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„Ihr rafft alle nicht, in welcher Gefahr unsere Population ist“: So diskutiert unsere Community die Extremhitze

Дата публикации: 29-06-2026 11:56:47

Die extremen Temperaturen sind für viele Tagesspiegel-Leserinnen und -Leser mehr als ein Wetterereignis – sie sind für sie der Beweis, dass Politik und Gesellschaft beim Klimaschutz versagt haben.

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Ende Juni 2026 hat Deutschland eine Hitzewelle erlebt, die in den Büchern der Wettergeschichte stehen wird. Drei Tage in Folge wurde der nationale Temperaturrekord gebrochen – der vorläufige Höchstwert: 41,7 Grad in Ost-Brandenburg am Sonntag. Noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war es in Deutschland so früh im Sommer so heiß.

Die Folgen waren dramatisch: Rettungsdienste arbeiteten am Limit, mindestens 26 Menschen starben bundesweit bei Badeunfällen, Züge und Autobahnen wurden durch Hitzeschäden lahmgelegt. Doch die Hitzewelle ist nicht nur ein meteorologisches Extremereignis – sie ist auch eine politische. Während Deutschland jährlich rund zwei Milliarden Euro für Steuerrabatte auf Benzin und Flugtickets ausgibt, fehlen Kommunen die Mittel, um Schulen, Pflegeheime und öffentliche Räume hitzefest zu machen.

Die Hitzeentwicklung hat in der Tagesspiegel-Community eine breite und emotionale Debatte ausgelöst. Viele Leserinnen und Leser zeigen sich erschüttert – nicht nur von den Temperaturen selbst, sondern vor allem von dem, was sie als jahrzehntelanges politisches Versagen wahrnehmen. Der Ton reicht von persönlicher Betroffenheit und echtem Erschrecken über die ökologischen Folgen bis hin zu scharfer Kritik an Bund, Land und Kommunen.

Auffällig oft wird der Vergleich mit anderen europäischen Ländern gezogen – und Deutschland dabei als Schlusslicht beim Hitzeschutz gesehen. Es überwiegt eine tiefe Ernüchterung.

Wir dokumentieren hier eine redaktionelle Auswahl der eindrücklichsten Kommentare aus unserer Community:


Louise
So Leute, jetzt wird es ernst. Keines der Systeme unserer Klimazone, egal ob sozial, ökologisch, baulich, technisch, gartenbautechnisch, ist auf ein solches Klima angepasst. Sämtliche Aussagen, es wird schon nicht so schlimm kommen, sind längst pulverisiert. Und wir sind noch nicht mal am Ende der Entwicklung, das kann alles noch sehr viel schlimmer kommen.

Wir haben jetzt in den letzten 10 Jahren im Sommer mal einen fetten Sprung von früher maximal 30 Grad auf inzwischen 41 Grad hingelegt. Wer sagt eigentlich, dass das Ende der Fahnenstange ist?

Unser Ökosystem und vor allem unser Nahrungsanbau kommt jetzt bereits an seine Grenzen, eine weitere Erhöhung der Spitzenwerte erträgt es nicht. Ich baue selbst Obst und Gemüse an und sehe, dass Temperaturen wie gestern im Grunde das Maximum sind, wo unsere Pflanzen noch mitgehen.

Ihr wisst, was zu tun ist, es ist alles dazu gesagt

Tagesspiegel-Nutzerin Louise

Es reichen ein, zwei Tage bei 45 Grad und sämtliche Vegetation ist hinüber. Das wieder hochzuskalieren ist unmöglich, zumal das Klima ja weiter so bleibt bzw. sich weiter verschärft. Ihr rafft alle nicht, in welcher Gefahr unsere Population ist. Und sozial – was soll das werden? Leben wir jetzt alle im Sommer nur noch von Dystopie zu Dystopie und verkriechen uns während der Hitzephasen nur noch in klimatisierten Wohnungen?

Was hat das für verheerende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft? Ihr wisst, was zu tun ist, es ist alles dazu gesagt. Fangt endlich an zu handeln.


Weltenbeobachter
Wir haben uns im Keller eingerichtet, zwei Räume, die eigentlich mal ein Kartoffelkeller und ein Kohlenkeller waren, umgebaut für solche Tage. Ja, ich weiß, das kann sich nicht jeder leisten, ist aber unter dem Strich für uns die bessere Lösung, als eine teure Klimaanlage, die nur an wenigen Tagen wirklich gebraucht wird. Daher Grüße aus der kühlen Erde.


TaeglicheLeserin
Mein größter Respekt und Dank gilt all den Menschen, die trotz der Hitze und unter harten Bedingungen ohne Möglichkeit der Erleichterung – wie z.B. im Rettungsdienst und bei der Feuerwehr, aber auch in vielen anderen Bereichen – für uns ihren Dienst tun. Das nur mal so am Rande.


Leuchtturm1
Ich kann mit diesen ganzen Relativierern und Verharmlosern nichts anfangen. Ja, in anderen Ländern ist es auch heiß. Ja, diese Länder haben schon länger mit Hitze zu tun. ABER: Diese Länder haben inzwischen Hitzekonzepte.

In meiner Grundschule haben wir noch nicht mal gestellte Ventilatoren

Tagesspiegel-Nutzer Leuchtturm1

Wir hier haben gar nichts. In meiner Grundschule haben wir noch nicht mal gestellte Ventilatoren. Es ist mit 26 Kindern schon morgens fast 26 °C warm, das heizt sich schnell auf entspannte 28 °C auf. Bei stehender Luft. Deutschland läuft beim Hitzeschutz hinterher und das ist eine Tatsache. Vermutlich hofft man, dass man damit die Rentenauszahlungen reduzieren kann. Anders kann ich mir die politische Gleichgültigkeit für dieses Thema nicht erklären.


Fenchel
Frankreich hat seit einigen Jahren einen Nationalen Hitzeplan, der z.B. aufzeigt, wo sich die nächsten öffentlich zugänglichen klimatisierten Räume befinden. In Deutschland gibt es nichts. Lediglich in meiner Wetter-App auf dem Smartphone poppt eine Hitzewarnung auf. Die mir aber dann nur anzeigt, dass es gerade 34 °C sind. Aber was will man von einer Regierung schon erwarten, die großzügig Milliarden in völlig überteuerte Rüstungsgüter investiert und dafür auch noch die letzten öffentlichen Schwimmbäder verfallen lässt.


Dr.Vogel
Leider legt die Hitzewelle offen, dass wir es in Berlin mit einer Regierung zu tun haben, die zuverlässig jede Katastrophe verschläft. Als Ergebnis des Hitzeaktionsplans gibt es lediglich eine Broschüre, mit der man sich Luft zufächeln kann, dazu zwei neue Trinkbrunnen und eine Sprinkleranlage in der Stadt.

Rückbau der Radwege und neue betonierte Flächen sorgen dafür, dass es zuverlässig immer heißer in der Stadt wird

Tagesspiegel-Nutzer Dr.Vogel

Dafür sorgen Rückbau der Radwege und neue betonierte Flächen dafür, dass es zuverlässig immer heißer in der Stadt wird. Gerade wurde bekannt, dass die CDU die Torstraße mit weniger Bäumen, dafür mit mehr Fahrbahn ausstatten will. Mehr Vergangenheit geht nicht. Ob wohl wenigstens Wegners Tennishalle klimatisiert ist?


Monsieurenfrance
Offenbar fällt den Verantwortlichen, die jahrzehntelang geschlafen, den Klimawandel nicht ernst genug genommen bzw. in manchen Fällen die Energiewende und Klimaschutzmaßnahmen behindert haben, nichts anderes ein als jetzt die Bürger zum Wassersparen aufzurufen. Ein Armutszeugnis! Kein Wunder, dass viele von der Politikerkaste keine hohe Meinung haben.

Es müssten jetzt alle demokratischen Parteien an einem Strang ziehen und sich vereint der Aufgabe stellen

Tagesspiegel-Nutzer Monsieurenfrance

Andererseits, zu glauben, eine Partei der Klimaleugner wie die AfD könne die drängenden Probleme in Deutschland lösen, ist nicht sehr intelligent. Es müssten jetzt alle demokratischen Parteien an einem Strang ziehen und sich vereint der Aufgabe stellen, den Klimawandel – so weit heute noch möglich – zu minimieren und Anpassungsmaßnahmen umzusetzen, um die Bevölkerung, soweit möglich, vor den schlimmsten Auswirkungen der Klimakrise zu schützen.


Prometheus48
Alles seit den 60er Jahren und den Prognosen des Club of Rome bekannt. Heute Rekordtemperaturen, spätestens am Mittwoch wird alles vergessen sein. Neue Schlagzeilen braucht das Land; die Medien werden rasch umpolen. Die Übersterblichkeit durch Hitzetote wird wohl demnächst stillschweigend als demografische Notwendigkeit hingenommen (Rentendebatte...).

Die Verringerung der Ticketsteuer erfreut die Vielflieger. Frau Reiche bremst Windkraftausbau und PV. In SA wird nach der nächsten Landtagswahl ein Wahrheitsministerium gegründet, das vermutlich Thermometer verbieten wird: AfD-Wähler wissen, dass es dann keine Extremtemperaturen mehr geben kann (etwa so, wie die Linke die Zeugnisse abschaffen wollte, um schlechte Schulnoten zu verhindern). Alles nur mit massiver Satirebereitschaft zu ertragen.


Diogenes
Ich befürchte, dass wir uns erst dann ernsthaft verändern werden, wenn die Folgen des menschengemachten Klimawandels so gravierend sind, dass es längst zu spät ist. Den Preis dafür werden vor allem die jüngeren und kommenden Generationen zahlen, die eine völlig andere Welt vorfinden werden als die, die wir heute noch kennen.

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