In Deutschland durfte der Film des Regisseurs Uwe Boll zunächst nicht gezeigt werden. Der Berliner AfD-Abgeordnete Ronald Gläser machte daraus nun einen Abend über Zensur und Meinungsfreiheit.
Ausweiskontrolle bei der AfD in Blankenburg. Minderjährige durften am Freitagabend nicht in das Abgeordnetenbüro von Ronald Gläser. Wer hineinwollte, musste zeigen, dass er volljährig ist. Auch von außen sollte niemand in den Raum schauen können. Anlass war ein Film, der in Deutschland zunächst nicht regulär gezeigt werden konnte und den seine Unterstützer als Fall politischer Zensur sehen: „Citizen Vigilante“.
Gläser kostete die Organisation viele Nerven. Denn bei nicht gekennzeichneten Fassungen handeln Veranstalter auf eigenes rechtliches Risiko. Bei Verstößen gegen das Jugendschutzgesetz können Bußgelder bis zu 50.000 Euro oder strafrechtliche Folgen drohen. Wie organisiert man also eine Vorführung, die ein politisches Signal sein, aber nicht zur juristischen Falle werden soll?
Die Antwort in Blankenburg: nur handverlesene Gäste, keine öffentliche Werbung, Alterskontrolle am Eingang. Die Ausweise wurden kontrolliert, die Kontrolle über eine Gästeliste dokumentiert. Szenen mit schwerer Gewalt schaute sich die rund 30 Teilnehmer nicht an. Gezeigt wurde eine leicht gekürzte Fassung in englischer Originalsprache mit deutschen Untertiteln. Gläser sagte, er könne verstehen, wenn Menschen den Raum verlassen wollen würden.
Was in der gekürzten Fassung übrig blieb, war dennoch drastisch. Zu sehen war unter anderem, wie der Selbstjustizler die Familie eines jungen Mannes erschießt, der an einer Gruppenvergewaltigung beteiligt war. Die Familie stammt im Film aus dem arabischen Raum und war vor Krieg nach Europa geflohen. Nicht nur der mutmaßliche Täter stirbt, sondern auch seine Eltern und seine Schwester. Im Raum war an dieser Stelle ein „sehr schön“ zu hören.
In „Citizen Vigilante“ spielt Armie Hammer einen amerikanischen Geschäftsmann, der Selbstjustiz verübt, nicht nur gegen Migranten. Kritiker sprechen von einem „rechtsextremen Blockbuster“ und einem „rassistischen Machwerk“. Der britische Guardian nannte den Film billig, wirr und schlecht gespielt.
Boll verteidigte den Film im Interview mit dieser Zeitung. Seine Hauptfigur sei kein Held, sondern ein „Einzelgänger mit zweifelhaftem Charakter“, sagte der Regisseur. Der Film solle den Zuschauer und den Staat mit der Frage konfrontieren, was passiere, wenn Bürger das Vertrauen in den Rechtsstaat verlören. Die FSK, sagte Boll, handle „als politische Zensurbehörde“ und nutze den Jugendschutz, um das Grundgesetz auszuhebeln.
Gläser stellte sich in dieser Lesart an die Seite des Regisseurs. „Es geht um den Vorgang der Zensur in Kunst und Kultur“, sagte er dieser Zeitung. Darüber müsse man in Deutschland reden, der Film sei dafür ein „lebhaftes Beispiel“. Den Inhalt will Gläser nicht als AfD-Position verstanden wissen. Der Film sei „kein in Filmform gegossenes Parteiprogramm“, betonte er. Gewalt und Rachefantasien lehne man ab. Gleichwohl setze man sich für Meinungsfreiheit ein.
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