Das Olympia-Aus der Nordischen Kombination schlägt hohe Wellen. Eine ganze Sportart zittert plötzlich um ihre Existenz. Die Wut auf das IOC ist enorm.
Das Olympia-Aus der Nordischen Kombination schlägt hohe Wellen. Eine ganze Sportart zittert plötzlich um ihre Existenz. Die Wut auf das IOC ist enorm.
Obwohl sich das Olympia-Aus der Nordischen Kombination in den letzten Monaten schon abzeichnete, traf die am Dienstag offiziell verkündete Meldung des IOC die Sportlerinnen und Sportler, Trainerinnen und Trainer und Verbände schwer. Wie es perspektivisch weitergehen kann und soll, weiß niemand.
"Es ist scheiße. Was das Sportliche angeht, spielt es im Moment keine große Rolle, weil die nächste Olympiade erst in vier Jahren ist. Aber es spielt eine große Rolle, was Entwicklung, Unterstützung und das Interesse angeht", klagte der norwegische Superstar Jens Lurås Oftebro im "Dagbladet"-Interview über den IOC-Entschluss.
Als viermaliger Olympiasieger weiß Oftebro ganz genau, wie viel von seiner Karriere von den Spielen abhängt. Ein gutes Abschneiden ist nicht nur der Lohn für die harte Arbeit, sondern auch ein Großteil der Grundlage für die persönliche Zukunft. Ein Olympiasieger weckt bei Sponsoren schließlich deutlich größeres Interesse.
"Das ist ein ganz schwerer Schlag", meinte Deutschlands Ex-Kombinierer Johannes Rydzek im "BR"-Gespräch. "Was das bedeutet, kann man schwer sagen", blickte auch er mit Sorgen auf die Zukunft. Der DSV, so erklärte Rydzek, habe den deutschen Kombiniererinnen und Kombinierern zugesagt, dass zumindest intern vorerst alles beim Alten bleibt und sie auf die Unterstützung bauen können. "Da geht es vor allem darum, den Sport professionell ausüben zu können."
Ob andere, kleinere Verbände die Lage auch so bewerten und jetzt überhaupt noch eine Perspektive für die Sportart sehen, steht derweil in den Sternen. Gut möglich, dass sie bald vollständig den Stecker ziehen.
Ein besonders schwerer Schlag ist das NoKo-Aus für den norwegischen Verband. Er war 2022 und auch 2026 der mit Abstand erfolgreichste bei Olympia. Die einzige Goldmedaille, die man nicht holte, ging 2022 an den Deutschen Vinzenz Geiger.
"Der größte Fehler, den wir gemacht haben, war, bei der letzten Olympiade drei Goldmedaillen und bei der davor zwei von drei Goldmedaillen zu gewinnen", sagte Norwegens Sportchef Ivar Stuan mit Verweis auf die IOC-Begründung, die Sportart habe zu wenige konkurrenzfähige Nationen. "Es ist wirklich traurig, dafür bestraft zu werden, so einen guten Job gemacht zu haben."
Gravierende Auswirkungen auf die Sportart fürchtet auch der norwegische Verantwortliche: "Vor allem langfristig wird es viel bedeuten. Vielleicht werden Athleten aufgeben und zu anderen Sportarten wechseln. Olympia ist für viele kleine Nationen wichtiger, als es dem IOC lieb ist. Jetzt killen sie diese Nationen, indem sie weniger Ressourcen bekommen. Das ist komplett falsch", betonte er.
Große Unterstützung erfuhren die Kombinierer nach der IOC-Mitteilung auch von Sportlerinnen und Sportlern aus anderen Sportarten. Deutschlands Rodel-Legende Felix Loch etwa schrieb auf Instagram: "Die Schanze ist da. Die Loipe ist da. Die Athletinnen und Athleten sind da. Warum muss überhaupt gestrichen werden? Das kann doch nicht euer Ernst sein."
Loch weiter: "Während Funktionäre über Programme abstimmen, verlieren Menschen ihre Perspektive. Es geht nicht nur um Medaillen. Es geht um Karrieren. Um Bundesstützpunkte. Um Trainerstellen. Um Nachwuchs. Um Existenzen. [...] Ohne Athletinnen und Athleten gibt es keine Olympischen Spiele. Umso weniger kann ich verstehen, dass ausgerechnet bei ihnen gespart wird." Das IOC, so viel ist seit Dienstag klar, interessieren diese Argumente nicht.
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