1. Einleitung In Teil 9 der Serie #UnplugBigTech haben wir uns das Smartphone vorgenommen: Android und iOS, Tracking-Einstellungen, App-Berechtigungen und – für alle, die weitergehen wollen – alternative Android-Systeme wie GrapheneOS. Als Nächstes ist der klassische Rechner dran. Dort läuft in den meisten Fällen Windows 11 – oft schlicht deshalb, weil es beim Kauf schon […]
1. EinleitungIn Teil 9 der Serie #UnplugBigTech haben wir uns das Smartphone vorgenommen: Android und iOS, Tracking-Einstellungen, App-Berechtigungen und – für alle, die weitergehen wollen – alternative Android-Systeme wie GrapheneOS.
Als Nächstes ist der klassische Rechner dran. Dort läuft in den meisten Fällen Windows 11 – oft schlicht deshalb, weil es beim Kauf schon vorinstalliert war. Dazu kommen ein Browser sowie zahlreiche Cloud-, Office- und KI-Angebote, die Microsoft direkt in Windows integriert oder dort bewirbt.
Windows lässt sich an vielen zwar Stellen datensparsamer einstellen, aber ein Problem bleibt: Microsoft entwickelt das System laufend weiter, ergänzt neue Funktionen und verändert Voreinstellungen. Wer Windows möglichst datensparsam nutzen möchte, muss deshalb immer wieder prüfen, was sich geändert hat.
Ziel dieses Teils: Zunächst verbessern wir den Datenschutz unter Windows 11 mit einigen gezielten Einstellungen. Danach schauen wir uns mit Linux Mint eine Alternative an, die du ausprobieren kannst, ohne Windows sofort zu löschen.
2. Aufbau der AnleitungDiese Reihe ist für Einsteiger. Deshalb halten wir es bewusst simpel: Keine Fachbegriffs-Parade, keine endlosen Spezialfälle. Wer es eilig hat, findet gleich am Anfang jedes Kapitels unter »Für ganz Eilige« eine kurze Checkliste mit allen Schritten. Danach kommt der Erklärungsteil: Kurz genug, um nicht zu erschlagen – aber so, dass du verstehst, was du da einstellst.
Damit du dich direkt orientieren kannst, steht am Anfang jedes Kapitels außerdem kurz dabei, für welche Geräte die Schritte gedacht sind. In diesem Teil geht es zunächst um Windows 11 und anschließend um Linux Mint auf einem Desktop-PC oder Notebook.
3. ProblemanalyseWindows ist längst mehr als ein Betriebssystem, das Programme startet und Dateien verwaltet. Rund um Windows hat Microsoft ein eigenes Ökosystem aufgebaut: Microsoft-Konto, OneDrive, Edge, Microsoft 365, Bing, Copilot und weitere Dienste greifen ineinander und werden an vielen Stellen direkt im System angeboten.
Zur engen Verzahnung mit Microsoft-Diensten kommt die Telemetrie, also die Übermittlung von Diagnose- und Nutzungsdaten. Diese lässt sich nur teilweise abschalten: Optionale Diagnosedaten kannst du deaktivieren, die von Microsoft als erforderlich eingestuften Daten werden dagegen weiterhin übertragen. Du kannst Windows also an vielen Stellen datensparsamer einstellen, aber nur innerhalb des Rahmens, den Microsoft vorgibt.
Für Einsteiger wäre es trotzdem unsinnig, Windows deshalb sofort zu löschen. Wir machen es wie in den anderen Teilen dieser Serie: Erst verbessern wir das vorhandene System. Danach schauen wir uns eine Alternative an.
4. Windows 11 datensparsamer einstellen
Bevor wir uns Linux anschauen, prüfen wir zunächst, was sich unter Windows 11 mit wenigen Einstellungen verbessern lässt. Wir gehen dabei bewusst nicht jeden einzelnen Datenschutzschalter durch. Windows verändert sich zu häufig, um daraus eine Anleitung mit dutzenden Menüpunkten zu machen, die nach dem nächsten größeren Update schon wieder anders aussehen kann.
Die folgenden Punkte sind deshalb die wichtigsten Stellschrauben. Die genauen Bezeichnungen können sich je nach Windows-Version unterscheiden.
4.1 Diagnosedaten, Werbung und Empfehlungen einschränken [Windows 11]Öffne:
Einstellungen -> Datenschutz und Sicherheit
Dort solltest du zunächst die verschiedenen Datenschutzoptionen prüfen. Besonders relevant sind:
Microsoft unterscheidet zwischen erforderlichen und optionalen Diagnosedaten. Die optionalen Diagnosedaten können unter anderem Informationen über Gerätenutzung, App-Aktivitäten, besuchte Websites und Absturzspeicher enthalten. Sie können deaktiviert werden. Erforderliche Diagnosedaten werden weiterhin an Microsoft übermittelt. Weitere Informationen dazu bietet Microsoft unter »Diagnose, Feedback und Datenschutz in Windows«.


Wenn ein Menüpunkt nicht exakt so heißt wie hier beschrieben, hilft meist die Suche innerhalb der Windows-Einstellungen.
4.2 Aktivitätsverlauf und Berechtigungen prüfen [Windows 11]Neben Diagnose- und Werbeeinstellungen speichert Windows auch Informationen darüber, wie du das System nutzt. Der Aktivitätsverlauf kann unter anderem erfassen, welche Apps und Dienste du verwendet, welche Dateien du geöffnet und welche Websites du besucht hast. Diese Daten werden lokal auf dem Gerät gespeichert. Weitere Informationen dazu findest du bei Microsoft unter »Windows-Aktivitätsverlauf und Datenschutz«.
Du findest die Einstellung unter:
Einstellungen -> Datenschutz & Sicherheit -> Aktivitätsverlauf
Dort kannst du »Aktivitätsverlauf auf diesem Gerät speichern« deaktivieren und einen bereits vorhandenen Verlauf über »Verlauf löschen« entfernen.

Danach lohnt sich ein Blick auf die App-Berechtigungen. Unter:
Einstellungen -> Datenschutz & Sicherheit
findest du weiter unten den Bereich für App-Berechtigungen. Dort kannst du unter anderem festlegen, welche Apps auf folgende Bereiche zugreifen dürfen:
Wählst du beispielsweise »Kamera« oder »Mikrofon« aus, kannst du den Zugriff grundsätzlich einschränken und bei unterstützten Apps auch einzeln festlegen, welche Anwendung darauf zugreifen darf. Microsoft erklärt die entsprechenden Einstellungen unter anderem unter »Windows-Datenschutzeinstellungen, die von Apps verwendet werden«.

Unter Einstellungen -> Datenschutz & Sicherheit -> App-Diagnose kannst du zusätzlich verhindern, dass Apps Diagnoseinformationen über andere laufende Apps abrufen. Wenn du diese Funktion nicht brauchst, kannst du sie deaktivieren.
Die Grundregel aus Teil 9 gilt auch hier: Eine App sollte nur die Berechtigungen erhalten, die sie tatsächlich benötigt. Schau dir deshalb vor allem sensible Zugriffe genauer an und prüfe, ob sie bei der jeweiligen App wirklich nachvollziehbar sind.
Bei klassischen Desktop-Programmen greifen die Windows-Berechtigungen nicht immer so fein wie bei Apps aus dem Microsoft Store. Manche Desktop-Anwendungen lassen sich deshalb nicht einzeln über diese Schalter steuern.
Auf sogenannten Copilot+-PCs gehört Recall zu den KI-Funktionen von Windows 11. Die Funktion kann in regelmäßigen Abständen Momentaufnahmen des Bildschirms speichern, sodass sich später nach Inhalten suchen lässt, die zuvor in Apps, auf Webseiten, in Bildern oder Dokumenten zu sehen waren. Die Momentaufnahmen werden laut Microsoft lokal auf dem Gerät gespeichert und verarbeitet. Das Speichern ist nicht standardmäßig aktiviert, sondern muss vom Nutzer eingeschaltet werden. Wer Recall nicht nutzen möchte, kann die Funktion ausgeschaltet lassen oder vollständig aus Windows entfernen.
Zum Prüfen bzw. Deaktivieren öffnest du:
Einstellungen -> Datenschutz & Sicherheit -> Recall & Momentaufnahmen
Dort sollte »Momentaufnahmen speichern« deaktiviert sein.
Wer Recall gar nicht auf dem System haben möchte, kann die Funktion vollständig entfernen:
Windows-Suche -> Windows-Features aktivieren oder deaktivieren -> Recall
Entferne dort den Haken bei »Recall« und starte Windows anschließend neu. Bereits gespeicherte Momentaufnahmen werden beim Entfernen ebenfalls gelöscht.
Recall ist nur auf unterstützten Copilot+-PCs verfügbar. Wenn du den Punkt unter Windows nicht findest, ist die Funktion auf deinem Gerät nicht vorhanden.
Auch beim Browser setzt Windows standardmäßig auf Microsoft Edge. Besonders unschön: Der standardmäßig aktive SmartScreen-Schutz kann aufgerufene URLs zur Prüfung an Microsoft übermitteln – aus Datenschutzsicht ein klarer Fehlgriff. Wenn du bereits Firefox aus Teil 3 der Serie nutzt, solltest du ihn auch als Standardbrowser festlegen.
Unter Windows 11 findest du die Einstellung unter:
Einstellungen -> Apps -> Standard-Apps -> Firefox
Dort kannst du Firefox als Standardbrowser festlegen. Anschließend werden normale Weblinks aus anderen Programmen standardmäßig mit Firefox geöffnet. Die eigentliche Einrichtung von Firefox wiederholen wir hier nicht. Welche Einstellungen sinnvoll sind und warum wir Firefox in dieser Serie empfehlen, haben wir bereits in Teil 3 behandelt.

Mit diesen Einstellungen ist Windows schon deutlich datensparsamer eingerichtet. Ganz erledigt ist das Thema damit allerdings nicht. Microsoft entwickelt Windows laufend weiter. Neue Funktionen kommen hinzu, bestehende werden verändert und Einstellungen umbenannt oder an andere Stellen verschoben. Nach größeren Windows-Updates lohnt sich deshalb ein erneuter Blick in die Datenschutzoptionen.
Wer Windows möglichst datensparsam nutzen will, bleibt deshalb in einem Katz-und-Maus-Spiel gefangen: Nach Updates prüfen, neue Funktionen einordnen und gegebenenfalls wieder nachjustieren. Wenn dich dieses ständige Nachjustieren irgendwann nervt, kannst du dir anschauen, wie sich ein Rechner ohne Windows anfühlt. Dafür musst du dein bestehendes System nicht direkt aufgeben.
6. Linux Mint ausprobieren
Es gibt zahlreiche empfehlenswerte GNU/Linux-Distributionen. Wenn du jemanden kennst, der bereits Linux nutzt und dir beim Einstieg helfen kann, orientiere dich ruhig an dessen Empfehlung. Für alle anderen machen wir die Auswahl bewusst einfach: Wir empfehlen Linux Mint. Die Oberfläche ist Windows vergleichsweise ähnlich und eignet sich deshalb gut für den Einstieg. Wer später tiefer einsteigen möchte, kann sich immer noch andere Distributionen anschauen.
6.1 Optional: Linux Mint erstmal nur anschauenWer Linux Mint zunächst nur kennenlernen möchte, kann es über einen Dienst wie DistroSea im Browser ausprobieren.
Das reicht für einen ersten Eindruck von Oberfläche und Bedienung. Ob Linux Mint auf deinem eigenen Rechner gut läuft, lässt sich damit aber nicht beurteilen. WLAN, Bluetooth, Drucker, Scanner oder andere Hardware werden dabei schließlich nicht auf deinem Gerät getestet. Für einen echten Test brauchen wir deshalb einen USB-Stick.

Bevor du Linux Mint installierst, kannst du es direkt von einem USB-Stick starten und auf deinem eigenen Rechner ausprobieren. Solange du Linux Mint nur startest und nicht installierst oder gezielt Dateien auf der Windows-Partition veränderst, bleibt deine Windows-Installation unangetastet. Du kannst also in Ruhe testen, ob Linux Mint mit deiner Hardware funktioniert und ob du dich mit dem System zurechtfindest.
Dafür brauchst du:
Beim Erstellen des Linux-Mint-Sticks wird der USB-Stick vollständig überschrieben. Sichere deshalb vorher alle Dateien, die darauf noch liegen.
Linux Mint gibt es in verschiedenen Ausgaben. Für diesen Beitrag verwenden wir die Cinnamon Edition. Die aktuelle Version kannst du direkt beim Projekt herunterladen.
Wähle dort: Cinnamon Edition -> Download
Anschließend landest du auf einer Liste mit sogenannten Download-Mirrors. Das sind verschiedene Server, die dieselbe Datei anbieten. Du kannst grundsätzlich einen beliebigen Server auswählen – am besten einen Server in deiner Nähe. Heruntergeladen wird eine Datei mit der Endung: .iso bspw.: linuxmint-22.3-cinnamon-64bit.iso
Dieses ISO-Abbild enthält das vollständige Linux-Mint-System.
Linux Mint weist auf der Download-Seite darauf hin, dass sich die heruntergeladene ISO-Datei auf Echtheit und Integrität prüfen lässt. Für Einsteiger ist das ein zusätzlicher Schritt, aber durchaus sinnvoll. Eine Anleitung dazu findest du direkt bei Linux Mint unter »Verify your ISO image«.
Die ISO-Datei einfach auf den USB-Stick zu kopieren reicht nicht. Der Stick muss so vorbereitet werden, dass dein Rechner davon starten kann. Unter Windows eignet sich dafür balenaEtcher. Das Programm funktioniert nach einem einfachen Prinzip: ISO-Datei auswählen, USB-Stick auswählen und schreiben lassen.
Installiere bzw. starte Etcher und gehe dann so vor:
Etcher schreibt das Linux-Mint-Abbild anschließend auf den Stick und prüft das Ergebnis.
7.3 Rechner vom USB-Stick startenWenn der Stick fertig ist, lässt du ihn eingesteckt und startest den Rechner neu. Normalerweise startet jetzt trotzdem wieder Windows. Du musst dem Rechner deshalb einmal sagen, dass er stattdessen vom USB-Stick starten soll. Dafür gibt es bei den meisten PCs ein sogenanntes Boot-Menü. Welche Taste du dafür drücken musst, hängt vom Hersteller ab. Häufig sind es:
Die Taste musst du direkt nach dem Einschalten mehrfach drücken – also noch bevor Windows startet. Im Boot-Menü wählst du anschließend den USB-Stick aus. Der Eintrag enthält häufig den Namen oder Hersteller des Sticks und teilweise zusätzlich den Begriff »UEFI«.
Wenn du das Boot-Menü nicht erreichst, suche im Handbuch deines Rechners oder auf der Herstellerseite nach »Boot Menu« zusammen mit der genauen Modellbezeichnung. Die dafür vorgesehene Taste unterscheidet sich je nach Gerät.
Wenn der Rechner erfolgreich vom USB-Stick startet, erscheint das Startmenü von Linux Mint. Wähle dort den normalen Start von Linux Mint. Nach kurzer Zeit erscheint der Desktop. Das ist das sogenannte Live-System. Linux Mint läuft jetzt direkt vom USB-Stick. Auf der internen SSD oder Festplatte wird dabei noch nichts installiert und deine vorhandene Windows-Installation bleibt unverändert.
Du kannst dich also erstmal umsehen, Firefox öffnen, ins WLAN gehen oder deine Hardware ausprobieren. Auf dem Desktop findest du zwar bereits das Symbol »Install Linux Mint«. Das ignorieren wir vorerst. An dieser Stelle geht es ausschließlich darum, das System zu testen.
7.5 Jetzt den eigenen Alltag testenDas Live-System läuft vom USB-Stick und kann deshalb etwas langsamer reagieren als eine richtige Installation. Für unseren Test spielt das keine große Rolle. Wichtiger als ein kurzer Blick auf die Oberfläche ist, ob dein eigener Rechner vernünftig funktioniert. Prüfe deshalb die Dinge, die du später tatsächlich brauchst:
Gerade bei Druckern, Scannern und spezieller Hardware helfen allgemeine Aussagen wenig. Entscheidend ist, ob genau deine Geräte funktionieren. Wenn Linux Mint auf einem sehr neuen Rechner nicht startet oder wichtige Hardware nicht erkennt, gibt es zusätzlich sogenannte HWE-Abbilder mit einem neueren Linux-Kernel. Probier zunächst trotzdem die normale Cinnamon-Version. Erst wenn es damit Probleme gibt, ist HWE einen Versuch wert.
Wenn etwas Wichtiges fehlt, ist der Versuch damit nicht automatisch gescheitert. Vielleicht gibt es eine Lösung oder Alternative. Wenn nicht, bleibt Windows zunächst erhalten.
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Wenn du genug ausprobiert hast, fährst du Linux Mint über das Startmenü herunter und ziehst anschließend den USB-Stick ab. Beim nächsten Einschalten startet dein Rechner wieder ganz normal mit Windows.
Damit hast du Linux Mint auf deiner eigenen Hardware ausprobiert, ohne Windows zu verändern. Wenn dabei alles Wichtige funktioniert und du das System weiter nutzen möchtest, installieren wir Linux Mint im nächsten Schritt parallel zu Windows.
8. Welche Programme funktionieren unter Linux Mint?Für viele typische Aufgaben musst du unter Linux Mint nicht komplett neu anfangen. Einige Programme aus den bisherigen Teilen der Serie gibt es auch für GNU/Linux und funktionieren dort weitgehend genauso wie unter Windows. Dazu gehören beispielsweise:
Wenn du Firefox oder Thunderbird bereits unter Windows nutzt, kannst du sie unter Linux Mint einfach weiterverwenden. Die Umstellung fällt dadurch deutlich kleiner aus, weil sich nicht gleichzeitig Betriebssystem und sämtliche Programme ändern.
Genauer hinschauen solltest du bei Software, die ausschließlich für Windows entwickelt wurde. Das betrifft beispielsweise bestimmte berufliche Anwendungen, Steuer- oder Verwaltungsprogramme, manche Spiele oder Programme für spezielle Hardware. Prüfe deshalb vor dem Umstieg, welche Anwendungen du regelmäßig verwendest und ob es davon eine Linux-Version oder eine passende Alternative gibt. Genau dafür ist auch der Test mit dem Live-System hilfreich.
Wenn du auf ein bestimmtes Windows-Programm angewiesen bist und keine brauchbare Alternative findest, ist das kein Grund, Linux Mint gleich abzuschreiben. In diesem Fall behältst du Windows parallel und nutzt es weiterhin für genau diese Aufgaben.
9. LibreOffice statt Microsoft OfficeEin wichtiger Punkt beim Wechsel von Windows ist Microsoft Office. Für Texte, Tabellen und Präsentationen steht unter Linux mit LibreOffice eine freie Office-Suite zur Verfügung. LibreOffice bringt mit Writer eine Textverarbeitung, mit Calc eine Tabellenkalkulation und mit Impress ein Präsentationsprogramm mit. Für typische Briefe, Tabellen, Rechnungen oder Präsentationen reicht LibreOffice im Alltag meist gut aus.
Auch vorhandene Microsoft-Office-Dateien sind nicht verloren. LibreOffice kann Formate wie DOCX, XLSX oder PPTX grundsätzlich öffnen und bearbeiten. Bei komplexen Dokumenten, Makros, speziellen Schriftarten oder aufwendigen Layouts kann es allerdings zu Abweichungen kommen. Wenn du regelmäßig solche Dateien verwendest, solltest du auch das bereits im Live-System ausprobieren: Öffne einige deiner typischen Word-, Excel- oder PowerPoint-Dateien und schau, ob sie so dargestellt und bearbeitet werden, wie du es brauchst.
10. Linux Mint parallel zu Windows installierenWenn das Live-System funktioniert und du Linux Mint weiter nutzen möchtest, kannst du es neben Windows installieren. Beim Start des Rechners wählst du anschließend aus, welches Betriebssystem geladen werden soll.
Wichtig: Bei dieser Installation wird die bestehende Festplatte neu aufgeteilt. Genau hier liegt das größte Risiko. Wenn du versehentlich die falsche Option auswählst oder die Partitionierung schiefgeht, können Windows oder persönliche Daten beschädigt werden.
Bevor du Linux Mint parallel zu Windows installierst, solltest du ein aktuelles Backup deiner wichtigen Dateien auf einem externen Datenträger anlegen und kurz prüfen, ob sich die Sicherung auch tatsächlich öffnen lässt. Falls unter Windows BitLocker bzw. die Geräteverschlüsselung aktiv ist, sichere zusätzlich den Wiederherstellungsschlüssel.
Bei der Installation selbst ist wichtig, dass du ausdrücklich die Option wählst, Linux Mint neben Windows zu installieren. Varianten wie »Festplatte löschen« oder eine manuelle Partitionierung sind für diesen Einstieg nicht gedacht und können dazu führen, dass Windows oder vorhandene Daten verloren gehen.
Achte außerdem darauf, wie die Verschlüsselung gehandhabt wird. Gerade bei Notebooks sollte der interne Datenträger verschlüsselt sein. Viele Windows-11-Geräte nutzen dafür bereits BitLocker bzw. die Geräteverschlüsselung. Diesen Schutz solltest du beim Wechsel zu Linux Mint nicht versehentlich verlieren.
Bei einer parallelen Installation neben Windows ist eine vollständige Verschlüsselung von Linux Mint allerdings nicht immer so einfach umzusetzen wie bei einer reinen Linux-Installation. Wird dir keine eindeutige Option angeboten, Linux Mint neben Windows zu installieren, brich an dieser Stelle ab und hole dir Hilfe.
Nach der Installation sollte beim Start des Rechners ein Auswahlmenü für Windows oder Linux Mint erscheinen. So kannst du beide Systeme parallel nutzen und Windows jederzeit weiter starten.
11. Typische StolperfallenLinux ist doch nur etwas für Nerds.
Das Bild hält sich hartnäckig. Einen Browser öffnen, Dateien verwalten, E-Mails schreiben oder mit LibreOffice arbeiten funktioniert unter Linux Mint aber ganz normal über eine grafische Oberfläche. Für typische Alltagsaufgaben musst du nicht ständig Befehle in ein Terminal tippen.
Wenn ich Linux installiere, ist Windows weg.
Nicht, wenn du Linux Mint parallel installierst. Danach entscheidest du beim Start des Rechners, welches System du verwenden möchtest.
Ich muss mich doch erst für die perfekte Linux-Distribution entscheiden.
Am einfachsten ist es oft, mit der Linux-Distribution zu starten, die dir jemand aus deinem Umfeld empfiehlt und bei der dir diese Person auch helfen kann. Kennst du niemanden mit Linux-Erfahrung, empfehlen wir Linux Mint. Die Bedienung ist für Windows-Umsteiger vergleichsweise vertraut und der Einstieg gelingt meist ohne größere Umgewöhnung. Wenn du später tiefer einsteigen möchtest, kannst du dir immer noch andere Distributionen anschauen.
Meine Word- und Excel-Dateien funktionieren unter Linux nicht mehr.
Die Dateien verschwinden natürlich nicht. LibreOffice kann die verbreiteten Microsoft-Office-Formate öffnen und bearbeiten. Bei komplizierten Dokumenten, Makros oder speziellen Formatierungen kann es aber Abweichungen geben. Solche Dateien solltest du deshalb vorher testen.
Mein Drucker oder Scanner funktioniert bestimmt nicht.
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Genau deshalb gibt es den Test mit dem Live-System. Dort merkst du schnell, ob dein konkretes Gerät erkannt wird.
Ich brauche ein bestimmtes Windows-Programm.
Dann behältst du Windows einfach. Wenn eine wichtige Anwendung nur dort läuft, kannst du für diese Aufgabe weiterhin Windows starten. Für Fortgeschrittene gibt es noch eine weitere Möglichkeit: Windows lässt sich beispielsweise mit VirtualBox in einer virtuellen Maschine unter Linux betreiben. Dabei läuft Windows innerhalb eines Fensters auf dem Linux-Desktop. Das ist praktisch für einzelne Programme, aber deutlich aufwendiger einzurichten und deshalb nichts, womit Einsteiger anfangen müssen.
Dann lösche ich Windows direkt. Wenn schon, denn schon.
Das erzeugt für Einsteiger vor allem unnötigen Druck. Wenn später doch ein wichtiges Programm oder Gerät fehlt, ist der Frust groß. Windows löschen kannst du immer noch, wenn du sicher bist, dass du es nicht mehr brauchst.
12. Bei Fragen Hilfe erhalten
Du musst das übrigens nicht allein machen. Zu jedem Thema gibt es im Forum die Möglichkeit, Fragen zu stellen, Erfahrungen zu teilen und konkrete Hilfe zu bekommen – egal ob du beim Erstellen des USB-Sticks hängenbleibst, dein Drucker unter Linux Mint nicht auftaucht oder du wissen möchtest, welche Alternative es für ein bestimmtes Windows-Programm gibt.
Gerade beim Wechsel des Betriebssystems hilft es, konkrete Probleme einzeln zu lösen, statt beim ersten Stolperstein das ganze Vorhaben abzuschreiben.
13. Für FortgeschritteneWer sich mit Linux Mint eingelebt hat oder von Anfang an mehr ausprobieren möchte, findet eine große Auswahl weiterer GNU/Linux-Distributionen. Eine Orientierung bietet beispielsweise der DistroChooser. Verschiedene Distributionen lassen sich außerdem über DistroSea direkt im Browser anschauen.
Später können auch Themen wie manuelle Partitionierung, virtuelle Maschinen, Wine oder eine vollständige Linux-Installation ohne Windows interessant werden. Wer tiefer einsteigen möchte, kann sich außerdem mit einer individuell eingerichteten Festplattenverschlüsselung beschäftigen – etwa wenn die automatische Installationsroutine nicht zu den eigenen Anforderungen passt.
Die Verschlüsselung selbst ist dabei kein reines Fortgeschrittenen-Thema, sondern gerade bei mobilen Geräten ein wichtiger Basisschutz. Fortgeschritten wird es erst dann, wenn du sie manuell einrichten oder an eine besondere Partitionierung anpassen möchtest.
Für den Einstieg brauchst du diese technischen Details nicht. Mit Linux Mint, einem Live-System und bei Bedarf einer parallelen Installation hast du bereits einen einfachen Weg, GNU/Linux im eigenen Alltag kennenzulernen.
14. FazitWindows 11 lässt sich an einigen Stellen deutlich datensparsamer einstellen. Optionale Diagnosedaten, Werbung, Empfehlungen, Aktivitätsverlauf und unnötige Berechtigungen müssen nicht einfach hingenommen werden. Die grundsätzliche Abhängigkeit bleibt allerdings bestehen: Microsoft entscheidet, welche Funktionen Windows künftig enthält, welche Daten als erforderlich gelten und welche Voreinstellungen das System mitbringt. Wer Windows möglichst datensparsam nutzen möchte, muss deshalb nach größeren Änderungen immer wieder kontrollieren und gegebenenfalls nachjustieren.
Wer sich davon lösen möchte, kann Linux Mint ausprobieren, ohne Windows gleich aufzugeben. Du kannst das System zunächst ansehen, anschließend vom USB-Stick auf deiner eigenen Hardware testen und es später neben Windows installieren.
So musst du dich nicht an einem Nachmittag für oder gegen Windows entscheiden. Nutze Linux Mint dort, wo es für dich funktioniert, und behalte Windows zunächst für die Dinge, die noch fehlen. Ob du es irgendwann ganz loswerden möchtest, kannst du später entscheiden.

Als freiberuflicher Pentester und Sicherheitsforscher bei Kuketz IT-Security untersuche ich IT-Systeme, Webanwendungen sowie Android- und iOS-Apps auf Schwachstellen. Darüber hinaus lehre ich IT-Sicherheit an der DHBW Karlsruhe, gebe Workshops und Schulungen und halte Vorträge auf Fachveranstaltungen. Als Autor schreibe ich unter anderem für c’t. Meine Arbeit und der Kuketz-Blog werden regelmäßig in Medien wie heise online, Spiegel Online und der Süddeutschen Zeitung aufgegriffen.
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