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Debatte auf der Phil.Cologne: Wer hat Angst vor Peter Thiel?

Дата публикации: 13-06-2026 08:31:13




Trump sieht sich von Gott erwählt, Hegseth begreift den Krieg als religiösen Kampf – und Tech-Milliardär Peter Thiel treibt die Apokalypse um. Eine Debatte auf der Phil-Cologne über die gefährliche Macht religiöser Eiferer.



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Debatte auf der Phil.Cologne Wer hat Angst vor Peter Thiel?

Arnd Henze (l.) und Wolfgang Palaver (M.) im Gespräch mit Joachim Frank.

Arnd Henze (l.) und Wolfgang Palaver (M.) im Gespräch mit Joachim Frank.

Foto: Katja Tauber/Phil-Cologne

Köln · Trump sieht sich von Gott erwählt, Hegseth begreift den Krieg als religiösen Kampf – und Tech-Milliardär Peter Thiel treibt die Apokalypse um. Eine Debatte auf der Phil-Cologne über die gefährliche Macht religiöser Eiferer.

Kaum zu glauben, aber plötzlich ist Theologie wieder interessant. Das öffentliche Nachdenken über biblische Texte füllt Säle, theologische Bücher werden Bestseller und die Exegeten gefragte Gesprächspartner. Begriffe wie Katechon und Armageddon sind längst Begriffe in vieler Munde (oder keine Expertenbegriffe mehr. Grund dafür sind die von Kriegen gezeichnete aktuelle Lage der Welt und die Sorge vor einer massiven Rückkehr religiöser Rechtfertigung von Gewalt.

Vielleicht ein wenig zu flapsig lautete so der Veranstaltungstitel „Wer hat Angst vorm Antichrist?“, zu dem die Phil-Cologne zwei namhafte Teilnehmer dieses Diskurses eingeladen hatte: den Theologen, Journalisten und US-Experten Arnd Henze, dessen Buch „Mit Gott gegen die Demokratie“ viel Beachtung findet. Sodann den Innsbrucker Theologen Wolfgang Palaver, der in den zurückliegenden 30 Jahren immer wieder Gesprächspartner von Peter Thiel war und weiter ist.

Thiel kennt inzwischen ja auch fast jeder, den amerikanischen Tech-Milliardär, der seit Langem über den Antichristen nachdenkt, bei Donald Trumps erster Wahl zum Spender- und engen Beraterkreis des US-Präsidenten gehörte und als Förderer von US-Vize JD Vance gilt. Thiel, der Mächtige? Zumindest ein Verdächtiger und inzwischen eine Persona non grata: So haben die Wiener Festwochen, bei denen Thiel am 7. Juni auftreten sollte, den Tech-Milliardär erst kürzlich wieder ausgeladen. Zu viele Festivalkünstler hatten seinetwegen ihren Auftritt zuvor abgesagt.

Zu Recht? Zu Unrecht? Auf jeden Fall sei die Ausladung falsch gewesen, befanden beide Diskutanten, wobei Henze weniger an den apokalyptischen Vorstellungen Thiels interessiert gewesen wäre als vielmehr an den politischen Allmachtsfantasien eines Mannes, der mit seinen finanziellen Mitteln auch Gestaltungskraft hat. Und der christliche Nationalisten in den USA bestärkt, die den demokratischen Rechtsstaat hassen und im „Systemsprenger Trump“ einen Verbündeten im Weißen Haus bekommen haben. Die Trennung von Staat und Kirche, auf die damals selbst fromme Verfassungsväter Amerikas Wert gelegt hatten, beginnt zu bröckeln.

Zwei eingespielte Kampagnen-Videos aus den USA schienen das zu belegen. Eher belustigend die narzisstische Selbstdarstellung des US-Präsidenten unter dem Titel „God made Trump“, eher beängstigend die martialische Performance von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der kürzlich die Militärseelsorge neu aufstellte und evangelikale Prediger vor Soldaten den Krieg gegen den Iran religiös aufladen ließ.

Thiel hingegen ist ein Gegner des Iran-Krieges und bewegt sich nach Palaver auf einem anderen Terrain. Beseelt vom Glauben, dass der Mensch mit göttlichem Auftrag zum Mitschöpfertum berufen ist, müsse nach Thiels Ansicht alles, was irgendwie technisch möglich ist, auch gemacht werden. Grenzenlos und unreglementiert. Die Sterblichkeit ist danach eine Kränkung des Menschen, dessen Unsterblichkeit darum das Ziel des Fortschritts. Auch wenn in den Genuss möglicher Errungenschaften nur wenige Menschen kommen dürften.

Eine Vision Thiels aber habe sich nach Palavers Worten bereits zerschlagen, die von einem Weltstaat. Um Staaten irgendwann überflüssig zu machen, schuf Thiel 1998 mit PayPal ein „globales Zahlungsinstrument“. Der Terroranschlag auf die USA am 11. September 2001 ließ solche Träume zerplatzen. Und so ließ Thiel nur zwei Jahre später eine Überwachungssoftware entwickeln: „Palantir“ dient mittlerweile in vielen Ländern der Verfolgung vermeintlich unliebsamer Menschen.

Angst vorm Antichristen hatte auch nach dieser Debatte, die Joachim Frank vom Kölner Stadt-Anzeiger moderierte, zwar niemand. Ein finsteres Hintergrundrauschen aber blieb sowie die ungute Gewissheit, dass religiöser Eiferer so schnell von der politischen Weltbühne nicht verschwinden werden.

INFO Lesetipp: Arnd Henze: „Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht.“ Gütersloher Verlagshaus, 224 Seiten, 20 Euro.

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