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Ukrainischer Oligarch bei mutmaßlichem Anschlag verletzt

Дата публикации: 30-06-2026 13:02:00

Nach einer Sprengstoffexplosion mit drei Schwerverletzten im sonst so schicken und als besonders sicher geltenden Monaco geht die Staatsanwaltschaft zunächst nicht von einem Terroranschlag aus.

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Nach einer Sprengstoffexplosion mit drei Schwerverletzten im sonst so schicken und als besonders sicher geltenden Monaco geht die Staatsanwaltschaft zunächst nicht von einem Terroranschlag aus.

Es gebe zurzeit keine Hinweise für eine solche Einstufung, sagte der Staatsanwalt des Fürstentums, Stéphane Thibault. Ermittelt werde wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat. Dabei gingen die Fahnder bislang von einem Einzeltäter aus, der noch auf der Flucht ist.

Am Montagabend gegen 21.00 Uhr hatte es am Eingang eines Wohngebäudes eine heftige Explosion gegeben. Zuvor hatte ein Mann dort ein Paket abgelegt, wie Bilder einer Überwachungskamera zeigten. Kurz darauf erschienen die drei Bewohner der Erdgeschosswohnung an der Tür, und das Paket explodierte in diesem Moment, wie der Staatsanwalt sagte. Neben den drei Bewohnern wurden zwei weitere Menschen durch umherfliegende Glassplitter verletzt.

Fahndung nach unbekanntem Täter mit Hut

Das betroffene Gebäude befindet sich an einem Platz nahe der Grenze zu Frankreich. Der Verdächtige soll zu Fuß in Richtung der französischen Stadt Beausoleil gelaufen sein. Man sei ihm aber auf der Spur, sagte der Staatsanwalt. Die Polizei versuche, seinen Weg nachzuzeichnen und ihn zu identifizieren. 

Dabei griffen die Fahnder auf die Bilder der zahlreichen Überwachungskameras im Fürstentum zurück. Medien zeigten ein von den Kameras aufgenommenes Bild eines rennenden Mannes mit einem dunklen Hut.

Ein Polizist steht auf einer Straße in Monaco Wache, einen Tag später, nachdem ein Sprengsatz drei Menschen in einem Wohnhaus in Monaco schwer verletzt hatte. (zu dpa: «Paketbombe erschüttert Monaco – Oligarch unter den Opfern?»)

Ein Polizist steht auf einer Straße in Monaco Wache, einen Tag später, nachdem ein Sprengsatz drei Menschen in einem Wohnhaus in Monaco schwer verletzt hatte. Philippe Magoni/AP/dpa

Zur Identität der Opfer machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben. Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den ukrainischen Oligarchen Wadym Jermolajew, seine Ehefrau und einen Sohn des Paares handeln. Alle drei kamen in eine Klinik im südfranzösischen Nizza. Die Verletzten seien noch nicht verhört worden, sagte Thibault. Die Frau schwebe weiterhin in Lebensgefahr, der Mann nicht mehr und auch das Kind nicht. 

Der Staatsanwalt sagte, dass der Mann seit spätestens 2021 in Monaco lebt und dass gegen ihn im Fürstentum keine Ermittlungen anhängig sind. Er werde auch nicht von ausländischen Behörden gesucht.

Oligarch mit Verbindungen nach Russland

Wadym Jermolajew (58) ist seit Dezember 2023 mit ukrainischen Sanktionen belegt, Präsident Wolodymyr Selenskyj warf ihm Kooperation mit Russland vor. Vorher war Jermolajew mit seiner Firma Alef einer der größten Stadtentwickler in seiner Heimat Dnipro und zählte regelmäßig zu den reichsten Ukrainern. Der Zeitschrift„Forbes” sagte er einmal, dass er seit 2017 nur noch einen Pass von Zypern habe, nicht mehr der Ukraine.

Jermolajew tauchte auch in Recherchen des Nachrichtenportals „Ukrajinska Prawda” zum spöttisch so getauften „Monaco-Bataillon” auf. Dabei ging es um ukrainische Politiker und Geschäftsleute, die sich wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an die Cote d'Azur abgesetzt haben.

Ermittler untersuchen den Tatort an dem Wohnhaus wo einen Tag zuvor drei Menschen durch einen Sprengsatz schwer verletzt worden waren. (zu dpa: «Paketbombe erschüttert Monaco – Oligarch unter den Opfern?»)

Ermittler untersuchen den Tatort an dem Wohnhaus wo einen Tag zuvor drei Menschen durch einen Sprengsatz schwer verletzt worden waren. Philippe Magoni/AP/dpa

„Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft”

Die Explosion schreckte das sonst meist ruhige Fürstentum auf, Sirenen heulten und Rettungswagen und Polizeiautos eilten durch die Straßen. Viele Dutzend Rettungskräfte und Ermittlungsbeamte, auch aus Frankreich, waren im Einsatz. Am Tag danach war der Tatort weiterhin abgesperrt, Sprengstoffexperten waren im Einsatz. 

Fürst Albert II. von Monaco schrieb in einer Mitteilung in der Nacht, dass die „kriminelle Explosion” einen „Schock für die gesamte monegassische Gemeinschaft” darstelle. 

„Meine Gedanken gelten in erster Linie den Opfern, ihren Angehörigen und den Einwohnern, die von dieser brutalen Tat unmittelbar betroffen sind. Prinzessin Charlene, meine Familie und ich möchten ihnen unser Mitgefühl und unsere unerschütterliche Unterstützung aussprechen”, schrieb der Fürst. „Mehr denn je wird das Fürstentum Monaco angesichts von Gewalt und Kriminalität geeint und entschlossen bleiben.”

Anwohner berichtet von dramatischen Szenen

Er habe auf der Couch gesessen und gerade die Fußball-WM geschaut, als ihn die heftige Explosion aufgeschreckt habe, sagte Anwohner Jean-Marc der Zeitung „Monaco-Matin”. Vom Fenster aus habe er eine enorme Rauchwolke gesehen und sei dann auf die Straße gelaufen. 

Dort habe er den blutüberströmten Jungen gesehen und die Mutter, die regungslos auf dem Boden lag. „Die Person, die dem Jungen geholfen hatte, sagte, dass der Frau die Füße abgerissen wurden”, meinte der Nachbar. „Das ist schockierend. Man sagt immer, Monaco sei das sicherste Land der Welt.”

dpa

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