In einem Ausbildungszentrum in Landscheid können Besucher üben, Drohnen mit Technik und Schrotflinten vom Himmel zu holen. Die Firma dahinter sieht ein Geschäftsmodell.
Eine Tontaube steigt schnell in die Luft und bleibt kurz am Himmel stehen. In diesem Moment legt eine junge Frau mit ihrer Schrotflinte an, kneift ein Auge zu und drückt ab. Die Attrappe zerplatzt. Sie hat getroffen.
Die Übung am Schießstand in der "Target World" in Landscheid soll mehr sein als eine Bespaßung für die eingeladenen Journalisten, sagt Carsten Simons, der Chef der Sicherheitsfirma LivEye: "Das hört sich erstmal nach einer Menge Spaß an. Aber in dem Moment wird jeder realisieren, wie real die Gefahr durch Drohnen bereits ist".
Doch auch wenn das Tontauben-Schießen ein PR-Gag ist: Die Zwischenfälle mit Drohnen häufen sich tatsächlich in den vergangenen Jahren in ganz Deutschland. Der Betrieb an Flughäfen wird gestört, kritische Infrastruktur wie Stromtrassen oder große Kraftwerke ausgespäht.
"Auch wir erleben das immer öfter, dass Drohnen auftauchen", sagt Simons, der mit seiner Videoüberwachung nach eigenen Angaben Tausende Anlagen, Immobilien und Baustellen in Europa schützt. Die meisten Kunden hätten aber keine Strategie, wie sie mit der Bedrohung aus der Luft umgehen sollen. Das Ziel des neuen Trainingszentrums sei es nun, das zu ändern, so Simons.
Seiner Firma dürfte es aber auch darum gehen, ihre Technik zur Drohnenabwehr bekannter zu machen und zu verkaufen. Trotzdem sind zur Eröffnung Polizisten, Bundeswehrsoldaten und Justizbeamte gekommen – darunter Jörn Patzak, der Leiter des Wittlicher Gefängnisses.
Denn auch für die Justizvollzugsanstalt (JVA) würden die Drohnen neue Probleme mit sich bringen. So könnten etwa Drogen oder andere illegale Gegenstände fliegend zu den Gefangenen geschmuggelt werden. "Noch hatten wir solche Fälle nicht, aber wir wollen vor der Welle sein und schauen uns deshalb an, welche Systeme auf dem Markt sind", sagt Patzak.
Die Drohnen mit Schrotflinten abzuschießen, komme nicht infrage. Rechtlich gesehen dürfen in Deutschland ohnehin nur Polizei und Bundeswehr die Flugobjekte vom Himmel schießen und auch nur in Ausnahmefällen, wenn etwa Leben in Gefahr sind.
"Ich glaube auch nicht, dass es ein gutes Signal wäre, in einer JVA mit einer Schrotflinte herumzuschießen", sagt der Gefängnisleiter. Ihn interessiert viel mehr, was in einem anderen Raum präsentiert wird.
Eifel/Mosel/HunsrückÜber einen Bildschirm flimmert dort eine Karte von Landscheid. Rund um die "Target World" hat LivEye fünf Türme mit Sensoren aufgestellt, die erkennen sollen, wenn sich eine Drohne nähert.
Elmar Hennes, der technische Leiter von LivEye, erklärt, wie das funktioniert: "Die Technologie scannt die Umgebung auf bestimmte Muster in den Radio-Frequenzen ab. Dadurch erkennt das System die Drohne und kann ihre Position und die des Piloten ermitteln." Ergänzende Daten könnten Wärmebildkameras liefern.
Neu ist diese Technologie nicht, schon gar nicht für die Fachleute der Behörden, die sich teilweise seit Jahren mit der Drohnenabwehr befassen. Trotzdem beobachten sie die Entwicklungen der Anbieter genau, erzählen sie. Schließlich sei die Entwicklung der Systeme dynamisch - genauso wie die Bedrohungslage.
Geschäftsführer Carsten Simons rechnet deshalb damit, dass auch bei Privatkunden die Nachfrage steigen wird: "Auf der einen Seite gibt es den technologischen Fortschritt, auf der anderen Seite erleben wir die Bedrohung, das Ausspionieren."
Und je mehr Drohnen unterwegs sind, desto größer wird der Bedarf an Schutz. Für Sicherheitsfirmen ist das ein wachsender Markt.
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