Auch Tage später sitzt der Schock über die Bluttat in Stade weiterhin tief. Wie es jetzt in der Jugendhilfe weitergeht.
Niedersachsen
„Das war tragisch“, erinnert sich Jens Palandt (M.), Erster Regionsrat der Region Hannover, an die Übermittlung der Schreckensnachricht. picture alliance/dpa | Michael Matthey
Auch Tage später sitzt der Schock über die Bluttat in Stade weiterhin tief. Wie es jetzt in der Jugendhilfe weitergeht.
Die Bluttat von Stade erschüttert auch die Region Hannover: Mit Entsetzen erfuhren die Mitarbeiter des dortigen Jugendamts vom Tod dreier Kollegen. Wie geht es in der Jugendhilfe nun weiter?
Der Moment, in dem er die Mitarbeiter des Jugendamts über den gewaltsamen Tod dreier Kolleginnen und Kollegen informieren musste, bedrückt Jens Palandt auch Tage später noch sichtbar. Begleitet von einer Seelsorgerin gab der Erste Regionsrat der Region Hannover die Schreckensnachricht am Morgen nach der Bluttat von Stade ins Team: „Das war tragisch, dramatisch, schrecklich, es wurde geweint.“
Einige Mitarbeiter hätten bis dahin noch gar nicht gewusst, was passiert war, ergänzt der Leiter des Jugendamts, Roland Levin. „Die Mitteilung zu bekommen, da sind drei Kolleginnen und Kollegen getötet worden, das ist schon ein Drama.“
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Insgesamt sechs Menschen wurden in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade mit Schüssen getötet, mutmaßlich von einem 45-Jährigen im Zusammenhang mit einem Sorgerechtsstreit um seine kleine Tochter. Neben den drei Mitarbeitern aus der Region Hannover starben drei Menschen, die in der Einrichtung in Stade arbeiteten.
„Es ist etwas maximal Schlimmes passiert“, sagt Palandt. Den Mitarbeitern gebe man Raum für ihre Trauer und unterstütze sie. „Trotzdem muss auch unsere Jugendhilfe weitergehen, weil die Kinder und Jugendlichen, die wir schützen und begleiten, weiter im Fokus stehen.“ Die Kolleginnen und Kollegen der getöteten Mitarbeiter wurden für die Woche freigestellt, ihre Arbeit mit den Kindern, Jugendlichen und Familien übernahmen andere Teams.
Und jetzt? Braucht es mehr Polizei bei den Einsätzen der Jugendhilfe? „Wir werden alles tun, unsere Mitarbeiter zu schützen, sollten aber nicht in Aktionismus verfallen“, sagt Palandt dazu. „Wir haben einen ganz schrecklichen, tragischen Einzelfall erlebt.“
Mit dem Schutz von Kindern und Bedrohungen setze man sich regelmäßig auseinander, in der Regel funktioniere diese Arbeit sehr gut. Gegen Einzeltäter gebe es aber keine Schutzstandards. „Natürlich prüfen wir, was wir verbessern können, aber man kann nie komplett ausschließen, dass sowas wieder passiert, weil es überall passieren kann.“
Doch die Bedrohungslage wächst, wie Jugendamtsleiter Levin berichtet. „Wir stellen fest, dass Aggression, Gewaltbereitschaft und Gewaltandrohung zunehmen, nicht nur, aber auch in der Jugendhilfe. Wir sehen, wir müssen uns mehr schützen.“ Für die Jugendhilfe sei das jedoch eine Gratwanderung, weil man mit den Menschen trotzdem weiter in Berührung kommen wolle.
Roland Levin, Leiter Fachbereich Jugend der Region Hannover picture alliance/dpa | Michael Matthey
„Gerade die Jugendhilfe lebt von der Nähe zu Menschen“, sagt Levin. „Die Eltern, die Familie und die Beziehung zwischen Eltern und Kind stehen im Vordergrund unserer Arbeit. Wenn es um Kinderschutz geht, sind wir parteiisch. Dann müssen wir erstmal natürlich das Kind schützen. Im nächsten Schritt ist aber sofort wieder die Frage, wie kann die Familie, wie können die Eltern mit Kind dann auch zusammenleben.“
Mit häuslicher Gewalt habe das Jugendamt tagtäglich zu tun, sagt Levin. „Selbstverständlich ziehen wir auch mal Security hinzu, aber es ist nicht so, dass wir da jedes Mal mit der Polizei hingehen. Unsere Mitarbeiter sind Fachleute, die Deeskalation und Vermittlung gelernt haben.“
„In den meisten Fällen sind wir weit weg von Eskalation und Gefahr“, sagt auch Anke Schröter, die Leiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes der Region. Der größte Teil der Arbeit seien Hilfsangebote und Beratung. Trotz des Schreckens von Stade betont sie: „Wir sind keine Vollzugsbehörde, wir sind Unterstützer und Helfer für Familien, um Kinder zu schützen.“ (dpa/mp)
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