François-Xavier Roth dirigiert ein Konzert des SWR Symphonieorchesters mit Werken von György Ligeti und Anton Bruckner. Mit dem SWR Vokalensemble. Im Livestream aus der Stuttgarter Liederhalle am 17. Juli 2026 um 20 Uhr.
György Ligeti
"Lux aeterna" für Chor a cappella
Anton Bruckner
Sinfonie Nr. 8 c-Moll
SWR Vokalensemble
SWR Symphonieorchester
François-Xavier Roth, Dirigent
György Ligeti war ein sehr fantasievoller Komponist. Sein Weg von den in den frühen 1950er-Jahren entstandenen Stücken wie z. B. der "Musica ricercata" bis hin zum 2003 komponierten Hornkonzert könnte schillernder kaum sein. Experimentierlust, Neugierde und Stilwechsel werden zu Ligetis Markenzeichen – und dabei entdeckt der 1923 im siebenbürgischen Dicsőszentmárton Geborene immer wieder faszinierende Klangwelten, die oft gar nicht so passen wollen zu dem, womit sich seine Kollegen zeitgleich beschäftigen. Das gilt für seine wunderbaren "Études pour piano", in denen es Ligeti gelingt, so verschiedenen Sphären wie den Jazz, Stilistiken von Claude Debussy und afrikanische Rhythmik virtuos zu vereinen. Es gilt aber auch schon für seine "Durchbruchswerke" der 1960er-Jahre: für das heute aufgeführte Chorwerk "Lux Aeterna" oder für die Orchesterwerke "Atmosphères" und "Apparitions". Klangflächen stehen hier im Vordergrund – vorerst statisch wirkende Zustände, die sich aber bei genauerem Hinhören als ungeheuer lebendige Organismen erweisen. "Lux Aeterna" für Chor a cappella beruht auf fein ausgeklügelten Kompositionstechniken. Komplexe rhythmische Muster kommen vor, Kanontechniken, auch eine detailverliebte Mikropolyphonie. Da ist es fast schon beruhigend, dass György Ligeti selbst einmal sagte: "Man kann die Musik sinnlich erleben, auch wenn man ihre Struktur nicht versteht."
Anton Bruckner hatte es wahrlich nicht leicht. Schon in frühen Lebensjahren gerät er in die Mühlen der Streitigkeiten zwischen den so genannten "Konservativen" und den "Neudeutschen". Die Fortschrittspartei um Richard Wagner und Franz Liszt hält schon eine Sinfonie an sich für unzeitgemäß, da diese Gattung ja schon bei Ludwig van Beethoven an ihr Ende gekommen sei. Auch aus dem Kreis der "Konservativen" um Johannes Brahms gibt es Vorbehalte. Max Kalbeck, der bekannte Brahms-Bewunderer und wortgewaltige Wiener Musikkritiker, hält Bruckner für "den Gefährlichsten unter den musikalischen Neuerern des Tages". Bruckners Gedanken, so Kalbeck "liegen außer aller Berechnung, und das Unvermittelte in ihnen besitzt eine verführerische, magische Kraft". Kurz: Bruckner findet seinen Platz nicht. Er sitzt zwischen den Stühlen. Zur Zielscheibe der Auseinandersetzung werden insbesondere die Sinfonien. Seine "Nullte" hat Bruckner zurückgezogen. Sie wurde derart kritisiert, dass der oft skeptische Komponist sie selbst irgendwann für schlecht hielt. Hermann Levi ist Bruckner an sich wohlgesonnen. Bruckners siebte Sinfonie ist in den Augen des bekannten Dirigenten die "größte Sinfonie nach Beethoven". Als Bruckner jedoch Levi die frühe Fassung seiner achten Sinfonie schickt, kommt da wenig Erbauliches: Es sei – so Levi – ein "verwirrendes Durcheinander". Bruckner ist geknickt, aber gibt nicht auf. In der Not wendet er sich an den Wiener Dirigenten Franz Schalk. Und dieser hilft ihm bei der Überarbeitung, die 1890 beendet ist. Endlich dann der große Lichtblick: Hugo Wolf, der Komponist und Kritiker, schreibt nach der Uraufführung im Jahr 1892 mit den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Hans Richter: "Es war ein Triumph, wie ihn ein römischer Imperator nicht schöner wünschen konnte."
(Text von Torsten Möller, aus dem Programmheft)
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