekam ein Placebo.

Als hauptsächliche Endpunkte der Studie definierten die Forscher einerseits schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse, also

  • Herz-Kreislauf-Tod
  • nichttödlicher Herzinfarkt
  • Schlaganfall
  • und koronare Revaskularisation (ein Eingriff, der im Rahmen einer koronaren Herzkrankheit nötig werden kann, wenn der Blutfluss zum Herzen verengt oder verschlossen ist).

Andererseits galt das behinderungsfreie Überleben, definiert als Überleben ohne Demenz und körperliche Beeinträchtigung, als primärer Endpunkt.

Keine Unterschiede hinsichtlich des Risikos für Tod und Demenz

Über einen Beobachtungszeitraum von 5,9 Jahren kristallisierte sich heraus, dass das Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Ereignisse in der Atorvastatin-Gruppe um 30 Prozent niedriger war als in der Placebo-Gruppe.

Hinsichtlich des Risikos für Tod, Demenz oder dauerhafte körperliche Behinderung gab es zwischen den beiden Gruppen aber keine wesentlichen Unterschiede.

Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Muskeln, Leber und Diabetes traten unterdessen häufiger in der Atorvastatin-Gruppe auf. Alle schweren Nebenwirkungen waren jedoch selten und traten nur bei 2,7 Prozent der Teilnehmer in beiden Gruppen auf.

„Effektive Maßnahme“, die in der Praxis helfen kann

„Angesichts der beispiellosen Geschwindigkeit, in der die Weltbevölkerung altert, ist die Beantwortung grundlegender Fragen zur gesunden Langlebigkeit zu einer universellen Notwendigkeit geworden“, sagte Zoungas. „Das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko ist für ältere Menschen ein Grund zur Sorge und zu wissen, dass es eine effektive Maßnahme gibt, die dieses Risiko senkt, wird ältere Menschen und ihre Familien beruhigen.“

Die Forscherin hofft auf eine zeitnahe Aktualisierung von entsprechenden Leitlinien und das Umsetzen der Forschungsergebnisse in die Praxis.

LDL-Cholesterin ist Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Warum empfehlen Mediziner überhaupt, die Cholesterinwerte zu senken?

„Wir haben mit dem LDL-Cholesterin einen veränderbaren Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der sehr stark ist“, erläutert Peter Radke, Chefarzt Innere Medizin und Kardiologie der Schön Klinik Neustadt und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung, im Gespräch mit FOCUS online.

Zudem akkumuliert er im Laufe des Lebens. Sprich: Je älter wir werden, umso mehr kann sich Cholesterin in unserem Körper ablagern. Das wiederum erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Was alle über ihren Cholesterinwert wissen sollten

„Patienten sagen oft, 'Ich habe einen guten LDL-Cholesterinwert'. Den einen Zielwert gibt es aber gar nicht“, sagt Radke. „Denn es gibt in Abhängigkeit des gesamten kardiovaskulären Risikos unterschiedliche.“

Um das kardiovaskuläre Risiko einzuschätzen, bedienen sich Mediziner einer Matrix. „Hier stehen Faktoren wie LDL-Cholesterin, Diabetes, Rauchen, Alter, Geschlecht auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Blutdruckwerte“, erläutert der Kardiologe. Es brauche immer den umfassenden Blick auf einen Menschen, um den LDL-Cholesterinwert zu bewerten und zu entscheiden, ob eine Behandlung mit Statinen notwendig sei.

Ab welchen Werten heißt es, genauer hinzusehen?

Idealwerte LDL-Cholesterin: 

  • Für herzgesunde Menschen: unter 116 mg/dl (Milligramm pro Deziliter Blut)
  • Für Diabetiker: unter 70 mg/dl
  • Bei bereits vorliegender Erkrankung der Herzkranzgefäße: unter 55 mg/dl
  • Nach Schlaganfall: unter 55 mg/dl

Liegen die Werte oberhalb dieser Idealwerte, heißt es, genauer hinzusehen.

Wann braucht es Medikamente, um den Cholesterinwert zu senken?

Der LDL-Cholesterinwert lässt sich mit gesundem Lebensstil – je nachdem, wie hoch der Wert ist – nur um etwa fünf bis zehn Prozent senken, wie die Deutsche Herzstiftung schreibt. Die Aufnahme von LDL-Cholesterin werde zudem im Wesentlichen durch die Leber (nicht den Magen oder den Darm) reguliert. Wer hohe LDL-Werte hat, bei dem liegt es meist an genetischen Veränderungen.

Dennoch braucht es nicht direkt Statine, um zu hohe Cholesterinwerte zu senken. Zwischen 100 und 190 mg/dl versuchen Mediziner zunächst, den Wert über Ernährung, Bewegung und einen gesunden Alltag zu verbessern.

Kardiologe Radke sieht das ganz pragmatisch: „Sinnvoll ist es, man geht erstmal 50 Prozent runter, weil man weiß, dass dann der größte Teil des Nutzens schon entsteht.“

Kann der Cholesterinwert zu niedrig sein?

Nein, lautet die klare Antwort der Deutschen Herzstiftung. Das liegt daran, dass jede Körperzelle ihr Cholesterin selbst bildet. Das Gehirn habe sogar einen komplett eigenständigen Cholesterinstoffwechsel, erläutern die Experten.

Statine senken das LDL-Cholesterin im Blut an den kritischen Stellen, nämlich dort, wo Atherosklerose entstehen könnte. Ist die Konzentration dort sehr niedrig, wirkt sich das nicht auf die anderen Körperregionen aus. Selbst LDL-Cholesterin-Blutwerte von nur um 25 mg/dl seien sicher.

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