Die Einstellung von Jugendlichen zur Nutzung sozialer Medien ist ambivalent. Das und wie es um ihr Wohlbefinden auf Onlineplattformen steht, zeigt eine kürzlich erschienene Studie.
Eine von der EU eingesetzte Expertenkommission hat kürzlich vorgeschlagen, die Nutzung von sozialen Medien erst ab 13 Jahren freizugeben. Wie Jugendliche aktuell soziale Medien nutzen und wie es dabei um ihr Wohlbefinden steht, hat die jetzt veröffentlichte Sonderauswertung der neuen JIMplus-Studie 2026 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest erforscht.
Ein Ergebnis der Umfrage: Auf die Onlineplattformen YouTube, TikTok, Instagram und Snapchat könnten Jugendliche in Deutschland am wenigsten verzichten.
Dabei zählt nur knapp jeder und jede Fünfte der Befragten die Nutzung solcher Plattformen zu den drei Aktivitäten, bei denen er oder sie sich besonders wohlfühlt. Treffen mit Freundinnen und Freunden, der Familie und Sport schneiden deutlich besser ab.
Trotzdem verbringen die meisten Heranwachsenden den größten Teil ihrer Freizeit in sozialen Medien - 76 Prozent von ihnen sind regelmäßig dort unterwegs. Für 82 Prozent der befragten Jugendlichen sind die Onlineplattformen ein wichtiger Zugang zu Wissen, und etwa die Hälfte der Befragten fühlt sich dort verstanden.
Social-Media-Beitrag auf Instagram
Dabei geben die Jugendlichen auch an, dass ihre Nutzung von sozialen Medien sich ständig zwischen positiven Eindrücken und belastenden Erfahrungen bewegt. 72 Prozent finden, dass sie durch soziale Medien von den Dingen abgelenkt werden, die sie eigentlich tun sollten.
Mehr als die Hälfte der Befragten hat das Gefühl, Zeit für Erholung und andere Freizeitaktivitäten zu verlieren. Außerdem gehen 40 Prozent davon aus, dass ihre Konzentrationsfähigkeit unter ihrer Nutzung von sozialen Medien leidet.
Gerade Mädchen, die soziale Medien häufiger nutzen als Jungen, geben an, sich auch mehr einem Vergleichsdruck ausgesetzt zu fühlen. Auch frühere Datenerhebungen wie die 2021 geleakten "Facebook Files" kommen zu dem Ergebnis, dass Inhalte auf sozialen Medien gerade bei Mädchen zu Vergleichen führen und eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärken können.
Andere problematische Inhalte, denen Jugendlichen online am häufigsten begegnen, sind Fake News - das geben fast zwei Drittel an. Fast die Hälfte der Befragten nennt extreme politische oder religiöse Inhalte. Am stärksten belastet fühlen sich Jugendliche durch ungewollte Nacktbilder, Mobbing, Verharmlosung von Essstörungen und drastische Gewaltinhalte.
Dabei werden die in der Studie abgefragten problematischen Inhalte am häufigsten mit TikTok in Verbindung gebracht. Zugleich steht diese Plattform bei Jungen auf Platz zwei der Dienste, die sie am meisten vermissen würden - bei Mädchen sogar auf Platz eins.
Nur ein Viertel der Jugendlichen meldet problematische Inhalte, der überwiegende Teil scrollt weiter. Ein Drittel gibt an, sich an die vielen belastenden Inhalte gewöhnt zu haben. Gleichzeitig wiesen Jugendliche, die Kontakt mit solchen Inhalten hatten, tendenziell niedrigere Werte im Wohlbefinden auf.
Die Ergebnisse der Studie zeigen insgesamt, dass Jugendliche sich über die Schattenseiten der Nutzung sozialer Medien bewusst sind. So bildet die Befragung etwa beim Thema Altersgrenzen reflektierte Haltungen unter den Befragten ab.
Einem generellen Verbot stehen Jugendliche aus Zweifeln an der Wirksamkeit skeptisch gegenüber, aber ein Verbot bis zu einer bestimmten Altersgrenze befürworten 43 Prozent der Befragten. In anderen Ländern wurde eine solche Altersgrenze bereits beschlossen. In Frankreich etwa soll die Nutzung sozialer Medien für unter 15-Jährige ab dem 1. September 2026 verboten sein.
Wie Jugendliche in der digitalen Welt gesund bleiben
Die Mehrheit der Jugendlichen in Deutschland hätte sich rückblickend beim eigenen Eintrittsalter in soziale Medien ein höheres Alter gewünscht. Ihre Perspektive sehen die Jugendlichen in den aktuellen Debatten um Verbote kaum ausreichend berücksichtigt, nur zehn Prozent fühlen sich gesehen.
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