Julian Nagelsmann tritt als Bundestrainer zurück. Der Druck auf ihn nach dem WM-Aus war riesig. Für die Nachfolge gibt es einen Top-Kandidaten aus dem Südwesten.
Julian Nagelsmann ist nicht mehr Bundestrainer. Wie der DFB mitteilte, beschlossen Gesellschaftervertreter und Aufsichtsrat der DFB GmbH und Co. KG am Freitag auf Vorschlag von DFB-Präsident Bernd Neuendorf einstimmig die sofortige Auflösung des Vertragsverhältnisses mit Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Nagelsmann habe bereits am Vortag in einem vertraulichen Gespräch mit der Verbandsspitze darum gebeten, ihn nach dem enttäuschenden Verlauf der FIFA Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko von seinen Aufgaben zu entbinden. Diesem Wunsch wurde nunmehr entsprochen.
Geschäftsführer Andreas Rettig wird seinen zum Jahresende auslaufen Vertrag nicht verlängern. Das stand jedoch schon vor der WM fest. Sportdirektor Rudi Völler wird im Amt bleiben.
"Der Deutsche Fußball-Bund bedankt sich ausdrücklich bei Julian Nagelsmann für die seit September 2023 geleistete Arbeit. Ihn zeichnen eine hohe Einsatzbereitschaft und außerordentlicher Ehrgeiz aus. Julian Nagelsmann ist darüber hinaus ein überaus verantwortungsbewusster und aufrichtiger Mensch, den wir alle schätzen", wird Präsident Bernd Neuendorf in der Pressemitteilung zitiert.
Julian Nagelsmann erklärte: "Ich habe in den vergangenen Tagen seit dem Ausscheiden viel nachgedacht und mich mit Vertrauten in meinem persönlichen Umfeld und im Verband ausgetauscht. Die Entscheidung ist mir alles andere als leichtgefallen. Mein oberstes Ziel war immer der Erfolg der Mannschaft. Sie hat nach so einer herben Enttäuschung die Chance auf einen unbelasteten Neuanfang verdient."
Nagelsmann war mit der DFB-Auswahl am Montag im Sechzehntelfinale der WM im Elfmeterschießen an Paraguay gescheitert. Unmittelbar nach dem Ausscheiden hatte er einen Rücktritt ausgeschlossen. Bei dem Treffen in Frankfurt soll ihm die DFB-Spitze aber diesen Schritt nahegelegt haben. "Ich bin keiner der wegläuft", hatte Nagelsmann im Stadion in Foxborough in den USA gesagt.
Nun kam es aber zu dem Sinneswandel. Als Nachfolger Nagelsmanns ist seit Tagen der in Stuttgart geborene und in Glatten (Nordschwarzwald) aufgewachsene Jürgen Klopp im Gespräch. Der einstige Erfolgscoach von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool und derzeitige Chefstratege von Red Bull ist der Topkandidat. Aktuell ist Klopp als TV-Experte bei der WM in den USA im Einsatz. Laut DFB hat er seine grundsätzliche Bereitschaft erklärt, den Job zu übernehmen.
Frankfurt, Glatten, Mainz, New YorkWie schon beim Vorrunden-Aus 2018 in Russland und 2022 in Katar verpasste das DFB-Team beim XXL-Turnier mit erstmals 48 Mannschaften in den USA, Kanada und Mexiko zum dritten Mal nacheinander die Runde der besten 16 Teams. Bundestrainer Nagelsmann, dessen Karriere als Profi-Trainer 2016 bei der TSG Hoffenheim begonnen hatte, war mit dem erklärten Ziel angereist, die Nationalmannschaft bestmöglich zum Titel zu führen. Der ehemalige Bundesliga-Trainer, der nach Hoffenheim auch RB Leipzig und den FC Bayern München coachte, hatte im September 2023 die Nachfolge von Hansi Flick angetreten.
Mainz, GlattenNagelsmann war damals "die Wunschlösung" von DFB-Sportdirektor Rudi Völler, der in der etwas mehr als 1.000 Tage währenden Amtszeit Nagelsmanns wichtigster Ansprechpartner im Verband war. "Wir haben ein absolutes Topverhältnis, ein freundschaftliches Verhältnis. Julian ist ein Toptrainer", hatte Völler noch vor dem Paraguay-Spiel im DFB-Camp in Winston-Salem betont.
Bei seinem ersten Turnier als DFB-Chefcoach war Nagelsmann vor zwei Jahren bei der Heim-EM im Viertelfinale gegen den späteren Titelgewinner Spanien unglücklich mit 1:2 nach Verlängerung ausgeschieden.
Als Top-Kandidat für eine mögliche Nachfolge wird Jürgen Klopp gehandelt. Der 59-Jährige ist seit Januar 2025 als Head of Global Soccer für die Red Bull GmbH tätig.
Klopp startete seine Trainer-Karriere bei Mainz 05 und arbeitete später sehr erfolgreich bei Borussia Dortmund und dem FC Liverpool. Mit dem BVB wurde er deutscher Meister, mit Liverpool gewann er den englischen Titel und 2019 die Champions League. Das erste Länderspiel der deutschen Mannschaft nach der WM findet am 24. September in den Niederlanden zum Start in die Nations League statt. Weitere Gruppengegner bis zum Jahresende sind Griechenland und Serbien.
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