Wenn größere Events anstehen, möchten Veranstalter vieles wissen: Buslinien, Straßenbahnen oder S-Bahnzüge aus? Gibt es genügend Parkplätze oder Verkehrsstaus?
Wenn größere Events stattfinden, möchten Veranstalter und Dienstleister wissen, was da auf sie zukommt. Reichen Buslinien, Straßenbahnen oder S-Bahnzüge aus? Gibt es genügend Parkplätze? Muss mit Verkehrsstaus gerechnet werden?
Alle Mobilfunkunternehmen wissen, was in ihren Netzen passiert. Und wenn man sich zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Karte der momentanen Netzauslastung anschaut, kann man schön sehen, wo die Leute unterwegs sind: morgens zur Arbeit, Abends nach Hause oder zu einem Groß-Event wie einem Fußball-Spiel oder Musik-Konzert.
Musikgruppen sorgen für Netzauslastung
Solche Mega-Events stellen an Mobilfunkanbieter, Verkehrsunternehmen und Dienstleister extreme Anforderungen.
Foto: Vodafone Deutschland
Beim Begriff "Backstreet Boys" werden manche Leser zusammenzucken. Andere wissen vielleicht gar nicht mehr, wer das war oder ist. Fakt ist, auch nach über 30 Jahren gibt es noch zahlreiche Fans dieser Gruppe. Der Netzbetreiber Vodafone hat aktuelle Konzerte dieser über 30 Jahre alten "Boygroup" in Düsseldorf ausgewertet und kommt zu interessanten Erkenntnissen.
Fans aus mindestens 36 Ländern kamen zu den drei untersuchten Konzerten, insbesondere aus den Niederlanden, der Schweiz, Spanien, aber auch Brasilien und China - sprich ein Viertel der Besucher kam aus dem Ausland.
Wie stark wird Social Media genutzt?Wenn so ein Konzert zum Beispiel um 20 Uhr anfängt, ist klar, dass zwischen 19 und 20 Uhr die Luft "glüht", weil den Daheimgebliebenen ein Bild oder kurzes Video übermittelt werden soll oder es werden noch die genauen Treffpunkte vor Ort koordiniert ("Bist Du schon da?"). Bei den zehn Konzerten mit mehr als 400.000 verkauften Tickets und Fans aus aller Welt in Düsseldorf, hat Vodafone anonymisierte Mobilfunk-Daten von drei Konzerttagen analysiert.
Aus 36 Ländern nach DüsseldorfDie Besucher kamen aus mindestens 36 Ländern (erkennbar an ihrem Heimatnetz, das dann bei Vodafone geroamt hat). Insgesamt seien sogar ein Viertel der Besucher aus dem Ausland angereist. Nun sind die Niederlande nicht weit (5 Prozent), die Schweiz (3 Prozent) oder Spanien (2 Prozent) schon eher. Belgien wäre noch "im Nahbereich", Frankreich oder Österreich eher nicht.
Indonesien, Brasilien oder ChinaEinzelne Fans nahmen sogar den Weg aus Indonesien, Brasilien und China auf sich. Mindestens sieben Prozent der internationalen Fans, die an den drei untersuchten Konzerttagen vor Ort waren, reisten mit dem Flugzeug an. Rund 90 Prozent von ihnen nutzten dafür die nahe gelegenen Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn.
77 Prozent "von hier"Blieben mehr als 100.000 Besucher (77 Prozent) der drei untersuchten Konzerte, die aus Deutschland kamen (und Kunde im Netz von Vodafone sind, sei es Original-Vodafone, ein Discounter, ein Service-Provider oder MVNO oder Kunden von 1&1), wobei das gastgebende Bundesland Nordrhein-Westfalen vorne lag, gefolgt von Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen und Bayern. Rund 18 Prozent der Besucher aus Deutschland reisten dabei mehr als 100 Kilometer, um nach Düsseldorf zu kommen.
Düsseldorf vorneInnerhalb Nordrhein-Westfalens stellte Düsseldorf mit 30 Prozent den größten Anteil der Besucher, vor Köln (5 Prozent), Duisburg und Essen (jeweils 3 Prozent) sowie Dortmund (2,5 Prozent). Aus Städten außerhalb Nordrhein-Westfalens kamen die meisten Besucher aus Stuttgart, Frankfurt und Hamburg.
Anreise mit dem AutoÜber alle drei untersuchten Konzerttage hinweg reisten rund 65 Prozent der jeweiligen Tagesbesucher überwiegend mit dem Auto nach Düsseldorf. Etwa 11 Prozent kamen mit dem Zug, weitere 14 Prozent mit dem öffentlichen Personennahverkehr. Für viele Fans war der Abend nach dem Konzert noch nicht vorbei – viele Besucher zog es der Analyse zufolge nach den Konzerten noch in die Düsseldorfer Altstadt und nach Friedrichstadt.
Vor den Konzerten hielten sich besonders viele Besucher in den Stadtteilen Pempelfort und Oberkassel auf. Für die einzigen Europa-Auftritte der Band nahmen viele Fans weite Wege auf sich, teils sogar aus Übersee. Damit wurde Düsseldorf zum internationalen Treffpunkt für Fans.
Mobile Datennutzung und Telefonie während der KonzerteDie mobile Datennutzung im Vodafone-Netz rund um das Düsseldorfer Messegelände stieg an den Konzerttagen der Backstreet Boys deutlich an. Ihren Höhepunkt erreichte sie jeweils zwischen 19 und 20 Uhr: Zu dieser Zeit transportierte das Vodafone-Netz vor Ort bis zu 610 Gigabit an Daten pro Stunde. Das entspricht rechnerisch rund 20.000 Streams des Songs 'Everybody'.
Doch auch während des Konzerts behielten zahlreiche Fans ihre Handys in der Hand, um ihre Erlebnisse in den sozialen Medien zu teilen. Telefonieren war dagegen während der Konzerte 'out' – ab 20 Uhr gingen die Telefonate der Besucher massiv zurück. Die zwei Stunden vor dem Konzert nutzten dagegen sehr viele Fans, um sich möglicherweise vor Konzertbeginn per Telefon noch zu verabreden oder kurz mit Familie und Freunden zu sprechen. Allein zwischen 19 und 20 Uhr wurden 3000 Telefonate im Konzertumfeld geführt.
Wie macht Vodafone diese Besucher- und Transportströme sichtbar?Im Mobilfunk-Netz entstehen technische Datenpunkte, wenn Mobiltelefone mit Mobilfunk-Zellen kommunizieren – etwa beim Telefonieren oder Surfen. Für die Analyse werden die relevanten Datenpunkte anonymisiert, aggregiert und anschließend statistisch hochgerechnet. Die Auswertung erfolgt ausschließlich für größere Gruppen; Rückschlüsse auf einzelne Personen (war Matthias Müller oder Susi Mayer auch vor Ort?) sind damit nicht möglich.
Aus den aggregierten Daten lassen sich räumliche und zeitliche Bewegungsmuster ableiten. Algorithmen ordnen diese anhand von Geschwindigkeit, Bewegungsverlauf, Streckenführung und typischen Haltepunkten verschiedenen Transportmitteln zu. So können Bahn- und Autofahrten sowie Fußwege auf aggregierter Ebene voneinander unterschieden werden. Bei Vodafone ist die Abteilung Vodafone Analytics für diese Datenverarbeitung und Auswertung zuständig.
Alle Netzbetreiber betreiben AnalysenEine Analyse von Nuzterströmen findet bei allen Netzbetreibern statt. Diese Informationen können Städte oder Regionen nutzen, um beispielsweise die Verkehrsströme zu erfassen und zu lenken, oder ausreichend Busse oder Straßenbahnen bereit zustellen. Eisenbahnunternehmen können so abschätzen, wie viele Züge und Personal sie brauchen. Städteplaner können beim Neubau einer Konzerthalle oder eines Stadions sich rechtzeitig Gedanken machen, wie die Erschließung aussehe sollte.
Backstreet Boys erstmalig bei Telekom
Am 20.2.1997 traten die Backstreet Boys schon bei der Telekom auf und machten Reklame für Scall XTS canned messages
Foto: Deutsche Telekom
Kleiner Funfact: Im Jahre 1997 lud die Deutsche Telekom Fachjournalisten ein, um ihr Produkt Scall XTS Canned Message vorzustellen. Dazu traten die Backstreet Boys exklusiv für die Telekom bei dieser Pressekonferenz auf und bewiesen, dass sie wirklich singen können (der Autor war vor Ort).
Der Hintergedanke war damals, vor dem Telekom Gebäude im Bonner Landgrabenweg einen massiven Fan-Auflauf (und damit Aufmerksamkeit) zu erzeugen. Das hatte sich aber offenbar kaum rumgesprochen, die Zahl der Fans vor der Tür blieb am Ende überschaubar. Handys waren damals noch "unbezahlbar" und wer schon einen Scall-Empfänger hatte, musste darauf hoffen, dass jemand zu teuren Preisen diesen Scall auch wirklich angerufen hat.
Über die Abschaltung des Scall-Funkrufdienstes hat teltarif.de damals berichtet.
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