Vor der WM wurde die Aufstockung von 32 auf 48 Teams gern kritisiert. Dabei liefern die Kleinen große Geschichten – nicht nur neben dem Platz, sondern auch sportlich.
Da staunte selbst Lionel Messi. Kap Verde, dieser Fußballzwerg, hatte es im Sechzehntelfinale von Miami gewagt, dem Weltmeister aus Argentinien 120 Minuten lang alles abzuverlangen. Ihn gar in die Verlängerung zu zwingen und insgesamt zwei Rückstände aufzuholen.
Dabei hatte Messi seine Farben in der ersten Halbzeit in Führung gebracht und damit eigentlich die Weichen auf Sieg gestellt – oder wie er es selbst später erzählte: „Wir haben das Schwerste geschafft: das erste Tor zu erzielen – und dachten, damit würden wir unser Spiel finden und ruhiger werden.“
Wurden die Argentinier aber nicht, denn Kap Verde hielt tapfer dagegen, oder wie es Messi ausdrückte: „Sie haben mit ihren Mitteln zugeschlagen.“ So wie schon zuvor in den drei Vorrundenspielen gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien.
Diese XXL-Weltmeisterschaft ist vorab oft kritisiert worden, weil insgesamt 48 Mannschaften das sportliche Niveau verwässern würden. Vor allem von den Fußball-Großmächten kamen solche Sprüche. Was vorher schon arrogant und anmaßend klang, hat sich im Nachhinein auch als falsch erwiesen.
Denn die vermeintlich Kleinen haben dieses Turnier bereichert. Kap Verde steht dafür sinnbildlich. Mit dem Kult-Torwart Vozinha, der mittlerweile 21 Millionen Follower bei Instagram hat und damit sechs Millionen mehr als Manuel Neuer. Dazu mit Leidenschaft und echter Hingabe. Und einer Mannschaft, die sich nicht nur vor dem eigenen Strafraum verbarrikadiert, sondern auch nach vorne spielen kann.
Andere Nationen wie Curaçao sind zunächst belächelt worden, das 1:7 gegen Deutschland schien viele Experten in ihrer Ansicht zu bestätigen. Ergebnisse wie vor 50 Jahren bei Weltmeisterschaften üblich, wären dank Infantinos Expansionsgelüsten nun wieder an der Tagesordnung. Doch dergleichen blieb aus, Curaçao blieb direkt im nächsten Spiel ohne Gegentor und holte einen Punkt.
Natürlich steckt hinter der Aufstockung von 32 auf 48 Mannschaften Kalkül. Die Fifa verspricht sich davon mehr Profit und die Erschließung neuer Märkte. Dass Länder wie Kap Verde, Curaçao oder die anderen WM-Debütanten Usbekistan und Jordanien davon auch profitieren und die Menschen zu Hause begeistern, darf dabei aber nicht vergessen werden.
Und sollte in vier Jahren die WM mit dann sogar 64 Teams stattfinden, so wäre das nach den Eindrücken der aktuellen Endrunde in Nordamerika nicht nur eine künstliche Aufblähung, sondern auch eine Chance. Für die Nationen nämlich, die womöglich zum ersten Mal dabei sein können als Teil des großen Spektakels Fußball-Weltmeisterschaft – und nicht nur als Zuschauer aus unerreichbarer Ferne.
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