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Ausbau auf Groß Nikobar: Indiens milliardenschwere Machtspiele

Дата публикации: 05-07-2026 18:13:00




Vor der indonesischen Küste baut Indien seine strategische Inselfestung aus. Damit will das Land Peking in die Schranken weisen. Das Vorhaben bedroht eines der letzten, bisher isoliert lebenden Völker der Erde.



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Ausbau auf Groß Nikobar Indiens milliardenschwere Machtspiele

Indische Armee-Kadetten (Symbolbild).

Indische Armee-Kadetten (Symbolbild).

Foto: AFP/ARUN SANKAR

Analyse | Neu Delhi · Vor der indonesischen Küste baut Indien seine strategische Inselfestung aus. Damit will das Land Peking in die Schranken weisen. Das Vorhaben bedroht eines der letzten, bisher isoliert lebenden Völker der Erde.

An einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten will Indien einen modernen Hafen, Militäranlagen und eine ganze neue Stadt schaffen. Das ehrgeizige Projekt auf Groß Nikobar (Great Nicobar Islands) soll Pekings Macht im Indischen Ozean eindämmen – doch für indigene Gemeinschaften und die Natur könnte dies erhebliche Folgen haben.

Geografisch gesehen liegt Groß Nikobar näher am indonesischen Archipel als an Indien selbst. Der größte Teil der 910 Quadratkilometer großen Insel – etwa 95 Prozent – ist mit dichtem Regenwald bewachsen. Nach Einschätzung der Unesco leben hier zahlreiche Arten, die es nur dort gibt. Außerdem dient sie der Lederschildkröte, der größten Meeresschildkröte weltweit, als bedeutender Nistplatz.

Seit rund 10.000 Jahren besiedeln zudem die Shompen diese Insel – eine der wenigen noch isoliert lebenden Gemeinschaften unseres Planeten. Der Menschenrechtsorganisation Survival International zufolge handelt es sich bei den etwa 300 Menschen um Jäger und Sammler, die bewusst jede Verbindung zur restlichen Welt meiden.

Doch genau dies gerät nun in Gefahr: Indiens Premierminister Narendra Modi treibt ein kolossales Vorhaben im Wert von 12,5 Milliarden US-Dollar voran, das die Insel komplett umgestalten wird. Modi kündigte in sozialen Netzwerken an, das Projekt besitze „strategische, verteidigungspolitische und nationale Relevanz“ und werde die Region zu einem „zentralen Umschlagplatz für maritimen und luftfahrttechnischen Austausch“ machen.

Die Insel verdankt ihre Attraktivität ihrer strategischen Lage im Osten des Indischen Ozeans. Groß Nikobar liegt nur etwa 40 Seemeilen entfernt von der Straße von Malakka. Nach Angaben des World Economic Forum fahren jährlich mehr als 90.000 Schiffe durch diese Meerenge, die den Indischen Ozean mit dem Südchinesischen Meer verbindet. Gut 30 Prozent aller global gehandelten Waren durchqueren diese maritime Engstelle, und 80 Prozent von Chinas Energieversorgung geht durch die enge Wasserstraße zwischen Indonesien, Malaysia und Singapur.

Die Insel könne „wie ein ‚unsinkbarer Flugzeugträger’ funktionieren“, erklärte vor Kurzem Gautam Chikermane von der Denkfabrik Observer Research Foundation in Neu-Delhi im Interview mit dem australischen Fernsehsender ABC. Dies erlaube der indischen Marine, den Schiffsverkehr zu kontrollieren, würde Blockaden von strategischen Punkten unterbinden und sichere Indiens Energieversorgung im Indopazifik ab.

Das mehrstufig aufgebaute Vorhaben soll bis zum Jahr 2047 komplett realisiert sein. In der ersten Phase bis 2035 entstehen ein 5,5 Milliarden US-Dollar teurer Tiefwasserhafen in der Galathea-Bucht und eine Fluganlage. Außerdem sollen vorhandene Militärbauten modernisiert werden. Der Hafen könnte mehr als 20 Millionen Standardcontainer jährlich bewegen – das würde ihn in Indiens Top drei der größten Häfen platzieren. Vorgesehen sind zudem Hotelanlagen, Kraftwerke und eine völlig neu gebaute Stadt. Nach Aussagen des Think Tanks Earth.org könnte die Einwohnerzahl von heute etwa 8000 auf rund 650.000 anschwellen.

Die indische Regierung plant auch, jährlich mehr als eine Million Besucherinnen und Besucher auf die Insel zu bringen. Gut ein Fünftel der Insel würde dafür der Rodung zum Opfer fallen, schätzungsweise 800.000 Bäume müssten gefällt werden. „Unbestritten ist, dass das Projekt Groß Nikobar tiefgreifende Konsequenzen für die Insel mit sich bringt“, heißt es vonseiten der Denkfabrik.

Survival International äußerte bereits seine Sorge darüber, dass das Projekt die Shompen verheerend treffen wird: „Wie andere unkontaktierte Volksstämme sind auch die Shompen hochgradig anfällig für Infektionen, deren Erreger sie nicht bekämpfen können.“ Obendrein würde der Hafenbau Flussmündungen und Wasserwege zerstören, die für den Stamm lebensnotwendig sind. Naturschützerinnen und Naturschützer warnen darüber hinaus, dass der Hafenausbau die Lederschildkröten von ihren angestammten Fortpflanzungsgebieten abschneidet.

Auch bei der lokalen Bevölkerung formiert sich zunehmend Widerstand. Oppositionspolitiker Rahul Gandhi kritisierte das Projekt im April scharf als „Zerstörung im Gewand des Fortschritts“ und sprach von „einem der größten Verbrechen an Natur und Stammeskultur in unserem Jahrhundert“. Ein indisches Gericht für Umweltangelegenheiten gab dem Projekt im Februar allerdings seinen Segen.

Das Vorhaben auf Groß Nikobar steht nicht isoliert da. Es ist Bestandteil eines umfassenderen, expansiven Phänomens im Indopazifik-Raum. Parallel zu Indiens Investitionen in die Nikobaren modernisiert Australien seinen Flughafen auf den abgelegenen Kokosinseln. So wie die Nikobaren befinden auch sie sich an einer strategischen Schlüsselposition auf den Seewegen zwischen dem Indischen und dem Pazifischen Ozean.

Deshalb konzentrieren sich auch chinesische Forschungsschiffe auf exakt solche Regionen, wie das Lowy Institute bereits 2022 dokumentierte. Die dabei erfassten Informationen dienen aber nicht bloß friedlichen Zwecken, sondern könnten laut der Denkfabrik auch „zum Aufspüren fremder U-Boote und zur Überwachung eigener U-Boote verwendet werden“.

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