Als Alba Berlin am Sonntag Deutscher Basketball-Meister wurde, war Marco Baldi beim feiern mittendrin. Einige Tage später lässt der Geschäftsführer den Titel revue passieren und blickt voraus auf die NBA-Europe und den Traum von der eigenen Arena.
Interview Alba-Manager Marco Baldi "Der Titel macht unsere Identität spürbar"
Am Sonntag feierten die Basketballer von Alba Berlin in München auf sensationelle Art und Weise die Deutsche Meisterschaft in der Basketball-Bundesliga (BBL). Mittendrin war dabei auch Marco Baldi. Der Jubel von Albas Geschäftsführer war geprägt von einer Mischung aus unübersehbarem Unglaube und begeisterter Freude. Ein paar Tage später spricht der 64-Jährige im rbb-Interview über die Besonderheit von Albas 12. Meisterschaft, die NBA-Pläne seine Klubs und den aktuellen Stand beim Streben nach einer eigenen Arena.
rbb|24: Marco Baldi, vor drei Tagen sind Sie mit ihrem Team in München Deutscher Meister geworden. Haben sie diesen schönstmöglichen Schock mittlerweile verdaut?
Marco Baldi: Bisher war alles Beseeltheit. Es waren drei superintensive, aber fantastische Tage mit vielen glücklichen Menschen. Heute ist angesichts der vielen Feierei zum ersten Mal ein bisschen Ermüdung spürbar.
rbb|24: Der Meistertitel ist bereits Ihr Zwölfter mit Alba Berlin, aber trotzdem auf vielen Ebenen besonders. Was macht ihn aus Ihrer persönlichen Sicht einzigartig?
Baldi: Es sind zwei wesentliche Dinge: Das Erste ist, dass er so unerwartet war. Man darf nicht vergessen, wie groß der Schnitt war, den wir vor der Saison gemacht haben. Der Schritt aus der Euroleague in die Champions League, dazu ein erheblicher Budget Cut. Die Meisterschaft hatte da wirklich niemand auf dem Zettel.
rbb|24: Und was ist das Zweite?
Baldi: Dass durch diesen Titel sehr gut sichtbar geworden ist, wer wir sind und wie wir arbeiten. Wir haben eine klare Identität und Kultur im Klub. Unsere kontinuierliche Arbeit, das Zusammenführen von Grass root und sportlicher Exzellenz spiegelt sich in dieser Meisterschaft wider. Mal abgesehen von dieser unfassbaren Dramaturgie in den Playoffs mit dem großen Finale beim absoluten Topfavoriten.
rbb|24: Die prominentesten Repräsentanten der angesprochenen Vereinskultur waren im Finale Ihre Eigengewächse Malte Delow und Jonas Mattisseck …
Baldi: Malte und Jonas sind ganz klar zwei der Protagonisten - junge Menschen, die zu Führungspersönlichkeiten gereift sind. Die eine extrem enge Verbindung zum Klub haben und das auf alle übertragen. Jonas ist der perfekte Kapitän für uns. Voller Hingabe und Verantwortungsbewusstsein. Dass er im entscheidenden Moment dann so ein Spiel hinlegt, hätte man sich dramaturgisch nicht besser ausdenken können.
Albas Jonas Mattisseck und Malte Delow mit dem Pokal | Bild: IMAGO/camera4+
rbb|24: Ein dramaturgisch besonderer Touch war auch, dass sie ab dem Halbfinale alle Heimspiele in der Schmelinghalle gespielt haben. Ein Glück in einer weiterhin unglücklichen Hallensituation?
Baldi: Das muss man so feststellen, ja! Aber das hat einen sehr problematischen Hintergrund: Hätten wir uns letzte Saison für das Halbfinale qualifiziert, dann hätten wir das in Braunschweig oder Weißenfels spielen müssen. Ein sportliches Aushängeschild mit seiner ganzen Community im Schlepptau hätte in der Sportmetropole Berlin keine Halle zur Verfügung gehabt. Das muss man sich mal vorstellen.
Daraus haben wir Konsequenzen gezogen. Da die Uber Arena auch in diesen Playoffs wieder weitestgehend belegt war, haben wir - koste es, was es wolle - die Schmeling-Halle sehr frühzeitig bis zum Finale durchgebucht. Wären wir im Viertelfinale rausgeflogen, hätte das wirtschaftlich katastrophale Folgen gehabt. So ist es natürlich gut und glücklich ausgegangen. Atmosphärisch war die Max-Schmeling-Halle die gewohnte Festung. Das ändert aber nichts daran, dass wir unseren Campus und die neue Arena mit maximaler Kraft angehen wollen und müssen.
rbb|24: Wie haben sich denn die Pläne für die angedachte Arena in Adlershof seit deren Vorstellung im März entwickelt?
Baldi: So, dass wir für den Moment weiter nicht sein könnten. Wir spüren jetzt auch klar die Unterstützung der Politik, die in diesem Fall sehr, sehr wichtig ist. Schritte, wie die Machbarkeitsstudie sind praktisch abgeschlossen und jetzt läuft vieles parallel: Wie wird das Modell im Detail aussehen, wie genau werden wir das finanzieren und wie wird die europäische Basketballlandschaft zukünftig aussehen.
rbb|24: Ein Schlüssel ist hierbei bekanntermaßen die NBA Europe, die schon kommenden Sommer starten soll. Wie ist da Albas aktueller Stand?
Baldi: Das Verfahren ist klar: Bis Ende Juni müssen die Klubs ihre Gebote abgeben. Dann setzt sich die NBA mit Ihren Anteilseignern zusammen und wir dürften dann relativ schnell erfahren, wie es weitergeht. Die Abstimmung mit der NBA ist sehr eng, aber natürlich wollen sich die NBA und die Klubs untereinander jetzt gerade, wo dieses Bieterverfahren läuft, nicht vollständig in die Karten gucken lassen.
Marco Baldi trägt sich ins goldene Buch der Stadt Berlin ein | Bild: IMAGO/camera4+
rbb|24: Kolportiert wird, dass interessierte Klubs mindestens 500 Millionen Dollar für eine Lizenz investieren müssen. Wie können Klubs wie Alba Berlin das stemmen?
Baldi: Zu den Beträgen, über die da gesprochen wird, will ich an dieser Stelle nichts sagen. Aber am Ende geht es darum, dass unterschiedliche Partner in den Märkten aktiv werden und investieren – nicht nur in ein Profiteam, sondern auch in nachhaltige Strukturen, neue Arenen und alles, was dazugehört. Wenn man sich anschaut, wie sich die NBA da in den letzten Jahren entwickelt hat – die Werte ihrer Franchises, die Medien-Verträge – dann muss man sich um das Interesse keine Sorgen machen.
rbb|24: Das heißt, Sie spüren bei Alba auch ein gestiegenes Interesse potenzieller Geldgeber durch die NBA-Perspektive?
rbb|24: Selbstverständlich, ganz massiv sogar. Es gibt sehr viele, die sehen, was für eine Kraft das Projekt hat. Basketball ist der zweitgrößte Teamsport der Welt und auch in Europa ein wahnsinnig lukrativer Markt, aber die Potenziale werde noch nicht genutzt. Jetzt gibt es nach vielen Jahren durch die NBA und die FIBA die riesige Chance, die europäischen Klubwettbewerbe sinnvoll zu vereinen. Das sollte mit aller Kraft versucht werden.
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Wir haben immer betont, dass wir uns Kontinuität wünschen. Ob sie auch möglich ist, das wird sich zeigen.
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Alba-Manager Marco Baldi
rbb|24: Wie schwer ist es, im Kontext der vielen Fragen offenen Fragen einen Kader für die kommende Saison zu planen?
Baldi: Wir haben zum Glück einen Sportdirektor, der an Flexibilität nicht zu überbieten ist. Und wir haben eine Kultur geschaffen, ein Fundament, auf dem wir aufbauen können. Das zu tun, ist auch diesen Sommer das Wichtigste.
rbb|24: Wie groß sind Ihre Hoffnungen, neben dem Kern um Mattisseck und Delow auch Spieler wie Martin Hermannsson und Justin Bean halten zu können?
Baldi: Wir hatten gestern Abend ein Fanfest, bei dem bestimmt 30 Leute zu mir gekommen sind, die vorher mit Martin oder Justin gesprochen hatten. "Die wollen unbedingt in Berlin bleiben", haben die alle gesagt. Wir haben immer betont, dass wir uns Kontinuität wünschen. Ob sie auch möglich ist, das wird sich zeigen.
rbb|24: Das ist natürlich allen voran auch eine Frage des Budgets. Inwiefern macht sich eine Meisterschaftssaison da bemerkbar?
Baldi: Wirtschaftlich hilft uns das natürlich, aber wir werden budgetär keine Riesensprünge machen können. Zumal wir ja auch noch nicht wissen, was ab übernächster Saison passiert. Es ist viel in Bewegung mit großen Chancen.
rbb|24: Vielen Dank für das Gespräch!
Sendung: rbb|24, 24.06.2026, 16:10 Uhr
Audio: rbb|24, 24.06.2026, Jakob Lobach
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