Momentum ist der Star des Börsenjahres 2026. Wer auf Momentum-ETFs gesetzt hat, konnte bislang rund 25 Prozent Rendite erzielen. Doch Börsenstars altern schnell. Faktoren kommen und gehen – je nach Marktphase. Wir erklären, wie der Faktor-Zoo funktioniert und mit welchen ETFs Anleger gezielt auf Momentum, Quality, Value, Size und Co. setzen können. Warum der Markt […]
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Während Momentum-ETFs in starken Trendphasen glänzen, bieten Quality- und Value-Faktoren wertvolle Stabilität in unsicheren Marktumfeldern. (Bild: Magnific AI)
Momentum ist der Star des Börsenjahres 2026. Wer auf Momentum-ETFs gesetzt hat, konnte bislang rund 25 Prozent Rendite erzielen. Doch Börsenstars altern schnell. Faktoren kommen und gehen – je nach Marktphase. Wir erklären, wie der Faktor-Zoo funktioniert und mit welchen ETFs Anleger gezielt auf Momentum, Quality, Value, Size und Co. setzen können.
Wer glaubt, an der Börse herrsche pures Chaos, unterschätzt die Macht von Mustern. Über lange Zeiträume wiederholen sich bestimmte Eigenschaften von Aktien erstaunlich zuverlässig: starke Kursverläufe, hohe Qualität, günstige Bewertungen oder kleine Unternehmensgrößen. Genau daraus ist der Faktor-Gedanke entstanden: Statt den ganzen Heuhaufen blind zu kaufen, sucht man nach den Halmen mit den besseren Wachstumseigenschaften.
Die schöne Theorie hat aber einen Haken. Faktoren sind keine Dauerläufer, sondern Regimewetten. Wer Momentum kauft, braucht Trends. Wer Value kauft, braucht den Abschied von der Euphorie. Wer Quality kauft, braucht Anleger, die nicht nur Storys, sondern Substanz honorieren.
Momentum ist der am besten belegte Faktor. Die akademische Evidenz zeigt seit Jahrzehnten, dass Aktien mit guter Kursentwicklung oft noch eine Zeit lang weiterlaufen. Das ist kein Zauber, sondern ein Marktmechanismus: Gewinner ziehen Kapital an, Kapital treibt Kurse, Kurssteigerungen erzeugen neuen Zufluss. Aber Momentum hat auch eine hässliche Seite. Der Faktor kann brutal abstürzen, wenn Trends reißen. Dann wird aus dem Motor plötzlich ein Bremsklotz. Genau deshalb ist Momentum so faszinierend und so tückisch zugleich.
Quality ist der sympathische Gegenentwurf. Unternehmen mit hoher Profitabilität, soliden Bilanzen, starker Marktstellung und guter Kapitaldisziplin wirken auf den ersten Blick vielleicht langweilig, schlagen den Markt aber über Jahre hinweg. Quality ist wissenschaftlich plausibel und oft robust, aber weniger scharf abgegrenzt als Momentum. Man könnte sagen: Quality ist weniger Feuerwerk, mehr stetige Glut.
Value bleibt der klassische Gegenpol. Günstige Aktien haben historisch eine Renditeprämie gebracht, vor allem nach Phasen, in denen Wachstum und Fantasie völlig überhitzt waren. Doch Value braucht Geduld, und zwar viel davon. Wer Value kauft, kauft oft nicht das, was gerade geliebt wird, sondern das, was der Markt erst viel später wiederentdeckt.
Size ist der akademische Klassiker mit praktischem Fragezeichen. Kleine Unternehmen haben in vielen Studien eine Prämie gezeigt, aber eben nicht schön glatt, sondern mit viel Reibung. Liquidität, höhere Schwankung und stärkere Qualitätsunterschiede machen den Faktor im echten Depot deutlich unbequemer, als das Lehrbuch vermuten lässt.
Low Volatility ist der Faktor für schwache Nerven. Er zielt nicht auf maximale Rendite, sondern auf ein besseres Rendite-Risiko-Verhältnis. Das funktioniert vor allem dann, wenn Anleger nervös werden und ruhiges Fahrwasser plötzlich wichtiger wird als die stürmische See.
Dividende oder Yield, ist der Faktor für Anleger, die Erträge sehen wollen, nicht nur Hoffnung. Ausschüttungen machen die Rendite greifbar, und das ist psychologisch stark. Aber eine hohe Dividendenrendite kann auch ein Warnsignal sein, wenn der Kurs vorher abgestürzt ist oder das Geschäftsmodell unter Druck steht.
Momentum glänzt in langen Trendphasen. Wenn einige wenige Marktführer den Ton angeben, wird der Faktor fast automatisch zum Taktgeber. Genau deshalb läuft Momentum in starken Tech- oder KI-Märkten oft so gut.
Quality überzeugt in unsicheren, aber nicht chaotischen Marktphasen. Wenn die Börse Qualität wieder höher gewichtet als Story, sind robuste Geschäftsmodelle im Vorteil. Dann zählen Margen, Preissetzungsmacht und Bilanzstärke mehr als bloße Fantasie.
Value spielt seine Stärken aus, wenn die Märkte übertreiben und Bewertungen wieder auf den Boden kommen. Dann wird aus dem ungeliebten Bereich plötzlich der Rendite-Retter. Value ist also weniger ein Stil als ein Gegenmittel gegen Euphorie.
Size kommt oft dann besser zum Zug, wenn Anleger wieder breiter in den Markt hineinrotieren. Kleine Firmen profitieren häufig von neuer Risikobereitschaft und davon, dass sie von vielen Investoren zunächst unterschätzt werden.
Low Volatility funktioniert in nervösen Märkten und in Korrekturphasen besser als in rauschenden Bullenmärkten. Wer ruhig schlafen will, bezahlt dafür oft mit etwas weniger Aufwärtspotenzial. Das ist kein Fehler des Faktors, sondern sein Preis.
Yield überzeugt in Seitwärtsmärkten, bei sinkender Risikobereitschaft und bei Anlegern, die laufende Ausschüttungen schätzen. Er ist eher Einkommensstrategie als Wachstumswette.
Momentum scheitert, wenn der Trend bricht. Dann kommt es schnell zu einem Stilwechsel, und aus den Gewinnern von gestern werden die Verlierer von morgen.
Quality schwächelt, wenn Anleger für Qualität zu viel bezahlen. Dann ist das Geschäftsmodell zwar gut, aber die Aktie schon zu teuer.
Value schwächelt, wenn der Markt lange Zeit nur Wachstum und Fantasie honoriert. Dann bleiben die günstigen Titel billig, oft viel länger als einem lieb ist.
Size schwächelt, wenn die großen, liquiden Namen den Markt dominieren. Dann wird klein schnell zum Nachteil.
Low Volatility schwächelt, wenn die Märkte breit steigen und Anleger offensiv werden. Dann kommen defensive Titel oft nicht hinterher.
Yield schwächelt, wenn die Dividende nicht aus echter Kraft kommt. Dann ist die hohe Rendite nur der Köder vor der Falle.
Für Momentum bietet sich der iShares Edge MSCI World Momentum Factor UCITS ETF (ISIN: IE00BP3QZ825) an. Der ETF investiert gezielt in Aktien mit der höchsten relativen Kursdynamik innerhalb der entwickelten Märkte. Zu den größten Positionen zählen derzeit Micron Technology, Advanced Micro Devices und Intel. Mit einem IT-Anteil von mehr als 35 Prozent profitiert der Fonds besonders stark von der anhaltenden Technologie- und KI-Rally. Die Wertentwicklung spricht für sich: Rund 25 Prozent seit Jahresbeginn und etwa 35 Prozent auf Sicht von 12 Monaten.
Für Quality eignet sich der Xtrackers MSCI World Quality UCITS ETF 1C (ISIN: IE00BL25JL35). Er investiert gezielt in Unternehmen mit hoher Profitabilität, soliden Bilanzen und nachhaltiger Ertragskraft. Zu den größten Positionen gehören Apple, Nvidia und Microsoft. Rund 30 Prozent des Portfolios entfallen auf den Technologiesektor, weitere 15 Prozent auf Finanzwerte. Mit einer Wertentwicklung von 13,59 Prozent im laufenden Jahr und rund 23 Prozent innerhalb der vergangenen 12 Monate zeigt sich, dass Qualität auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld überzeugen kann.
Für Value bietet sich der Invesco RAFI All World Fundamental Value ETF (ISIN: IE00B23LNQ02) an. Anders als klassische Indexfonds orientiert sich der ETF nicht an der Marktkapitalisierung, sondern an fundamentalen Unternehmenskennzahlen wie Umsatz, Cashflow oder Buchwert. Zu den größten Beteiligungen zählen Microsoft, JPMorgan Chase und Apple. Auffällig ist die Sektorstruktur: Finanzwerte stellen rund 24 Prozent, Industrieunternehmen etwa 11 Prozent, während der Technologiesektor lediglich rund 9 Prozent ausmacht. Die Wertentwicklung liegt bei rund 19 Prozent seit Jahresbeginn und etwa 33 Prozent auf Jahressicht.
Wer gezielt auf kleinere Unternehmen setzen möchte, findet im SPDR MSCI World Small Cap UCITS ETF (ISIN: IE00BCBJG560) eine passende Lösung. Der ETF investiert weltweit in Small Caps aus den entwickelten Märkten und eröffnet damit Zugang zu Unternehmen, die häufig unter dem Radar vieler Investoren fliegen. Zu den größten Positionen gehören derzeit SanDisk, nVent Electric und Carpenter Technology. Nach einer kräftigen Erholung legte der Fonds 19 Prozent seit Jahresbeginn und rund 30 Prozent innerhalb der vergangenen 12 Monate zu.
Für Low Volatility empfiehlt sich der iShares Edge MSCI World Minimum Volatility UCITS ETF (ISIN: IE00B8FHGS14). Er investiert gezielt in Aktien mit vergleichsweise geringen Kursschwankungen und richtet sich damit an Anleger, die ein möglichst stabiles Renditeprofil suchen. Zu den größten Positionen zählen Cisco Systems, Duke Energy und Johnson & Johnson. Trotz des defensiven Ansatzes bleibt der Technologiesektor mit rund 25 Prozent der größte Bereich, gefolgt vom Gesundheitssektor mit etwa 14 Prozent. Die Wertentwicklung fällt entsprechend moderater aus: 5,98 Prozent seit Jahresbeginn und rund 6 Prozent auf Sicht von 12 Monaten.
Für Dividendeninvestoren eignet sich der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF (ISIN: NL0011683594). Der ETF investiert weltweit in dividendenstarke Unternehmen mit attraktiven und vergleichsweise stabilen Ausschüttungen. Zu den größten Positionen zählen Exxon Mobil, Verizon Communications und Nestlé. Mit rund 32 Prozent Finanzwerten und 19 Prozent Energieunternehmen besitzt der Fonds eher defensiven Charakter und setzt auf etablierte, cashflowstarke Geschäftsmodelle. Die Wertentwicklung liegt bei rund 12 Prozent im laufenden Jahr und etwa 29 Prozent innerhalb der vergangenen 12 Monate.
Der Faktor-Zoo ist kein Trophäenraum für den einen Sieger. Er ist ein Werkzeugkasten für verschiedene Marktphasen. Momentum ist derzeit der Star, ja — aber Stars altern schnell an der Börse. Wer das versteht, muss nicht den einen heiligen Gral suchen. Er muss nur wissen, welcher Faktor gerade am besten zum Marktklima passt. Genau das ist die Kunst: nicht immer recht zu haben, sondern selten falsch positioniert zu sein.
Disclaimer:
Keine Anlageberatung. Kein Aufruf zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren.
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