Das weltweit größte Treffen von Modell-Airlinern findet alle zwei Jahre in Nellingen statt. Die Airbusse und Jumbos donnern mit naturgetreuem Sound über die Schwäbische Alb.
Alle zwei Jahre donnern Airbusse und Jumbos über den Flugplatz von Oppingen-Au bei Nellingen (Alb-Donau-Kreis). Aus Österreich und der Schweiz kommen sie - sogar aus den USA. Beim weltweit größten Treffen flugfähiger Modell-Airliner starten Airbusse, Jumbos und historische Maschinen im Miniaturformat.
Wenn der gigantische Militärtransporter Boeing C-17 zur Piste rollt und kurz darauf abhebt, könnte die Szene auf der US-Airbase Ramstein in der Pfalz spielen. Wir sind aber auf dem kleinen Flugplatz Oppingen-Au. Und die Boeing ist auch nicht 53 Meter lang, sondern sechseinhalb.
Aber sie sieht nicht nur haargenau so aus wie das Original - sie klingt auch so. Kein Wunder: Sogar die Düsentriebwerke des Modells sind echte Turbinen. Und werden mit ebenso echtem Kerosin betankt. Das Respekt einflößende, ferngesteuerte Transportflugzeug donnert im Tiefflug über die Piste, dreht eine Runde und landet absolut akkurat. Wie viel Wert seine Erbauer auf Details gelegt haben, zeigt sich an zwei Details: Das Fahrwerk lässt sich einziehen. Und die Positionslichter blinken.
Die C-17 gehört einem amerikansichen Filmschauspieler und -produzent. Er ist eigens für das Airliner-Treffen aus Kalifornien angereist. Die 36 Teilnehmer - übrigens ausschließlich Männer - kommen ansonsten mehrheitlich aus Deutschland, aber auch aus Frankreich, Österreich und der Schweiz.
Die Piste des kleinen Alb-Flugplatzes sieht an diesem Wochenende aus wie das Rollfeld des Frankfurter Flughafens: Airbus A330, Boeing 747, McDonnell Douglas MD-11 und - schwer zu übersehen - der majestätische doppelstöckige Airbus A380. In Reih und Glied stehen sie nebeneinander wie ihre großen Vorbilder vor den Terminals.
Ein paar Meter weiter wähnt man sich in einem Luftfahrt-Museum. Da steht die alte "Tante Ju", korrekt Junkers Ju 52/3, originalgetreu im Wellblech-Design und mit drei Propellermotoren. Auch ihr amerikanisches Gegenstück ist da: die Douglas DC-3, die als "Rosinenbomber" während der Blockade 1948 die West-Berliner Bevölkerung versorgt hat.
Auch beim Anblick der "Super-Connie" dürften die Augen vieler Flugzeugfans leuchten: dem berühmten Langstreckenflugzeug aus den 1950er Jahren, das trotz ihrer vier Motoren als "schnellstes dreimotoriges Flugzeug" galt - weil regelmäßig ein Triebwerk ausfiel.
Das Airlinertreffen ist übrigens kein Wettbewerb. Die Modellpiloten kommen zusammen, fachsimpeln und fliegen - ganz entspannt.
Zum neunten Mal findet das Airliner-Treffen in Oppingen statt, und dass das so ist, ist vor allem einem Mann zu verdanken: Adi Pitz. Der 67-Jährige hat zwei Leidenschaften: Organisieren und Modellbauen. Wie viele Flugzeuge er schon gebaut hat, weiß er nicht. Sein Hobbykeller ist Flugwerft und Hangar zugleich. Verkehrsflugzeuge und Militärjets parken da neben- und übereinander.
An den Flugmodellen fasziniert ihn vor allem ihre Ästhetik in der Luft. "Es sieht einfach traumhaft aus, wenn die Riesenkolosse so ruhig daher schweben. Da glaubt man oft gar nicht, dass die sich in der Luft halten können." Pitz' jüngstes Werk: Die Boeing 747 als US-Präsidentenmaschine "Air Force One". Aus Balsaholz, Styropor und anderen Kunststoffen. Die aufwändigsten Modelle der Airliner-Szene sind aus dem Verbundwerkstoff GFK, aus dem beispielsweise auch Wohnmobile gebaut werden.
Vorbild für seine Modelle sind nicht etwa die Originale - sondern ebenfalls Modelle. Pitz baut zunächst eines der guten alten im Handel erhältlichen Plastikmodelle. An dem nimmt er Maß. Seine eigenen Flugzeuge sind am Airliner-Treffen übrigens nicht zu sehen - weder am Boden noch in der Luft. Er ist das ganze Wochenende komplett mit Organisieren beschäftigt, zum Vorführen bleibt da keine Zeit.
Immerhin erwartet er an den drei Veranstaltungstagen über 5.000 Besucherinnen und Besucher. Und die haben nicht nur Hunger auf schöne Modellflugzeuge - sondern auch auf heiße Würstchen.
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