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Ferngesteuerte Belästigung?: Polizei beschlagnahmt Roboter nach Übergriff auf Jugendliche

Дата публикации: 13-10-2026 13:01:00




Ein Streamer lässt seinen Roboter durch Köln laufen. Als dieser eine Jugendliche berührt, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Kann eine Maschine sexuell belästigen? Ein Experte erklärt, wie die anzüglichen Bewegungen wahrscheinlich programmiert wurden.



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Übergriff auf Jugendliche Kann ein Roboter sexuell belästigen? Experte ordnet Fall in Köln ein

13.10.2026 · 15:01 Uhr

Köln · Ein Streamer aus Wegberg lässt seinen Roboter durch Köln laufen. Als dieser eine Jugendliche berührt, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Kann eine Maschine sexuell belästigen? Ein Experte erklärt, wie die anzüglichen Bewegungen wahrscheinlich zustande kamen.

Der rot-goldene Roboter, der durch die Kölner Innenstadt läuft, ist 1,20 Meter hoch. Überraschend schnell rennt er zwei jungen Frauen hinterher, die wiederum versuchen vor ihm zu flüchten. Das ist auf einem Video zu sehen, das der Besitzer des Roboters auf der Streaming-Plattform Twitch hochgeladen hat. Es ist nicht das einzige Video, in dem der 16-Jährige zusammen mit älter wirkenden Freunden und seinem Roboter durch Köln läuft. Sie übertragen ihre Ausflüge live, in einem Chat können ihre Zuschauer das Geschehen in Echtzeit kommentieren. Doch dieser Roboter ist nun in Polizeigewahrsam. Denn er soll eine 16-Jährige sexuell belästigt haben.

Roboter berührte Jugendliche am Gesäß

Die Jugendliche stand in der Nacht zum Sonntag mit zwei Freundinnen vor einem Schnellrestaurant am Hohenzollernring, als sich der Roboter von hinten näherte. Dabei habe er die Minderjährige am Gesäß berührt und Stoßbewegungen mit einem Arm ausgeführt. Die Streamer wehren sich gegen diese Darstellung: Der Roboter sei einem Mann ausgewichen und nur zufällig mit der Jugendlichen in Berührung gekommen. Nach dpa-Informationen spielte sich der Vorfall in einem Bereich ab, der von der Kölner Polizei mit Kameras überwacht wird. Ein Polizeisprecher bestätigte, dass Bildmaterial ausgewertet werde.

Auf anderen Videos der Streamer ist zu sehen, wie der Roboter die beschriebenen Stoßbewegungen ausführt oder auch Masturbationsbewegungen mit einer Hand macht. In vielen Situationen fordert der Besitzer Passanten (meist junge Frauen) auf, mit der Maschine zu interagieren. Sobald der Roboter anzügliche Bewegungen macht, zeigt sich der 16-Jährige empört und spricht mit dem Roboter, als würde dieser aus freien Stücken handeln.

Gerät wurde wahrscheinlich programmiert

Ob die Bewegung vom Roboter ausging oder von Menschen gesteuert wurde, überprüft nun die Polizei Köln. Sie ermitteln wegen Verdachts der Beleidigung auf sexueller Grundlage. Bei dem Gerät handelt es sich um einen Unitree R1 der je nach Ausstattung für 5000 bis 6000 Euro beim Hersteller bestellt werden kann. Auf der Internetseite wird damit geworben, dass der Roboter eigenständig agiere – man könne ihm aber auch Bewegungen beibringen.

„Den Unitree R1 können Sie entweder mit einer Funkfernbedienung oder einer App fernsteuern“, erklärt Ralf Beck. Er ist Professor im Fachbereich Elektro- und Informationstechnik der University of Applied Science in Düsseldorf. Die obszönen Bewegungen seien nicht Teil der Standardeinstellungen des Roboters. „Diese lassen sich aber durch den Benutzer als Bewegungsabläufe einprogrammieren und auf Knopfdruck – per Fernsteuerung oder App – abspielen“, so Beck. „Um das fragliche Verhalten des Roboters zu erzeugen, braucht es beides: ein gewisses Maß an Vorprogrammierung der Bewegungen und eine manuelle Auslösung per Fernsteuerung.“

Polizei ist kein ähnlicher Vorfall bekannt

Für die Polizei ist dieser Fall etwas ganz Neues. Eine Sprecherin der Polizei Köln sagte, ihr sei kein ähnlicher Vorfall bekannt. So geht es auch der Gewerkschaft der Polizei (GdP). „So ein Geschehen war mir bislang noch nicht untergekommen“, sagt Patrick Schlüter, GdP-Landesvorsitzender in NRW, unserer Redaktion.

Jetzt müsste die Polizei Köln herausfinden, wie viel menschliche Absicht nachweisbar ist. Er sieht das größere Problem aber woanders: „Kern allen Übels bleibt die Sucht nach Aufmerksamkeit im Internet, die auch hier offenbar Triebfeder war.“

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