Die schönste Fußballgeschichte ist die von der Rückkehr: Leonardo Bittencourt kommt zurück nach Cottbus. Der prominente Transfer soll ein Team im Umbau tragen – und Hoffnung auf den Klassenerhalt geben.
Ex-Bundesligaspieler zurück in der Lausitz Ballack, Boateng – und jetzt Bittencourt
Alte Helden, die nach Hause kehren. Fans wünschen sich genau das. Der Fußball liefert Storys und Pointen und Kuriosa am Fließband ("Ausgerechnet!"). Aber die Geschichte von der Rückkehr ist die schönste.
"Leo kommt nach Hause", verkündete Energie Cottbus Mitte Juni also mit angemessenem Pathos. Leonardo Bittencourt, 304-maliger Bundesliga-Spieler, zwölf Jahre bei Energie Cottbus ausgebildet, Sohn des brasilianischen Fanlieblings und 2000er Aufstiegshelden Franklin, er schließt sich der Mannschaft von Claus-Dieter Wollitz an – der den Mittelfeldspieler seit dessen B-Jugend-Zeiten kennt und begleitet hat.
Sicher auch wegen dieser wohltuenden Erzählung versammelten sich am Mittwochnachmittag tapfere Cottbus-Fans unter der brennenden Sonne auf dem Trainingsgelände. Sie sahen, wie der mittlerweile 32 Jahre alte Bittencourt das Team auf den Platz führte.
Dabei sei die Verpflichtung eines Spielers dieses Kalibers eigentlich gar nicht zu machen gewesen, hatte Wollitz immer wieder betont. Wie der Coup dennoch zustande kommen konnte, erklärte er dann offen auf der Pressekonferenz: "Die Personalie Leo ist von einem Sponsor wohltätig unterstützt worden."
Über seinen Auftrag in der Lausitz sagte Bittencourt dem rbb: "Es geht darum, auf das, was die Jungs in den letzten Jahren aufgebaut haben, noch mal eine Schippe draufzulegen, sich noch mal zu verbessern, als Mannschaft zusammenzuwachsen."
Tatsächlich findet der einstige Champions-League-Spieler eine Mannschaft vor, die erst noch zusammenwachsen muss. Fußballer aus Rostock, Frankfurt, Aue, Düsseldorf und Mannheim wechselten bereits unter das Wappen mit den goldenen Ähren. Vier bis sechs weitere Neuzugänge sind laut Wollitz geplant.
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Seine Karriere ist jetzt noch nicht zu Ende. Sondern er möchte einen Beitrag leisten – und ich bin überzeugt, dass er es auch wird – dass wir weitermachen mit dem Spektakelfußball.
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Wollitz über Bittencourts Auftrag
Noch ist der Kader eine Baustelle – am Ende soll ein Gebilde entstehen, dass für rauschhaften Offensivfußball steht, ganz nach dem Gusto von Wollitz. Und Bittencourt sieht er als Umsetzer.
"Seine Karriere ist jetzt noch nicht zu Ende. Sondern er möchte einen Beitrag leisten – und ich bin überzeugt, dass er es auch wird – dass wir weitermachen mit dem Spektakelfußball."
Märchenhafte Rückkehrer-Transfers gab es in der jüngeren Fußballhistorie einige. Der geschasste Capitano Michael Ballack, der es in der Bundesliga bei Bayer Leverkusen noch mal allen zeigen wollte; Kevin-Prince Boateng, der für die Hertha im Abstiegskampf seine Knochen hinhielt; Kultstürmer Claudio Pizarro, der halt einfach an die Weser gehört.
Bei Bittencourt spricht vieles dafür, dass sein Cottbuser Comeback viel mehr als Folklore werden könnte. Seine dynamisch, intensive, wenn nötig auch mal raubeinige Spielweise und enorme Ballbehauptung kann Cottbus in der 2. Liga gut gebrauchen.
Das bislang letzte Mal zweitklassig spielte Bittencourt in der Saison 2021/22 bei Werder Bremen. Damals war er zwar keine Stammkraft – aber wenn er spielte, brachte er Stabilität und galt als Antreiber und Anführer der Mannschaft um Niclas Füllkrug, Marvin Ducksch, Romano Schmid und Co. Die ersten neun Spieltage fehlte Bittencourt verletzt, das Team vom Deich dümpelte im Tabellenmittelfeld herum. Als er zurückkam, nahm Werder Fahrt auf und sicherte sich letztlich den Aufstieg.
Ein Cottbuser Durchmarsch in die Bundesliga klingt realitätsfeindlich. In der Lausitz würde man sich auch mit dem Klassenverbleib begnügen.
Aber dass mit dem 1,71-Meter-Mann Wunder wahr werden können, hat er beim 1. FC Köln unter Beweis gestellt. 2016/2017, da war der neun Jahre jüngere Leonardo Bittencourt zwar regelmäßig verletzt – ein Schicksal, das ihm auch in seiner weiteren Karriere anhaften sollte. Doch wenn er spielte, machte er den Unterschied, wie eine Wahnsinnsstatistik belegt: Stand er auf dem Platz, holte sein Team durchschnittlich 2,0 Punkte. Fehlte er, schrumpfte die Ausbeute auf 1,1. Es war seine beste Saison: drei Tore und sieben Vorlagen in 16 Spielen. Am Ende landeten die Kölner auf Platz fünf und sicherten sich die Europapokal-Quali.
Lediglich acht Minuten habe das Telefonat mit Bittencourt gedauert, berichtete Wollitz.
Danach habe man innerhalb weniger Tage zusammengefunden. Es hat Klick gemacht. Die Geschichte der Rückkehr ist die schönste.
Sendung: Antenne Brandenburg, 24.06.2026, 17:00 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg, 24.06.2026, Andreas Friebel
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