Das Wissenschaftsmagazin Nature bietet ein Spiel an, bei dem man den Mars für menschliches Leben umformt. Dahinter steckt sogar mehr als nur kurzweiliger Spaß.
So ein Mist! Mithilfe von Algen eine atembare Atmosphäre auf dem Mars zu erzeugen, würde voraussichtlich 5000 Jahre dauern. Immerhin, ich komme bei dem Browserspiel Terraforming Mars des Wissenschaftsmagazins Nature auf 40 von 50 Punkten. Ich muss also vorher auch etwas richtig gemacht haben.
Die angesehene Fachzeitschrift, deren erste Ausgabe schon 1869 erschienen ist, gilt eigentlich als hochgradig seriös. Allerdings spielt sie auch immer wieder mit kreativen Formaten – und veröffentlicht beispielsweise veröffentlicht seit 1999 – mit einer Unterbrechung – regelmäßig eine Science-Fiction-Kurzgeschichte, die aktuelle Entwicklungen aus der Wissenschaft aufgreift. Das Mars-Spiel hat die Redaktion nach eigenen Angaben entwickelt, weil die Idee, den Mars in eine zweite Erde zu verwandeln, „an Bedeutung gewinnt“ – also baten sie Forschende dazu um eine seriöse, wissenschaftliche Einschätzung.
Tatsächlich ist die Idee, den Mars zu einer zweiten Erde zu machen, und dorthin auszuwandern, ein klassisches Science-Fiction-Motiv. Die Bedingungen dort sind allerdings extrem lebensfeindlich: durchschnittlich −65 Grad, eine dünne Atmosphäre, die kaum Strahlung filtert, kein Sauerstoff, kein Wasser und Gift im Boden. Siedlungen außerhalb geschlossener Container wären nur möglich, wenn der gesamte Planet entsprechend der Erde umgeformt würde. Der US-Autor Jack Williamson prägte dafür in seiner Science-Fiction in den 1940er Jahren den Begriff „terraforming“.
Die wissenschaftliche Diskussion darum, ob und wie ein Terraforming des Mars tatsächlich möglich sei, wurde in den 2020er Jahren unter anderem durch Elon Musk befeuert. Sein Vorschlag, mit Atombomben Eis an den Polkappen des Mars zu schmelzen, dabei Kohlendioxid freizusetzen und so einen Treibhauseffekt in Gang zu setzen, platzte zwar, als Astronomen berechneten, dass es dafür nicht genügend CO₂ auf dem Mars gibt. Die NASA und universitäre Forschungsgruppen arbeiten aber beispielsweise an Methoden, mit denen Siedler auf dem Mars Pflanzen anbauen könnten.
Das interaktive Browserspiel von Nature besteht aus Fragen mit Multiple-Choice-Antworten. Am Anfang geht es darum, wie die Durchschnittstemperatur auf dem Mars erhöht werden kann, dann um Wasser, die Veränderung der Atmosphäre und so weiter. Für jede Antwort berechnet die Simulation, ob die Maßnahme erfolgreich ist, und wenn ja, wie lange das dauern würde. Dafür gibt es jeweils Punkte. Zu jeder Maßnahme, die man ausgewählt hat (auch zu Musks Idee mit den Atombomben), gibt es einen Link zu weiterführender Literatur. Auf diese Weise kann man beispielsweise lernen, wie synthetische Biologie dabei helfen kann, die Mars-Atmosphäre mit Sauerstoff anzureichern. Wer sich zwischendurch gerne ablenken lässt, kann das also guten Gewissens tun: Es geht nur darum, etwas Neues zu lernen.
Dieser Beitrag ist zuerst auf t3n.de erschienen.
(jle)
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