Manchmal bleiben wir in einer Beziehung, obwohl wir unglücklich sind. Woran liegt das? Wie finden wir heraus, ob wir gehen oder bleiben sollten? Und wie schaffen wir die Entscheidung zur Trennung? Tipps von einem Psychotherapeuten und Psychiater.
Manchmal bleiben wir in einer Beziehung, obwohl wir unglücklich sind. Woran liegt das? Wie finden wir heraus, ob wir gehen oder bleiben sollten? Und wie schaffen wir die Entscheidung zur Trennung? Tipps von einem Psychotherapeuten und Psychiater.
Dass wir uns mal streiten in einer Partnerschaft, ist ja normal. Als unglücklich bezeichnet Bastian Willenborg eine Beziehung erst dann, wenn zentrale emotionale Bedürfnisse dauerhaft nicht erfüllt werden – also Nähe, Sicherheit und Wertschätzung zum Beispiel. Oder auch Sexualität und gemeinsame Entwicklung.
"Wenn man das Gefühl hat, man kann nicht mehr miteinander reden, Konflikte werden nicht gelöst, es wird wenig repariert – dann ist das, glaube ich, eine schlechte Beziehung."
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut
Eigentlich wäre es dann gut, die Beziehung zu beenden. Eigentlich. Und trotzdem machen wir es oft nicht. Aber warum?
Einen Hauptgrund dafür macht der Psychiater und Psychotherapeut darin aus, dass es in Partnerschaften eben nicht allein um die Beziehung geht, sondern viel auch um Identität.
"Ganz viele Menschen, gerade in langen Partnerschaften, fragen sich: Wer bin ich überhaupt ohne diese Beziehung?"
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut
Das bedeutet: Wir definieren uns auch über die Partnerschaft, die wir führen. Besonders, wenn wir lange mit jemandem zusammen sind, beeinflusst das natürlich, wie wir uns selbst sehen und wie wir sind – unser Charakter, unser Leben, auch unser Aussehen.
Die Beziehung wird also ein Teil von uns. Und dann liegt die Frage nahe: Wer bin ich ohne sie? Hinzu kommt die Angst vor Alleinsein und Einsamkeit, sagt Bastian Willenborg. Und die Angst davor, solo nicht klarzukommen, vielleicht zu scheitern. Auch Dating kann uns abschrecken und die damit verbundene Frage: Finde ich denn noch mal jemanden?
Was der Psychiater und Psychotherapeut in der Praxis auch beobachtet: Dass Menschen das Gefühl haben, zu viel in eine Beziehung investiert zu haben, um sie aufzugeben. Oder dass das eigene Leben mit dem der Partnerin oder des Partners zu eng verwoben scheint.
"Viel hilfreicher ist eigentlich die Frage: Was passiert, wenn ich das fünf Jahre so weiter mache?"
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut
Das ist verständlich, räumt Bastian Willenborg ein. Trotzdem würde es viel mehr helfen, wenn man sich fragte: Was wäre, wenn ich die Beziehung so dauerhaft weiterführen würde? Damit negierten wir nicht, was wir in die Beziehung investiert haben, das könne man trotzdem wertschätzen.
Und dennoch kann es gleichzeitig richtig sein, die Partnerschaft zu beenden, sagt er.
Finanzielle und familiäre Abhängigkeiten – etwa, wenn es gemeinsame Kinder gibt – machen eine Trennung natürlich kompliziert. Sie sind aber keine ausreichenden, keine guten Gründe dafür, zusammenzubleiben, so der Therapeut. Genauso wenig wie etwa Mitleid, Schuldgefühle oder Hoffnung ohne Chance auf Veränderung.
Gute Gründe dafür, zusammenzubleiben, obwohl die Beziehung gerade unglücklich ist, sind für Bastian Willenborg hingegen:
Wenn das erfüllt ist, hält er es für absolut sinnvoll, in der Partnerschaft zu bleiben.
Deshalb ist es auch ratsam, sich nicht impulsiv zu trennen. Bastian Willenborg rät dazu, die Entscheidung für oder gegen eine Trennung eher in einer Phase mit weniger Streit zu treffen, wenn eigentlich alles gerade eher "normal" läuft. Dann könnt ihr nämlich klarer die Gründe erkennen, die für oder gegen eine Trennung sprechen.
Auch Bindungsmuster und Persönlichkeitsstrukturen spielen eine Rolle dabei, ob wir uns aus einer unglücklichen Beziehung lösen können und wollen. Um einer Entscheidung näher zu kommen, rät Bastian Willenborg seinen Klient*innen, folgende Fragen zu klären:
"Dann schauen wir: Gibt es realistisch noch Hoffnung für die Beziehung?"
Bastian Willenborg, Psychiater und Psychotherapeut
Wenn es möglich ist, lädt der Psychiater und Psychotherapeut die Partner*innen auch gerne in die Therapie ein, um gemeinsam den besten Weg zu finden. Das kann bedeuten, an der Beziehung zu arbeiten, aber auch, gemeinsam einen fairen Prozess zu finden, um die Beziehung in einer Weise zu beenden, die möglichst gut ist für alle Beteiligten und bestenfalls keine weiteren Wunden verursacht.
Wenn klar ist, es gibt keine Hoffnung und keine gemeinsamen Ziele mehr, das Paar hat sich wirklich auseinandergelebt, passt nicht mehr gut zusammen und erlebt keine gegenseitige Fürsorge, Zärtlichkeit oder Bindung mehr – dann ist es okay und besser, sich wirklich zu trennen, statt unglücklich zusammenzubleiben, rät Bastian Willenborg.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Ex loslassen: Wie finden wir wieder zu uns selbst? | 0 | 5 | 27-05-2026 |
| 2 | Leistung und Glück: Wenn das perfekte Leben sich falsch anfühlt | 0 | 5 | 17-05-2026 |
| 3 | Seid peinlich! Wie Cringe unsere Beziehungen heilen kann | 5 | 5 | 08-05-2026 |
| 4 | Alles Krise: Wie bleiben wir trotzdem optimistisch? | 0 | 5 | 01-05-2026 |
| 5 | Tut mir echt leid: Wie geht gutes Entschuldigen? | 0 | 5 | 22-05-2026 |
| 6 | Kinder ja oder nein: Was die Entscheidung gerade so schwer macht | 0 | 5 | 03-07-2026 |
| 7 | Bedürfnisse: Wie können wir als Paar besser streiten? | 5 | 7 | 15-04-2026 |
| 8 | Immer Ablenkung: Wie sind wir besser mit unseren Gedanken alleine? | 0 | 5 | 03-07-2026 |
| 9 | Produktiv, aber leer: Achtsamer Umgang mit einer hochfunktionalen Depression | 0 | 5 | 08-07-2026 |
| 10 | 40+ Die Podcast Therapie: Tipps für eine Generation | 0 | 5 | 08-03-2026 |