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Дата публикации: 25-06-2026 11:18:04

Wer waren die Millionäre des Deutschen Kaiserreichs – und wo lebten sie? Digitale Karten eröffnen neue Perspektiven auf die räumliche Trennung von Arm und Reich, die viele Städte bis heute prägt.

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Ausschnitt einer digitalen Karte: Farbige Punkte markieren AdressenKarte IRS

Wer waren die Millionäre des Deutschen Kaiserreichs – und wo lebten sie? Digitale Karten eröffnen neue Perspektiven auf die räumliche Trennung von Arm und Reich, die viele Städte bis heute prägt.

25.06.2026 · News · Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung · Wirtschafts- und Sozialwissenschaften, Raumwissenschaften · Forschungsergebnis

Ein neuer digitaler Kartensatz zeigt erstmals, wo die Vermögenselite des Deutschen Kaiserreichs lebte und wer zu ihr gehörte. Entwickelt wurde er von der Historikerin Eva Maria Gajek vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung und der Soziologin Daria Tisch, die am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung geforscht hat. Die Karten eröffnen neue Perspektiven auf die Entstehung exklusiver Wohnlagen und die räumliche Trennung von Arm und Reich, die viele Städte bis heute prägt.

Grundlage der Karten sind die zwischen 1912 und 1914 veröffentlichten „Jahrbücher des Vermögens und Einkommens der Millionäre“ des ehemaligen Regierungsrats und Publizisten Rudolf Martin. Die Publikationen gelten als Vorläufer heutiger Reichenlisten. Eva Gajek und Daria Tisch haben diese Daten systematisch digitalisiert und räumlich verortet. Erfasst wurden alle Personen mit einem Vermögen ab zwei Millionen Mark. Im Deutschen Kaiserreich lebten rund 68 Millionen Menschen. Nur etwa 4.500 von ihnen waren Vermögensmillionäre – statistisch kam damit auf rund 15.000 Einwohner ein Millionär.

Vom Deutschen Reich bis in einzelne Straßen zoomen

Veröffentlicht wurden drei interaktive Karten. Eine Vermögenskarte zeigt, wo die Wohlhabendsten wohnten. Eine Berufskarte visualisiert, welchen Berufs- und Sozialgruppen die Millionäre angehörten. Eine dritte Karte macht die familiären Beziehungen der Kölner Millionäre  sichtbar.

Die Karten ermöglichen es, nach Berufen oder Vermögen zu filtern, Adressen zu suchen und bis in einzelne Straßen zu zoomen. Die Karten enthalten außerdem Informationen dazu, ob Nachfahren der damaligen Vermögenden heute noch in aktuellen Vermögensrankings vertreten sind.

Berlin hatte die meisten Millionäre

Die Vermögenskarte zeigt zum Beispiel, dass Berlin mit 838 die größte Anzahl an Millionären hatte. Diese konzentrierten sich im Tiergartenviertel, einem heute weitgehend verschwundenen Villenquartier. Auf Berlin folgten die Handelsmetropole Hamburg mit 337 Millionären und die Finanzmetropole Frankfurt am Main mit 235 Millionären. Anders als zum Beispiel in Frankreich, wo sich die Vermögenselite in Paris konzentrierte, verteilte sie sich im Deutschen Kaiserreich auf mehrere wirtschaftliche Zentren.

„Die Karten machen räumliche Muster sichtbar, die in Listen oder Tabellen kaum erkennbar sind: die Konzentration von Wohlstand, die Nähe bestimmter Vermögensgruppen zueinander und die besondere Bedeutung einzelner Straßen und Viertel für die Vermögenselite des Kaiserreichs“ sagt Eva Maria Gajek. „Dank der Daten von Rudolf Martin wissen wir über die Reichen vor 100 Jahren mehr als über die Reichen von heute.“

Daria Tisch betont den Wert der Karten für die Forschung: „Unser Datensatz ist frei verfügbar und kann mit Informationen ergänzt werden, um die verschiedenen Facetten von Vermögensungleichheit genauer zu untersuchen.“

Die Karten entstanden im Rahmen des Forschungsprojekts „Where the Rich Live. Mapping Villa Neighborhoods and Cultures of Wealth in Germany's Long Twentieth Century (RichMap)“. Das Projekt untersucht die räumlichen und kulturellen Dimensionen von Reichtum in Deutschland vom Kaiserreich bis in die Gegenwart. Es wird von Kerstin Brückweh und Eva Maria Gajek (beide IRS) geleitet und von der Leibniz-Gemeinschaft im Förderprogramm Leibniz-Kooperative Exzellenz gefördert.

Interaktive Karten

Die digitalen Karten sind abrufbar unter: stadt-raum-geschichte.de/forschung/projekte/where-the-rich-live/vom-verzeichnis-zur-karte

Weitere Informationen und Kontakt

Pressemitteilung des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS)

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