Die wachsende Zahl von Satelliten wird nicht nur für die Astronomie zum Problem. Ein Forschungsteam schlägt vor, sie mit einer speziellen Farbe abzudunkeln.
Eine Beschichtung von Satelliten mit dem „schwärzesten Schwarz“ Vantablack könnte als passive Methode die befürchteten massiven Folgen durch die stark steigende Zahl von Objekten im Orbit für die Astronomie deutlich abmildern. Das haben Simulationen an der University of Surrey ergeben, laut denen die Helligkeit von Satelliten durch die Farbe nahe an jenes Limit geführt werden könnte, das die Internationale Astronomische Union festgelegt hat, um astronomische Beobachtungen zu schützen. Das wäre ein praktikabler Weg, um die Astronomie zu schützen, ohne die Raumfahrt zu sehr einzuschränken. Die für die Studie verantwortliche Forschungsgruppe plant jetzt eine Demonstration mit einem eingefärbten kleinen Satelliten, dem CubeSat Jovian 1.
Die fast komplette Abdunkelung der Satelliten mittels einer speziellen Beschichtung könnte laut der Forschungsgruppe ein Problem lösen helfen, das seit Jahren an Dringlichkeit gewinnt. Seit 2019 ist die Zahl der aktiven Satelliten im Erdorbit auf über 14.000 angestiegen, mehr als zwei Drittel davon entfallen auf das Satelliteninternet Starlink von SpaceX. Hinzu kommen bereits jetzt fast 20.000 inaktive Satelliten und Weltraumschrott sowie Pläne für enorme Konstellationen aus bis zu 1,7 Millionen weiteren Satelliten. Das stellt für die optische Astronomie eine „existenzielle Bedrohung“ dar und könnte auch dafür sorgen, dass das herkömmliche Sternengucken an Reiz verliert. Erst vor wenigen Tagen hat die Europäische Weltraumorganisation ESA deshalb mit dramatischen Worten vor der Entwicklung gewarnt.
Vantablack heißt eine in Großbritannien entwickelte Substanz aus Kohlenstoffnanoröhren, die 99,965 Prozent des Lichts absorbiert und tiefschwarz erscheint. Simuliert hat das britische Forschungsteam jetzt, wie sich eine leichter handhabbare Variante namens Vantablack 310 auf Satelliten auswirken würde. Die reflektiert etwa zwei Prozent des Lichts. Der verbleibende Teil werde aber diffus gestreut, weshalb damit beschichtete Satelliten nicht mehr aufblitzen würden. Die Gruppe meint, damit eine skalierbare Methode im Kampf gegen die Lichtverschmutzung gefunden zu haben. Anwendbar ist die aber nur auf Satelliten, die dunkel sein können. Viel kritisierte Satelliten, die Sonnenlicht reflektieren sollen, werden damit nicht abgedunkelt. Die Studie ist in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erschienen.
(mho)