Im Frühjahr 2025 eskalierte der Streit um ARD- und ZDF-Inhalte bei Joyn. Nun haben sich ProSiebenSat.1 und das ZDF laut DWDL auf Embedding geeinigt.
ProSiebenSat.1 und das ZDF haben sich nach monatelangem Streit auf eine Einbindung von ZDF-Inhalten in die Streaming-Plattform Joyn geeinigt, berichtet das Medienmagazin DWDL. Die On-Demand-Inhalte des öffentlich-rechtlichen Senders sollen demnach künftig auch über Joyn abrufbar sein. Ein Datum für den Start gibt es noch nicht, die konkrete Umsetzung soll im Herbst beginnen.
Dabei handelt es sich laut DWDL um ein echtes Embedding und nicht um eine bloße Verlinkung auf die ZDF-Mediathek: Nutzer bleiben beim Abspielen der ZDF-Inhalte in der Joyn-Umgebung. Der erzeugte Traffic wird über eine AGF-Messung trotzdem dem ZDF zugerechnet. Die Rechte an den Produktionen verbleiben beim Sender, die ZDF-Inhalte sollen zudem auch auf Joyn werbefrei bleiben. Joyn setzt als Aggregator darauf, dass Zuschauer von ZDF-Inhalten anschließend auch bei den vermarktbaren ProSiebenSat.1-Sendungen hängen bleiben.
Aus dem Umfeld der Unternehmen heißt es laut DWDL, man habe sich auf eine „Kooperation auf Augenhöhe“ verständigt. Offiziell äußern wollten sich auf Anfrage des Medienmagazins weder das ZDF noch ProSiebenSat.1.
Die Einigung folgt auf heftigen Streit: Im Frühjahr 2025 hatte ProSiebenSat.1 zahlreiche Mediatheken-Inhalte von ARD und ZDF ungefragt bei Joyn eingebunden. ARD und ZDF leiteten daraufhin rechtliche Schritte ein, der ARD-Vorsitzende Florian Hager sprach von „Raubrittertum“. Keine vier Wochen nach dem Start entfernte ProSiebenSat.1 die Inhalte wieder aus Joyn – das Unternehmen hatte das Vorgehen als „Beta-Test“ bezeichnet.
Seither hat sich die Rechtslage geändert: Im Dezember 2025 ist der Reformstaatsvertrag in Kraft getreten. Er sieht vor, dass private und öffentlich-rechtliche Anbieter kooperieren sollen – auch das Embedding wird darin ausdrücklich erwähnt. ProSiebenSat.1 hatte in der Politik lange für eine solche Regelung geworben.
Mit der ARD gibt es laut DWDL bislang keine Einigung. Die öffentliche Auseinandersetzung mit der ARD war im Frühjahr 2025 deutlich schärfer verlaufen als mit dem ZDF. Im Februar erklärte die ARD gegenüber DWDL immerhin, man sei nach der kontroversen Episode wieder zu einem partnerschaftlichen Umgang mit ProSiebenSat.1 zurückgekehrt.
(dahe)
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