Das Familienbett wird zwischen Müttern und Vätern immer wieder emotional diskutiert – während die einen drauf schwören, haben die anderen Angst vor möglichen Risiken oder sorgen sich um ihren eigene Erholung. Was sagt die Schlafforschung?
Das Familienbett wird zwischen Müttern und Vätern immer wieder emotional diskutiert – während die einen drauf schwören, haben die anderen Angst vor möglichen Risiken oder sorgen sich um ihren eigene Erholung. Was sagt die Schlafforschung?
Unter #familybed, #familienbett oder #cosleeping posten Eltern ihre Erfahrungen damit, das Bett mit all ihren Kindern zu teilen. Manchmal löst das Kontroversen in den Kommentarspalten aus.
"I think the original bed-reel has like 90 million views across all platforms and it is just so funny to me that the most natural thing to us is the most polarizing thing to the internet", sagt Influencerin Hunter Premo in einem Instagram-Video. Sie beschreibt darin, dass sie das Bett mit ihrem Mann und zwei der drei Kinder teilt. Das jüngste Kind schläft in einem Beistellbett im selben Raum.
Auch Über-Schlafen-Hörerin Birte teilt ihr Bett mit der ganzen Familie:
"Das Bett hatte zwei Meter mal zwei Meter und wir haben stellenweise noch eine Matratze drangebaut, damit wir auch zu fünft in das Bett passen. Wir schlafen teilweise auch im Urlaub zu fünft in einem Bett."
Birte, Hörerin von Über Schlafen
Birte beschreibt, dass alle am besten schlafen, wenn sie das Bett teilen. Außerdem ist für sie ein Pluspunkt, den Kindern nahe zu sein.
"In Studien, in denen man ja immer über viele Teilnehmende hinweg schaut, was das generelle Muster ist, zeigt sich recht konsistent, dass Mütter schlechter schlafen, wenn ein Kind mit im Raum ist", sagt Schlafforscherin Dr. Christine Blume von der Uni Basel. Mütter schlafen objektiv gemessen weniger, wachen öfter auf und haben auch den Eindruck, schlechter zu schlafen.
Interessant ist, dass es ganz grundsätzlich wenige Erkenntnisse zum Schlaf von Vätern gibt. In vielen Studien wurde sich vor allem auf Mütter und Kinder konzentriert.
Christine Blume sagt, es ist dennoch wichtig zu betonen, dass individuelle Erfahrungen mit dem Konzept des Familienbetts abweichen können: "Diese Ergebnisse heißen natürlich nicht, dass Birte sich das nur einredet oder schön redet – sie sagen uns ja nur, wie es bei der Durchschnittsperson in einer Studie ist."
Ein Faktor verändert aber, ob die Mutter im gemeinsamen Bett mit ihrem Kind oder ihren Kindern besser schläft als getrennt, erklärt sie: "Wenn die Mutter stillt, dann hilft es ihrem Schlaf, wenn das Kind im gleichen Raum schläft – vermutlich einfach, weil man dann nicht aufstehen und das Bett verlassen muss."
Auch zu der Frage, wie Kinder im gemeinsamen Bett schlafen, gibt es Erkenntnisse. Angst vor der Nacht oder dem Schlafen oder auch Angst beim Aufwachen in der Nacht kommt bei Kindern nicht selten vor. "Studien zeigen, dass eine solche Angst bei Kindern, die im Bett der Eltern schlafen, häufiger vorkommt. Wobei man da natürlich nicht weiß, was Henne und was Ei ist: Ob ängstliche Kinder einfach eher bei den Eltern schlafen oder sich Kinder, die im Elternbett schlafen, anders entwickeln."
"Eine sehr große Online-Befragung hat aber ergeben, dass Kinder, die alleine schliefen, insgesamt mehr geschlafen haben, weniger Probleme beim Einschlafen und auch insgesamt weniger Schlafprobleme hatten.“
Dr. Christine Blume, Schlafforscherin an der Uni Basel
Schaut man sich die Schlafqualität der Kinder an, ist die Datenlage nicht ganz eindeutig, so die Forscherin: "Manche Studien finden, dass es für den Schlaf der Kinder keinen Unterschied macht, ob sie das Bett mit den Eltern teilen oder alleine schlafen." Andere Befragungen hingegen zeigen, dass Kinder besser und mehr schlafen, wenn sie alleine im Bett sind.
Grundsätzlich empfiehlt die Schlafforscherin, einfach zu schauen, welche Lösung für die eigene Familie am besten funktioniert und weder auf Social-Media-Kommentare zu hören, noch etwas zu erzwingen.
In dieser Folge Über Schlafen sprechen Wissenschaftsjournalistin Ilka Knigge und Schlafforscherin Dr. Christine Blume auch darüber, ob Behauptungen wie, dass das Familienbett eine ungesunde Abhängigkeit der Kinder von den Eltern fördere, wissenschaftlich haltbar sind.
Wir freuen uns über euer Feedback und Themenvorschläge an ueberschlafen@deutschlandfunknova.de.
Unsere Quellen:
Gaertner, V. D., et al. (2023). Implementation of safe infant sleep recommendations during night-time sleep in the first year of life in a German birth cohort. Sci Rep, 13(1). Kahn, M., et al. (2023). Let’s Talk about Sleep Baby: Sexual Activity Postpartum and Its Links with Room Sharing, Parent Sleep, and Objectively Measured Infant Sleep and Parent Nighttime Crib Visits. The Journal of Sex Research, 60(9). Mileva-Seitz, V. R., et al. (2017). Parent-child bed-sharing: The good, the bad, and the burden of evidence. Sleep Medicine Reviews, 32. Moon, R. Y., et al. (2022). Evidence Base for 2022 Updated Recommendations for a Safe Infant Sleeping Environment to Reduce the Risk of Sleep-Related Infant Deaths. Pediatrics, 150(1). Volkovich, E., et al. (2015). Sleep patterns of co-sleeping and solitary sleeping infants and mothers: a longitudinal study. Sleep Medicine, 16(11).
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