Kann eine KI Gedanken lesen? Noch nicht. Doch moderne Systeme können Verhalten erstaunlich präzise vorhersagen – und Entscheidungen gezielt beeinflussen.
KI-Systeme können menschliche Denkprozesse realistisch nachbilden. Das ist beunruhigend und wirft Fragen auf.
Foto: Yuichiro Chino/Getty Images
Kann eine KI Gedanken lesen? Noch nicht. Doch moderne Systeme können Verhalten erstaunlich präzise vorhersagen – und Entscheidungen gezielt beeinflussen.
Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant. Moderne Systeme können längst nicht mehr nur Texte schreiben oder Bilder erzeugen. Sie analysieren Verhaltensmuster, erkennen Vorlieben und treffen erstaunlich präzise Vorhersagen dazu, wie Menschen denken, fühlen oder handeln könnten. Das ist beunruhigend und wirft die Frage auf: Kann KI unsere Gedanken vorhersagen – oder sogar manipulieren? Sicherheitsexperten von
Kasperskyhaben sich mit dieser Frage befasst und warnen vor neuen Gefahren.
Die kurze Antwort lautet: Nein. Aktuelle KI-Systeme können Gedanken nicht direkt lesen. Sie haben keinen Zugriff auf das menschliche Bewusstsein und verstehen auch nicht, wie genau der Mensch denkt. Lernmodelle nutzen aber riesige Mengen an Daten und können daraus Schlüsse ziehen. Diese Informationen betreffen oder sind beispielsweise:
Durch die Verarbeitung dieser Informationen sind KIs in der Lage, mit hoher Wahrscheinlichkeit vorherzusagen, wie sich ein Mensch in einer Situation verhält. Das funktioniert allgemein, aber auch personalisiert. Studien haben gezeigt, dass Algorithmen aus digitalen Spuren Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale, politische Einstellungen oder Kaufentscheidungen ziehen können. In einzelnen Untersuchungen waren diese Vorhersagen teilweise genauer als die Einschätzungen von Freunden oder Familienmitgliedern.
Unter Cognitive AI versteht man KI-Systeme, die menschliche Denkprozesse möglichst realistisch nachbilden sollen. Während klassische KI vor allem Muster erkennt und Aufgaben automatisiert, versucht Cognitive AI zusätzlich:
Dazu werden Methoden aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Neurowissenschaften, Psychologie, Sprachverarbeitung und Verhaltensforschung kombiniert. Das Ziel ist neben dem Datenauswerten, menschliches Verhalten möglichst genau zu modellieren.
Vorhersagen durch Cognitive AI sind bereits erstaunlich gut. So kann eine KI anhand von Smartphone-Daten, Bewegungsmustern und Kommunikationsverhalten erkennen, ob jemand gestresst, müde oder emotional belastet ist. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto präziser werden die Prognosen. Ziel ist dabei nicht, Gedanken zu lesen, sondern möglichst genau vorauszusagen, wie sich Menschen in bestimmten Situationen verhalten.
Die Grenze zwischen Vorhersage und Manipulation ist oft fließend. Wenn eine KI erkennt, dass eine Person besonders empfänglich für bestimmte Inhalte ist, können diese gezielt ausgespielt werden. Das passiert zum Beispiel bereits mit personalisierter Werbung, angepassten Startseiten von Online-Shops oder Empfehlungslisten bei Streaming-Anbietern. Auch soziale Medien wählen meist mit solch einem Algorithmus aus, was als Nächstes gezeigt wird.
Das ist einerseits das Ausliefern von Inhalten, die dem eigenen Geschmack entsprechen. Andererseits kann dadurch eine sogenannte Filterblase entstehen. Nutzer bekommen überwiegend Inhalte angezeigt, die ihren bisherigen Interessen entsprechen, während andere Perspektiven zunehmend ausgeblendet werden.
Je besser eine KI vorhersagen kann, wie ein Mensch auf bestimmte Inhalte reagiert, desto gezielter kann sie seine Entscheidungen beeinflussen. Das geschieht häufig unbemerkt. Viele Nutzer haben das Gefühl, selbstständig zu entscheiden. Dabei werden ihnen die entscheidungsrelevanten Inhalte, Produkte oder Meinungen gezielt präsentiert. Folgendes sehen Experten besonders kritisch:
Experten warnen deshalb vor einer zunehmenden Machtkonzentration bei Unternehmen, Plattformen, politischen Akteuren und Kriminellen, die über große Datenmengen verfügen und moderne KI-Systeme einsetzen können.
Viele dieser Gefahren sind bereits Realität.
KI-generierte Fake-Influencerverbreiten politische Botschaften, während echt daherkommende Bilder, Videos und Texte gezielt
zur Desinformationeingesetzt werden. Auch Betrüger profitieren von der Technik: Mithilfe von KI werden Phishing-Angriffe, Betrugsanrufe und gefälschte Nachrichten immer glaubwürdiger – und damit schwerer als solche zu erkennen.
Niemand kann sich vollständig vor KI-gestützter Analyse und Beeinflussung schützen. Mit einigen einfachen Maßnahmen können Nutzer das Risiko jedoch deutlich reduzieren:
KI kann keine Gedanken lesen. Moderne Systeme werden jedoch immer besser darin, menschliches Verhalten vorherzusagen und Entscheidungen zu beeinflussen. Wer seine Daten schützt, Informationen kritisch hinterfragt und verschiedene Quellen nutzt, kann das Risiko deutlich verringern.
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