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WM-Aus der deutschen Fußballer: Der unbeschwerte Sommer fällt aus

Дата публикации: 30-06-2026 13:00:13

Deutschland war bereit für einen Fußball-Sommer voller Leichtigkeit. Doch das DFB-Team kann diese Begeisterung nicht nutzen und vergibt damit eine Chance, die weit über den Sport hinausgeht.

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Auf den Straßen trugen sie Deutschlandtrikots, in den Kneipen standen sie dicht gedrängt, und auf den Fanfesten blieben selbst Kinder bis tief in die Nacht wach. Die Fußballfans Deutschlands waren bereit für diesen Sommer. So groß der Pessimismus vielerorts vor dieser WM in Nordamerika gewesen sein mag, umso mehr wandelte er sich im Laufe des Turniers in Sommerfreude.

In einer politischen Weltlage, die von großen Krisen und Kriegen geprägt ist, war die Sehnsucht nach einem unbeschwerten Fußball-Sommer so groß wie noch nie. Nicht einmal die bitteren Erfahrungen vergangener Turniere oder die fragwürdigen Entscheidungen durch Fifa-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump konnten etwas an der Bereitschaft ändern, die eigene Nation anzufeuern. Bis zu 24 Millionen Menschen in Deutschland schalteten den Fernseher ein, um die Spiele zu verfolgen.

Der Fußball entfachte seine einzigartige Magie und riss die Fans mit. Nach zwei Wochen hatten sich die Deutschen mit dieser Mega-WM in Nordamerika arrangiert, eine Leichtigkeit war zu spüren, die dem Land gut tat.

Genau diese Energie hätte die deutschen Spieler in den USA, Mexiko und Kanada weit tragen können. Es hätte so schön sein können – so wie damals bei der Heim-WM 2006 oder der WM 2014 in Brasilien. Als die Fußballnation Deutschland sich hinter ihren Nationalspielern vereinte. Auch damals gab es Krisen, die der Fußball kurz vergessen machte.

Die Sehnsucht nach Wiederholung gab es auch dieses Mal. Die Menschen akzeptierten dafür sogar die umstrittene Reaktivierung von Manuel Neuer. Und selbst zweifelhafte Auftritte des Bundestrainers Julian Nagelsmann, bei denen er sich in öffentlichen Scharmützeln verbrauchte, statt Autorität zu verkörpern, konnten den Fans nicht die Laune verderben.

Dann vereinte man sich eben nicht hinter ihm, sondern hinter Deniz Undav. Dem Torjäger, der so gar nicht in das Bild des durchtrainierten und perfekten Profifußballers passt. Und der umso mehr zur Identifikationsfigur wurde. Ganz nach dem Motto: Das ist einer von uns.

Der DFB verpasst die Chance auf ein Momentum

Doch nach dem Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay sind die Spieler auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet. Dass sie die Chance auf ein identitätsstiftendes Momentum verpassen, dessen waren sie sich in Boston schon Sekunden nach Abpfiff bewusst.

Kai Havertz entschuldigte sich und sprach davon, es zum zweiten Mal „verschissen“ zu haben. Kapitän Joshua Kimmich trauerte der verpassten Gelegenheit nach, den Kindern der Nation neuen Stoff für Heldengeschichten zu schenken.

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Im Gegensatz zu ihrem Trainer stellten sie sich ihrer Verantwortung. Nagelsmann jedoch hing sich am aberkannten Tor Jonathan Tahs auf und beteuerte auf Nachfrage zu seiner Zukunft als Bundestrainer, keiner zu sein, der weglaufe. Aber am Ende tat er genau das: Er lief weg und ließ jegliche Demut vermissen. Und war auch nicht für die Spieler da, die er hätte aufbauen können.

FOXBOROUGH, MASSACHUSETTS - JUNE 29: Julian Nagelsmann, Head Coach of Germany, reacts prior to the FIFA World Cup 2026 Round Of 32 match between Germany and Paraguay at Boston Stadium on June 29, 2026 in Foxborough, Massachusetts.   Alexander Hassenstein/Getty Images/AFP (Photo by ALEXANDER HASSENSTEIN / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP)

Fassungslosigkeit beim Bundestrainer: Julian Nagelsmann nach dem WM-Aus.

© AFP/Getty Images/Alexander Hassenstein

Das frühe Ausscheiden ist einerseits denkbar unglücklich. So hatten die deutschen Basketballer doch erst mit ihrem jüngsten EM- und WM-Titel gezeigt, wie solch ein Erfolg eine landesweite Begeisterung entfachen und vor allem den Nachwuchs dazu animieren kann, sich im Verein anzumelden.

Andererseits ist er bedauerlich angesichts der Generation an herausragenden Fußballern, die auf Vereinsebene so viel erreicht hat, in der Nationalmannschaft aber nicht dazu in der Lage ist. Für Joshua Kimmich (31 Jahre), Leon Goretzka (31) oder Antonio Rüdiger (33) könnte es die letzte Gelegenheit für einen WM-Titel gewesen sein.

Niemand sollte auf die deutsche Elf einprügeln. Der DFB darf aber auch nicht die Augen vor der Realität verschließen.

Charlotte Bruch

Sie alle müssen sich fragen, was ihr Anteil an der sportlichen Entwicklung seit dem Titel in Brasilien vor zwölf Jahren ist. Anders als ihr Trainer und der Deutsche Fußball-Bund reden sie das Abschneiden vergangener Turniere immerhin nicht schön. Daran sollte sich die Führungsriege ein Beispiel nehmen. Der Trainer, die Verbandsebene und auch der Bundeskanzler.

So bescheinigte Friedrich Merz der deutschen Mannschaft mit einem abgesetzten Tweet indirekt eine starke Leistung gegen Paraguay: „Auch wenn das Ausscheiden schmerzt: Was für ein Spiel. Mit eurem Einsatz und Teamgeist bei dieser WM habt ihr unser Land begeistert. Wir sind stolz auf euch.“

Diese Wahrnehmung lag jenseits der gezeigten sportlichen Leistung und der Katerstimmung im Land. Später änderte Merz in einem weiteren Tweet seine Botschaft.

Niemand sollte auf die deutsche Elf einprügeln. Der DFB darf aber auch nicht die Augen vor der Realität verschließen. Schon die Heim-EM vor zwei Jahren wurde schöngeredet. Mittlerweile hat Deutschland seine Berechtigung verloren, als große Fußballnation zu gelten.

Die Begeisterung für den Sport bleibt ungebrochen – das hat dieser Sommer wieder bewiesen. Das deutsche Team muss sich seinen Platz in diesem Spiel aber neu verdienen. Das ist es den Fans schuldig.

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