Ein großes Polizei-Aufgebot und dezentrale Übertragungsorte sicherten ein gewaltfreies Viertelfinale in Frankreich. Ausschreitungen gab es dafür andernorts.
Mit Blick auf die übermütigen Siegesfeiern der Marokkaner bei vergangenen Spielen dieser WM hatten die französischen Ordnungskräfte für die Nacht von Donnerstag auf Freitag mit Gewalt auf den Straßen gerechnet. In Frankreich leben rund zwei Millionen Menschen mit marokkanischen Wurzeln. Die beiden Länder sind durch die Kolonialgeschichte auch heute noch eng miteinander verbunden.
Nach dem 2:0-Erfolg des Favoriten im Viertelfinale sind Ausschreitungen in Frankreich jedoch größtenteils ausgeblieben. Lediglich im Raum Grenoble wurden zwei Festnahmen im Zuge von Gewaltakten gemeldet.
Ein weiterer Zwischenfall im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten ereignete sich in Nordfrankreich. In der Gemeinde Aulnoye-Aymeries wurde eine 17-Jährige nach Angaben der Feuerwehr von einem Lastwagen überrollt, auf den sie zuvor geklettert war. Sie starb noch vor Ort.
Das Innenministerium und die Kommunen hatten im Voraus des Spiels einige Vorkehrungen getroffen. So wurde das Mitführen von Waffen und Pyrotechnik im Großraum Paris verboten und in Teilen Südfrankreichs der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum untersagt. Auch einige Metro- und Regionalbahnstationen wurden für den Abend aus Sicherheitsgründen geschlossen. Allein in Paris waren 8000 Polizeikräfte im Einsatz.

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Das Pariser Ausgehviertel Marais wurde bis zwei Uhr morgens für den Autoverkehr gesperrt. In ganz Paris wurde das Spiel auf Leinwänden übertragen. Einen zentralen Public-Viewing-Ort gibt es allerdings nicht. „Ich bevorzuge mehrere kleine Fanzonen anstatt einer großen, um das Risiko von Ausschreitungen zu verringern“, erklärt der Bürgermeister von Paris, Emmanuel Grégoire, dem Fernsehsender BFMTV. Er wünsche sich eine große Party, bei der sich alle sicher fühlen sollen. Über Ausschreitungen in Paris gab es bis Freitagvormittag keine Berichte.
Anders in London. Auf der Edgware Road, im Westen der britischen Hauptstadt, kam es zu Zusammenstößen zwischen marokkanischen Fans und der Polizei. Nach Polizeiangaben wurde ein Polizist von einer Glasflasche verletzt und vier Menschen wurden festgenommen. Im Viertel, in dem viele marokkanischstämmige Menschen wohnen, versammelten sich die ersten Demonstranten zur Halbzeitpause. Feuerwerk wurde gezündet und der Verkehr mit riesigen marokkanischen Fahnen blockiert.
Auch in Düsseldorf kippte die Stimmung von feiernden marokkanischen Fans in der Nacht. Es wurde in der Innenstadt randaliert, drei Polizisten wurden nach Informationen des WDR verletzt. Böller und Glasflaschen flogen, Verkehrsschilder wurden umgerissen. Zwei junge Fans mussten in Gewahrsam genommen werden.
In den USA hat es ebenfalls einen kleinen Zwischenfall gegeben. Medien berichten, dass marokkanische Fans in der Nacht vor dem Spiel vor dem Hotel der französischen Mannschaft Feuerwerk gezündet haben sollen. Zudem sollen sie mit Gesängen und Trommelmusik versucht haben, das Team von Trainer Didier Deschamps um den Schlaf zu bringen. Sicherheitskräfte konnten diese Aktion unterbinden.
Die Leistung des französischen Teams gemindert hat dieser Störversuch bekanntlich nicht. Das französische Team warf die marokkanische Mannschaft mit einem 2:0 aus dem Turnier. Marokkanische Fans in Frankreich hatten in dieser Nacht nichts zu feiern. Der Nachrichtensender FranceInfo hat das Spiel im Geburtsort von Mbappé, Bondy bei Paris, verfolgt, wo viele Menschen die Nordafrikaner unterstützten.
Dort zog ein marokkanischer Fan nach dem Spiel kurzerhand sein Trikot aus, unter dem sich das blaue Jersey der Franzosen versteckte. „So ist das halt, franko-marokkanisch zu sein, Leute“, meint er. Die marokkanische Gemeinschaft in Frankreich nahm die Niederlage also gelassen.
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