Nach der Bluttat in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Einrichtung betreut Frauen und Kinder in schwierigen Lebenslagen – nun wurde sie zum Tatort.
Nach der Bluttat in einer Mutter-Kind-Einrichtung in Stade laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Die Einrichtung betreut Frauen und Kinder in schwierigen Lebenslagen – nun wurde sie zum Tatort.
Sechs Tote, zwei Festnahmen: Das ist die traurige Bilanz einer Bluttat, die sich am Montag im niedersächsischen Stade abspielte. Der Tatort war aktuellen Erkenntnissen zufolge eine Mutter-Kind-Einrichtung.
Sie wird von der Stethu GmbH betrieben. Insgesamt gibt es in Stade zwei Zentren, in denen werdende Mütter und Frauen mit ihren Kindern in voll- und teilbetreuten Wohngruppen untergebracht werden.
So steht es auf der Website der Einrichtung. Insgesamt sollen elf Plätze zur Verfügung stehen. Beide Einrichtungen liegen „zentral” in der Kreisstadt mit ihren knapp 48.000 Einwohnern.
Über die Einrichtung, in der sich die Bluttat ereignete, ist jedoch einiges bekannt. Die Stethu-GmbH wurde laut Webseite 1999 gegründet und hat sich im Jahr 2012 auf die Betreuung und Begleitung junger Mütter mit ihren Kindern spezialisiert.
„Sie ist für junge Mütter, die Unterstützung brauchen. Sie leben dort mit ihren Kindern”, sagt eine Anwohnerin zu FOCUS online. Das Gelände sei nett und kindgerecht gestaltet, verfüge über einen tollen Gartenbereich. Ärger oder Auseinandersetzungen seien aus der Vergangenheit nicht bekannt. „Das war ganz unspektakulär und für uns unauffällig”, so die Anwohnerin. Gelegentlich sei eine Gruppe spazieren gegangen, man habe sich nachbarschaftlich gegrüßt. Die Gegend sei ohnehin ein ruhiges Viertel, in dem es sich gut lebe - und gewiss kein Brennpunkt: „Es ist eigentlich ein schönes Wohnen. Damit hätte man heute nicht gerechnet.”
Die Betroffenen benötigen aus den verschiedensten Gründen Hilfe bei der Versorgung ihrer Kinder. Dazu zählen Gewalterfahrungen, Suchtprobleme, Überforderung oder soziale Benachteiligung.
Die Einrichtung will vor allem die Autonomie ihrer Klientinnen fördern, das Selbstwertgefühl stärken und Mütter und Kinder wieder an strukturierte Tagesabläufe gewöhnen. So ist es auf der Homepage zu lesen.
Als ein zentrales Ziel wird angeführt, dass Mütter Verantwortung für sich und ihre Kinder übernehmen und „alltägliche Herausforderungen eigenständig meistern lernen”. Am Ende des Aufenthalts in der Einrichtung steht der „Auszug in den eigenen Wohnraum oder eine geeignete Lebensform”.
Für die Betreuung stehe den beiden Häusern ein „multiprofessionelles pädagogisches Team mit unterschiedlichen Ausbildungen und trägerspezifischen Fort- und Weiterbildungen” zur Verfügung. Angeboten werden unter anderem Beschulung sowie Gruppen- und Einzelangebote.
Zu den Arbeitsmethoden zählen laut der Homepage der Stethu GmbH unter anderem angewandte Traumapädagogik, soziales Kompetenztraining und „Video Home Training”.
Ob es von dem tödlichen Angriff Aufnahmen gibt, ist unklar. Mitarbeiter der Stethu-GmbH waren bislang nicht zu erreichen. Auch der „Landesverband privater Träger der freien Kinder-, Jugend- und Sozialhilfe” (VPK), dem die Stethu-GmbH angehört, äußerte sich nicht.
Die VPK-Vorstandvorsitzende Ilka Lindner ist zugleich auch Leiterin der Stethu GmbH. Die ersten Schüsse sollen um 12.15 Uhr im Mutter-Kind-Heim in der Dankersstraße gefallen sein.
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