20 Millionen Euro Solar-Subvention waren binnen Sekunden vergeben. „Unter diesen Bedingungen wäre keine Förderung besser”, sagt die Branche.
Von 16. bis 30. Juni konnten in Österreich Investitionszuschüsse für Photovoltaikanlagen und Stromspeicher beantragt werden – theoretisch. Praktisch war das Förderbudget von 20 Millionen Euro nach 33 Sekunden vergeben. In diesem Zeitraum wurden rund 3.000 Anträge gestellt. Die nachfolgenden 25.000 Antragsteller, die insgesamt 100 Millionen Euro haben wollten, sind leer ausgegangen. Branchenvertreter und Doch-Nicht-Kunden reagieren wütend. Jetzt erkennt auch die zuständige Staatssekretärin Elisabeth Zehetner (ÖVP) Bedarf an einer neuen „Förderlogik”.
„Wir brauchen weiterhin mehr erneuerbaren Strom. Aber die entscheidende Frage lautet künftig nicht nur: Wie viel Strom erzeugen wir? Sondern auch: Wann wird er erzeugt, wo wird er gebraucht, wie wird er gespeichert und wie entlastet er das Netz? Genau diese Fragen müssen sich auch in der Förderpolitik widerspiegeln“, meint Zehetner nun. Sie möchte die Höhe der Förderung deutlich reduzieren. Statt bislang 30 Prozent sollen es maximal 20 Prozent, eventuell auch weniger werden.
Elisabeth Zehetner (ÖVP), Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus im Juni 2025
(Bild: BMWET/Holey)
Gleichzeitig sollen Stromspeicher stärker in den Fokus richten. Kleinanlagen sollen nur noch gefördert werden, wenn sie zur Eigenversorgung beitragen und das Stromnetz entlasten. Für Wechselrichter ist vorgesehen, dass sie aus dem Europäischen Wirtschaftsraum kommen müssen.
Schon im Vorfeld hat Zehetner auf das häufigere Auftreten negativer Strompreise verwiesen. 2025 gab es das in Österreich insgesamt 450 Stunden lang. Vor allem mittags sei sehr viel günstiger Strom aus Photovoltaik im Netz.
„Wenn Förderungen innerhalb von 33 Sekunden vergeben sind, läuft etwas grundlegend falsch”, kritisiert Christian Bräuer, Innungsmeister der Elektrotechniker. „Unsere Betriebe investieren viel Zeit in die Vorbereitung, beraten Kundinnen und Kunden umfassend und begleiten Projekte professionell. Wenn der Topf aber leer ist, bevor viele überhaupt ins System gelangen, sorgt das nur für Frust – bei Betrieben ebenso wie bei den Menschen, die in die Energiewende investieren wollen.”
„So, wie dieses Fördersystem derzeit ausgestaltet ist, hilft es niemandem. Im Gegenteil: Es schafft Verärgerung, Unsicherheit und verhindert planbare Umsetzung wichtiger Projekte. Wenn Förderungen künftig nur mehr nach diesem Prinzip vergeben werden, dann wäre es ehrlicher, ganz darauf zu verzichten”, betont Bräuer. Jede Ankündigung einer neuen Subventionsrunde führe dazu, dass die potenziellen Kunden mit ihrer Kaufentscheidung zuwarteten, berichtet das Bundesgremium des Elektro- und Einrichtungsfachhandels. Gehen die Interessenten dann leer aus, würden bereits vorbereitete Projekte nicht umgesetzt.
„Eine Förderung, bei der 33 Sekunden über Zu- oder Absagen entscheiden, verfehlt ihren Zweck”, meint auch Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic Austria. „Unter diesen Rahmenbedingungen wäre keine Förderung besser als eine Förderung, die Verunsicherung schafft und in weiterer Folge Projekte verhindert.“
Tatsächlich will die Branche aber natürlich weiterhin Subvention, und das in höherem Ausmaß. „Statt kurzfristiger Fördercalls braucht es langfristige steuerliche Erleichterungen, Investitionsfreibeträge und attraktive Abschreibungsmöglichkeiten”, konstatiert der Elektrofachhandel.
Die Elektrotechniker möchten, dass der Fokus in Zukunft auf die Kombination von Photovoltaikanlagen mit Energiespeichern gelegt wird – genau das, was auch die Energie-Staatssekretärin ankündigt. Zusätzlich wünschen sich die Elektrotechniker neue Subventionen für Gebäudeautomatisierung, vernetzte Wohnungen, sowie elektrische Heizsysteme in Verbindung mit erneuerbarer Energie. Auch energieeffiziente Beleuchtungssysteme sollten stärker berücksichtigt werden. Allerdings sollten nur noch qualitätsgeprüfte Produkte gefördert werden.
Im Kern scheinen sich Branche, Regierung und Opposition einig zu sein: Neue Anlagen müssen das Stromnetz durch Stromspeicher unterstützen, anstatt es zu belasten, um förderbar zu sein.
Und neu ist die Erkenntnis auch nicht: Ziel sollte „Erhöhung der Systemintegration und des marktdienlichen und netzdienlichen Verhaltens von Photovoltaik- und Batteriespeicheranlagen” sein, heißt es bereits im Ende 2024 fertiggestellten Evaluierungsbericht über das Subventionsgesetz EAG (Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz). Solarstrom werde in Österreich sowie den Nachbarstaaten meist gleichzeitig in hohem Ausmaß erzeugt, was zu „unerwünschten Effekten”, darunter negativen Strompreisen, führe. Die Einspeisevergütung solle sich daher stärker an den Spotpreisen für elektrischen Strom orientieren, Aufschläge bei negativen Marktpreisen reduziert werden.
„Begleitend wird empfohlen, Batteriespeicher auch bei Bestandsanlagen verstärkt zu fördern sowie die Einspeisung von PV-Strom aus Batteriespeichern als Ökostrom grundsätzlich zu ermöglichen.” Zudem regt die Evaluierung an, auf Wettbewerb unter den Förderwerbern zu setzen, anstatt sie einfach der Reihe nach, unabhängig von der Effizienz des jeweiligen Projekts, abzuarbeiten.
Offen bleibt, warum die Förderrunde im Juni 2026 noch nach dem alten Schema durchgeführt wurde. Freude haben damit nur jene Wenigen, deren Lieferant seinen Teilnahmeschein extrem schnell gezogen hat. Zehetner hatte den Fördercall lediglich 67 Stunden im Voraus öffentlich angekündigt.
(ds)
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