Im folgenden betrachte ich eine wesentliche Spielart des Messproblem in der Variante der thermal Interpretation: "wie resultiert aus einem von einer Quelle erzeugten 'Teilchen' genau ein Detektorereignis in genau einem Detektorelement?"
Dazu einige weitere Details, die im Rahmen der thermal Interpretation als wichtig identifiziert werden, für deren Betrachtung jedoch nach heutigem Kenntnisstand keine geeigneten mathematischen Methoden zur Verfügung stehen:
Das System "Quelle plus Detektor" muss immer durch einen mikroskopischen Vielteilchen-Quantenzustand beschrieben werden. Der Quantenzustand eines 'Teilchens' als isolierter Zustand ist dabei eine unzulässige Idealisierung; das 'Teilchen' ist bzw. wird immer mit dem komplexen Zustand der Quelle bzw. im Zuge der Registrierung mit dem des Detektors verschränkt. Viele Rechnungen ignorieren dies, sie skizzieren Einteilchen-Quantensysteme und Zeigerzustände. Die darauf aufbauenden Interpretationen betrachten völlig unzureichende Spielzeugmodelle.
Der Quantenzustand des Systems "Quelle plus Detektor" kann aus mehreren Gründen nicht exakt bekannt sein: Der Zustand ist zu komplex, nicht alle Freiheitsgrade können betrachtet werden, man muss dies notwendigerweise auf Subsysteme reduzieren – s.o. Der Detektorzustand, der bei Wechselwirkung mit dem von der Quelle erzeugten Teilchenzustand ein Detektorereignis produziert, kann dem Experimentator erst dann theoretisch bekannt sein wenn er in dessen Vergangenheitslichtkegel liegt.
Die vernünftige Hypothese, dass zufällige unbekannte Fluktuationen des Detektors zufällig verteilte jedoch immer streng lokalisierte eindeutige Detektorereignisse für 'ein Teilchen' erzeugen, müsste anhand hinreichend genauer und zugleich lösbarer Modelle des in der Praxis unbekannten Quantenzustand des Systems "Quelle plus Detektor" überprüft werden.
Die Quantenfeldtheorie betrachtet üblicherweise stationäre Quellen, Teilchenstrahlen etc. und daraus resultierende Reaktionsraten. Die Lösung des o.g. Problems erfordert jedoch die Betrachtung instationärer Quellen für 'einzelne Teilchen' und einzelne Ereignisse; dies wird praktisch nie betrachtet.
Auf meine Frage (08/2024), wie die thermal Interpretation zeigt, dass ein Teilchen zu genau einem lokalisierten Detektorereignis führt, lautet die Antwort, dass diese Berechnungen noch nicht durchgeführt wurden.
Auf meine Frage zu den besten Referenzen zu derartigen Rechnungen lautet die Antwort, dass keine Quellen bekannt sind, die das betrachten, was für die TI benötigt wird, da bisher niemand Probleme löst, die erst durch die TI interessant werden.
Jahrelange Arbeit anhand eines guten Dutzends effizienter Methoden, um mit unitärer Dynamik beginnend anhand idealisierte Modelle – wobei diese einfach genug für konkrete Berechnungen jedoch ausreichend komplex für die o.g. Dinge wären – hat noch nicht zu quantitativen Ergebnissen im Sinne der o.g. Hypothese geführt.
Die Frage, wie die Detektorantwort auf ein System in einem Einteilchenzustand aussieht, wird dadurch kompliziert, dass bereits die Modellierung dieses Problems im Rahmen der QFT unklar ist – es sind also noch nicht mal die zu lösenden Gleichungen bekannt.
Der eigentlich spannende Punkt, warum mich die thermal Interpretation trotz dieses auf den ersten Blick ernüchternd Status so interessiert, ist folgende: sie ist ehrlich! Keine andere Interpretation liefert eine derart detaillierte Analyse der Unzulänglichkeiten aller bisherigen Betrachtungen – stattdessen springen sie anhand völlig unzureichender Modelle auf eine philosophische Ebene. Die Tatsache, dass die thermal Interpretation bisher keine positiven Antworten auf die o.g. Hypothese und die dadurch aufgeworfenen offenen Fragen hat, kann man auch umgekehrt lesen: keine andere Interpretation liefert auch nur ansatzweise Ergebnisse, die die oben genannte Hypothese widerlegen könnten – man hat sich noch nicht einmal damit befasst. Die thermal Interpretation liefert eine Analyse, die keine andere Interpretation ignorieren kann, und sie ist damit ein Aufruf, endlich die Hausaufgaben erledigen.
Meine Vorlieben [bzgl. möglicher Interpretationen der Quantenmechanik] gehen inzwischen gegen Null, weil in die meisten Interpretationen implizite Annahmen eingehen, die diese von vorne herein wertlos erscheinen lassen.
Jede Interpretation, die zu den oben genannten Punkte keine Antworten oder Widerlegungen aufweisen kann, ist für mich wertlos.
Das ist zunächst mal meine Dekonstruktion der Interpretationen auf physikalischer Ebene. Die philosophische folgt.
Zuletzt bearbeitet: 23. Juni 2025
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