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Zürcher Milieu-Beiz «Sonne»: Wo einst Prostituierte arbeiteten, ziehen nun Flüchtlinge ein – ist das der richtige Ort?

Дата публикации: 01-07-2026 04:35:16

Ab Herbst sollen rund 60 Asylsuchende sowie Menschen mit begrenztem Aufenthaltsrecht in das Haus an der Hohlstrasse einziehen – die Zwischennutzung sorgt für Kritik.

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Zürcher Milieu-Beiz «Sonne»: Wo einst Prostituierte arbeiteten, ziehen nun Flüchtlinge ein – ist das der richtige Ort?

Ab Herbst sollen rund 60 Asylsuchende sowie Menschen mit begrenztem Aufenthaltsrecht in das Haus an der Hohlstrasse einziehen – die Zwischennutzung sorgt für Kritik.

Das Restaurant «Sonne» und seine bewegte Geschichte: Seit eineinhalb Jahren ist der berüchtigte Milieu-Treffpunkt im Kreis 4 geschlossen.

Das Restaurant «Sonne» und seine bewegte Geschichte: Seit eineinhalb Jahren ist der berüchtigte Milieu-Treffpunkt im Kreis 4 geschlossen.

Goran Basic / NZZ

Der Vorplatz ist leer und sauber, an der Tür klebt noch immer ein weisser Zettel: vorübergehend geschlossen. Das «Vorübergehend» dauert allerdings schon eine Weile: Seit bald eineinhalb Jahren ist der berüchtigte Milieu-Treffpunkt im Kreis 4 geschlossen. Zum zweiten Mal innerhalb von zehn Jahren ging die «Sonne» an der Hohlstrasse im Februar 2025 in Konkurs.

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Der Gastrobetrieb im Erdgeschoss ist zu, und die Mieterinnen in den insgesamt 59 Zimmern – vorwiegend Prostituierte – wurden vor die Tür gesetzt. Die «Sonne» war die bekannteste Kontaktbar im Langstrassenquartier; die Gäste kamen dort bei thailändischen Gerichten und hochpreisigen Getränken mit Prostituierten ins Gespräch und ins Geschäft.

Inzwischen ist bekannt, wer das Gebäude aus der Konkursmasse gekauft hat: der aus der Ostschweiz stammende Immobilienunternehmer Albert Grob. Laut der Online-Plattform «Inside Paradeplatz» hat er 35 Millionen Franken bezahlt.

Das Haus gehört nun der Bilaya Wohnbau AG, die ein Unternehmen innerhalb der Albert-Grob-Gruppe ist. Bis 2010 hat Albert Grob zusammen mit seinem Bruder Geschäfte gemacht und laut seiner Website auch «Luxus-Eigentumswohnungen an der Goldküste» gebaut. Danach haben sie ihr Imperium aufgeteilt.

Ob Albert Grob tatsächlich 35 Millionen Franken für die Sonne bezahlt hat, beantwortet er nicht. Der Unternehmer möchte nicht mit der NZZ sprechen.

Ein Ostschweizer investiert in Zürichs Agglomeration

Ein Blick ins Handelsregister zeigt eine rege Geschäftstätigkeit der Bilaya Wohnbau AG: Das Unternehmen hat 2017 und 2018 mit einem Dutzend Immobilienfirmen fusioniert. Mehrheitlich wurden Firmen in Dübendorf oder Spreitenbach übernommen. Deren Vermögenswerte belaufen sich insgesamt auf über 327 Millionen Franken, bei einem Fremdkapital von 286 Millionen Franken.

Albert Grob ist nicht nur in der Zürcher Agglomeration tätig. Schon vor dem Kauf der «Sonne» besass er eine Liegenschaft im Langstrassenquartier. Darin befindet sich das «Casa Aurelio», ein Restaurant, das für seinen luxuriösen halbseidenen Charme bekannt ist.

Auf der Website der Bilaya Wohnbau AG betont Grob sein soziales und umweltpolitisches Engagement. Darunter fällt auch, dass sein Unternehmen den Anspruch habe, «bezahlbaren Wohnraum in der Stadt Zürich und Umgebung anzubieten».

Auch in der «Sonne»-Liegenschaft, mitten im Ausgeh- und Partyviertel rund um die Langstrasse, sollen laut der Bilaya Wohnbau AG Wohnungen entstehen – aber erst mittelfristig. Bis März 2028 hat sie die Räumlichkeiten im Obergeschoss an die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) vermietet.

Das Zürcher Sozialdepartement bestätigt, dass es seit diesem Monat ein Mietverhältnis mit dem neuen Eigentümer eingegangen ist. In dem Haus zwischen der Langstrasse und dem Kasernenareal werden frühestens im Oktober Asylsuchende sowie Menschen mit begrenztem Aufenthaltsrecht einziehen. Zunächst müssten die Wohnungen ausgeräumt und «nötige Arbeiten» ausgeführt werden, um eine «ansprechende Wohnsituation sicherzustellen», heisst es beim Sozialdepartement.

Platz gäbe es in dem Haus an der Hohlstrasse für 75 Personen. Die Stadt geht aber davon aus, dass rund sechzig Personen mit unterschiedlichem Aufenthaltsstatus einziehen werden, die sich mindestens schon einige Monate in der Schweiz aufhalten. Das Gebäude werde nicht als Kollektivunterkunft genutzt – wie etwa das ehemalige Bettenhaus beim Triemlispital, heisst es weiter.

Zum zweiten Mal innert zehn Jahren ist das Lokal in Konkurs gegangen. Aufnahme aus dem ersten Konkursjahr 2015.

Zum zweiten Mal innert zehn Jahren ist das Lokal in Konkurs gegangen. Aufnahme aus dem ersten Konkursjahr 2015.

Goran Basic / NZZ

Kritik aus dem Quartier

Für Sigi Huber, den Mitbetreiber des Restaurants Biergarten vis-à-vis der ehemaligen «Sonne» und Präsidenten des Gewerbevereins Kreis 4, ist die Zwischennutzung ein Fehlentscheid. «Das wertet das Quartier nicht auf. Man bringt sechzig bis siebzig Menschen mitten ins Nachtleben – zwischen Drogenhandel, Süchtigen und Partymeile. Das ist weder für das Quartier noch für die Asylsuchenden eine gute Lösung.» Für sie hätte es bessere Standorte gegeben, ist Huber überzeugt.

Der Mann, der sich seit fünfzig Jahren im Langstrassenquartier bewegt, findet, dass die Strassen rund um die «Sonne» bereits stark belastet seien. Etwa weil Süchtige rund um die Bäckeranlage offen Crack konsumierten. «Seit in der Bäckeranlage stärker kontrolliert wird, verlagert sich das Geschehen weiter in den Kreis 4. Die Süchtigen sitzen heute in Innenhöfen, Treppenhäusern und Kellern.»

Lieber hätte er in der ehemaligen «Sonne» Alterswohnungen, begleitetes Wohnen oder Familien gesehen. Er hätte es begrüsst, wenn die Stadt das Gebäude anders gemietet hätte. «Hauptsache, dort wohnen Menschen, die Teil des Quartiers werden.»

Huber vermutet hinter der Standortwahl eine grundsätzliche Strategie: «Vielleicht will die Stadt Drogen, Prostitution, Nachtleben und nun auch die Asylunterkunft an einem Ort bündeln. Für die Behörden ist das einfacher, als wenn sich die Probleme über die ganze Stadt verteilen.»

Beim Sozialdepartement heisst es, man sei sich des Umfelds der Liegenschaft bewusst und beziehe dies in die Planung ein. Wie an allen grösseren Unterbringungsstandorten will die Stadt auch den Dialog mit dem Quartier und den Anwohnern suchen. Die Form sei noch in Abklärung.

Zu ihren langfristigen Plänen will die Bilaya Wohnbau AG nichts sagen – die Planung befinde sich noch in einer frühen Phase, teilt das Unternehmen mit.

Derzeit steht das Gebäude an der Hohlstrasse 32 leer. Ab Oktober soll zumindest in den Wohnungen in den oberen Stockwerken wieder Leben einkehren.

Derzeit steht das Gebäude an der Hohlstrasse 32 leer. Ab Oktober soll zumindest in den Wohnungen in den oberen Stockwerken wieder Leben einkehren.

Goran Basic / NZZ

Die «Sonne» und ihre Besitzer

Das Restaurant «Sonne» und seine bewegte Geschichte waren ein fester Bestandteil des Rotlichtmilieus im Kreis 4. Die Betreiber des Lokals im sogenannten Bermuda-Dreieck waren oftmals illustre Figuren.

Bis 2004 wurde die «Sonne» von Hans-Peter Brunner betrieben, auch bekannt als Zürcher «Milieu-König». Dieser hatte das Lokal 1992 übernommen und war mit der Einführung der Thai-Küche und den Shows von asiatischen Frauenbands erfolgreich. Brunner besass rund ein Dutzend Rotlichthäuser.

2005 musste er sich nach einem zehn Jahre dauernden Strafverfahren der Staatsanwaltschaft wegen Vermögensdelikten verantworten. Am Tag der Gerichtsverhandlung nahm er sich in seinem Appartement im ersten Stock der «Sonne» das Leben.

Nach Brunners Tod übernahmen die Halbbrüder Alain Pasche und Albert Mosberger das Lokal. Kein halbes Jahr später wurde Mosberger von einem Unbekannten in der Nähe der «Sonne» niedergestochen und dabei tödlich verletzt.

Zuletzt wurde die «Sonne» von einer in Luzern ansässigen Firma namens Cheeky Monkey betrieben. Laut Berichten von «Inside Paradeplatz» gab es Konflikte zwischen dem Betreiber und dem Hausbesitzer; der Betreiber, der zum Schluss hoch verschuldet war, soll dem Besitzer Hausverbot erteilt haben.

Raus aus dem Rotlicht

Wie nun mit der geplanten Asylunterkunft gab es bereits in der Vergangenheit Bestrebungen, die «Sonne» aus dem Milieu herauszulösen. So wurden vor zehn Jahren die Wohnungen phasenweise nicht mehr überwiegend an Prostituierte vermietet. In der Folge kam es 2015 zum Konkurs und zu Spekulationen, ob der hohe Mietzins ohne Rotlichtbetrieb überhaupt finanziert werden kann.

Wie viel Miete die Stadt an Albert Grobs Bilaya Wohnbau AG für die Unterbringung von Flüchtlingen bezahlt, beziffert das Sozialdepartement auf Anfrage nicht. Man zahle dem Besitzer eine «angemessene Miete», die berücksichtige, dass die Asyl-Organisation Zürich (AOZ) das Ausräumen der Wohnungen übernommen habe. Zudem sorge die AOZ mit ihrer Zwischennutzung für Ordnung in der Liegenschaft.

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