Nach über zehn Jahren mit seinem eigenen Modelabel geht Idan Gilony neue Wege. Als Kreativdirektor kreiert er nun Nischendüfte und inszeniert Erlebniswelten.
Was Idan Gilony beruflich macht, ist selbst für ihn nicht leicht zu erklären. Erst wenige Tage vor unserem Gespräch hatte er für das Luxuslabel Jimmy Choo ein Event konzipiert. „Jimmy sagte mir, es gebe einen wichtigen Einkäufer, der mich gerne kennenlernen wolle. Als er fragte, was genau ich mache, meinte ich, dass ich immersive Erlebnisse schaffe“, erzählt Gilony. Die Antwort des Einkäufers fiel ernüchternd aus: Er verstehe nicht, was Gilony eigentlich tue.
Hier also ein Versuch der Annäherung – denn das Wort „immersiv“ bleibt oft abstrakt: Idan Gilony ist Kreativdirektor und Designer und zählt mittlerweile knapp 120.000 Follower auf Instagram. Bekannt ist er für Events, bei denen Kulinarik, zeitgenössisches Design und Performancekunst aufeinandertreffen.
Bei Idan Gilonys Arbeit fügen sich präzise platzierte Essenskreationen und florale Dekoration zu künstlerischen Installationen zusammen.
© Luca Airaghi
Wer die langen Tafeln und Tische betrachtet, die Gilony gestaltet, blickt auf Essen, das wie ein Kunstobjekt inszeniert ist. Kanapees und Desserts thronen einzeln auf geschwungenen Löffeln oder werden in abstrakten metallischen Schälchen serviert.
Plüschige Pusteblumen, Nadelkissen-Proteas oder elegante Anthurien ragen in einer Art modernem Ikebana-Stil aus kühlen Metallröhren empor, und Drinks leuchten in tiefem Magenta oder kräftigem Aquamarin. Die Gäste sollen in diese minimalistische und detailverliebte, von ihm kuratierte Welt mit allen Sinnen eintauchen. „Ich möchte Momente schaffen, in denen die Gäste für zehn Minuten auch einmal darauf verzichten können, aufs Handy zu schauen“, erklärt Gilony.
Doch Veranstaltungen sind nur die eine Seite seines Schaffens. Auf der anderen verantwortet Gilony seit 13 Jahren sein Label UY Studio. Was einst als reine Modemarke begann, hat sich inzwischen zu einer Nischenduftmarke gewandelt. Der Schritt von der sichtbaren Stofflichkeit hin zum olfaktorischen Gestaltungsakt von Parfüm erscheint auf den ersten Blick radikal. Doch Gilony hat für sich beschlossen, dass uns nichts so sensorisch einhüllt wie ein Duft.
Von Barcelona nach BerlinGilony wuchs in Tel Aviv auf und zog nach seinem Schulabschluss nach Europa. Seine kreative Laufbahn begann in Barcelona, wo er Modedesign studierte. Dort entwarf er im Rahmen eines Universitätsprojekts erste eigene Kleidungsstücke. Aus diesem studentischen Hobby erwuchs schließlich ein ernsthaftes Geschäft. Der Name der Marke, UY (ausgesprochen „Ui“), entstammt dabei dem spanischen Ausruf von Begeisterung und zeugt noch heute von den unbeschwerten Anfängen als Modestudent.
Mit dem Umzug nach Berlin fokussierte sich Gilony vollständig auf UY Studio. Als Modedesigner frustrierte ihn die strikte Trennung von Herren- und Damenmode in den klassischen Geschäften. Und so baute er eine Marke auf, die auf Unisex-Avantgardemode setzte und stark von der Berliner Clubszene inspiriert war. Prägend waren Leder, enge und durchsichtige Elemente sowie ein minimalistischer, urbaner und etwas kantiger Stil. Schon damals beschränkte sich die Arbeit aber nicht nur auf das reine „Mode machen“.
So entwarf er bei dem Label unter anderem auch Kostüme für Produktionen der Staatsoper Unter den Linden und des Berliner Staatsballetts. Zum fünfjährigen Bestehen inszenierte das Studio anlässlich einer neuen Kollektion eine Performance in der Halle am Berghain, statt auf eine klassische Modenschau zu setzen – Gilonys Affinität zur Performancekunst zeichnete sich also schon länger ab.
Mit der Pandemie kam dann ein Wandel in Gilonys beruflicher Laufbahn. Er begann, kleine Dinnerpartys in seinem Berliner Studio in Kreuzberg, in dem noch heute seine Ladenfläche zu finden ist, zu veranstalten. Was anfänglich als intimes Zusammenkommen für Bekannte startete, sprach sich schnell herum.
Die zunächst privaten Dinner-Abende entwickelten sich schließlich zu öffentlichen Veranstaltungen, wodurch auch große Namen auf Gilony aufmerksam wurden: ob Jimmy Choo, das prestigeträchtige Auktionshaus Sotheby’s in New York oder BMW, das ihn für ein Event in Cannes beauftragte. Auch auf dem diesjährigen Salone del Mobile in Mailand entwarf er eine Installation. „Ich liebe Performancekunst, die Bühne und das Theater. Es hat etwas sehr Meditatives für mich“, sagt er. „Gleichzeitig bin ich mir durch das Marketing, das ich jahrelang für UY gemacht habe, sehr bewusst darüber, dass Kundinnen und Kunden ganzheitlich abgeholt werden wollen.“
Rauchig und wohlig: „U“ war bereits der charakteristische Duft von UY, als das Label noch für Mode stand.
© UY Studio
Neben einer Leidenschaft für das Gastgeben, die wohl schon immer in ihm schlummerte, folgte eine weitere Entscheidung: Obwohl das Label laut Gilony kommerziell erfolgreich war, beschloss er für UY Studio, die Bekleidungsproduktion einzustellen. Statt nur die ständige Nachfrage des Marktes nach neuen Kollektionen zu bedienen, wollte er unabhängiger entscheiden, was er erschafft. Hinzu kam der Aspekt der Nachhaltigkeit – heute brauchen die Menschen noch weniger Kleidung als ohnehin schon vor 13 Jahren. „Es fühlte sich einfach nicht mehr an wie zu Beginn“, rekapituliert er. Die Bekleidung wich dem nachhaltigsten Produkt des Hauses, das als Kern der neuen Identität erhalten blieb: dem Parfüm.
Düfte, die den Ton angebenHeute ist diese Entscheidung gefestigt. Gilony kreiert Nischendüfte; die Duftöle kommen aus Paris, produziert wird in Deutschland. Seine Herangehensweise ist dabei dieselbe wie bei seinen Events: Er beginnt den kreativen Prozess nicht mit konkreten Zutaten, sondern visualisiert Stimmungen. „Ich ziehe viel Inspiration aus Situationen. Und weil ich ein bisschen dramatisch und sensibel veranlagt bin, neige ich dazu, mir bestimmte Szenarien oder Gefühle auszumalen. Genau darum herum baue ich dann eine Geschichte“, verrät Gilony.
Zigarettenrauch und Schweiß im FlakonBeim Signatur-Duft „U“ dachte er zum Beispiel an die Winterzeit in Berlin. „Wir haben uns einen späten Nachmittag vorgestellt, es ist noch nicht einmal richtig dunkel. Man versammelt sich zu Hause, bei Rotwein und Kerzen – eine sehr intime Atmosphäre. Jemand raucht im Hintergrund eine Zigarette, der Geruch zieht durch den Raum und legt sich auf schwere Samtstoffe“, sagt Gilony fast schwelgend. Das Ergebnis ist eine Komposition mit Oud, Amber, Vanille und Moschus mit einer warmen, rauchigen Note.
Mit Patchouli, Sandelholz und Tonkabohne ist „X“ zunächst süßlich, bevor der Duft eine dunklere, schwerere Note entfaltet.
© UY Studio
Das Parfüm „S“ hingegen ist ein Frühlingsduft, der mit der menschlichen Wahrnehmung spielt. Neben Bergamotte, Jasmin und Kardamom enthält er eine feine Nuance, die beinahe an Schweiß erinnert, allerdings gekonnt von den anderen Noten ausbalanciert wird. Dadurch entwickelt sich das Parfüm nach wenigen Minuten auf der Haut zu etwas extrem Vertrautem und Anziehendem.
Die Kunst des Moments„Man wird bei uns niemals rein florale Noten, Rosen oder simple Zitrusdüfte finden“, stellt er klar. Die Idee hinter seinen Kreationen ist es nicht, einfach nur gut zu riechen. Ein Duft soll vielmehr tiefe Gespräche eröffnen und eine unbewusste Verbindung zum Gegenüber herstellen, die über ein flüchtiges Kompliment hinausgeht. „Er schafft eine Erinnerung bei der Person, die neben einem sitzt“, so Gilony.
Damit schließt sich der Kreis zu den von ihm kuratierten Erlebnissen. Ob Dinner oder Parfüm: Gilony arbeitet stets mit Atmosphäre und Details, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen. Seine Düfte sind das unsichtbare Gegenstück zu den von ihm kreierten Räumen – gemeinsam schaffen sie Erinnerungen, die alle Sinne ansprechen.
Lesen Sie mehr zum Thema
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Careers in digital marketing with data and creativity | 5 | 7 | 16-10-2025 |
| 2 | Обоняние как суперкомпьютер: эксперт о том, как запахи управляют телом | 5 | 8 | 07-12-2025 |
| 3 | Is AI killing creative careers? Here’s what the industry actually needs | 0 | 7 | 20-04-2026 |
| 4 | Creators aren’t just in marketing’s entertainment era. They’re driving it | 5 | 7 | 01-07-2026 |
| 5 | Dolce vita: 5 деталей, которые сделают образ дороже | 2 | 6 | 04-07-2026 |
| 6 | Arnaud Poulain, le parfumeur des songes : « Rien ne va jamais assez vite à mon goût » | 5 | 7 | 18-07-2026 |
| 7 | The design experts’ guide to living larger in small spaces | 5 | 7 | 30-06-2026 |
| 8 | Quand Gucci ramène de l’esbroufe et du sexy là où il n’y en avait plus | 7 | 6 | 06-06-2026 |
| 9 | Апельсин под душем: сенсорная перезагрузка и секреты ароматерапии от эксперта Пироговского Университета | 5 | 7 | 13-02-2026 |
| 10 | Wellness Trends 2024 – Raufkommen zum Runterkommen | 5 | 7 | 29-11-2023 |