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"Menschlich glatte 10 von 10": KSC-Erfolgstrainer Edmund "Ede" Becker wird 70

Дата публикации: 17-07-2026 13:07:17

Edmund Becker ist ein KSC-Urgestein. Er prägte den Verein als Spieler, Aufstiegstrainer und NLZ-Leiter. Am Samstag wird Becker 70 Jahre alt.

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Gut sieht er aus. Braungebrannt, schlank, ein Lächeln im Gesicht. Edmund Becker ist aus dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des Karlsruher SC herüber geschlendert zum Stadion, wo wir unser Interview führen. Klar, mit 70 muckt der Körper gelegentlich auf. Becker, den fast alle "Ede" nennen, hat zwei neue Hüftgelenke und immer wieder mal geschwollene Knie, aber "ich fühle mich noch fit", sagt er. Ein vorzeitiger Ruhestand kam für ihn nie in Frage. Seit 2010 leitet Becker die Nachwuchs-Akademie des Karlsruher SC. Bis heute. Der Erfolgstrainer der Badener, der 2007 für den bisher letzten Bundesliga-Aufstieg eines KSC-Teams sorgte, gibt seine Expertise und Lebenserfahrung mit großer Freude an das Trainerteam und die jungen Fußballtalente weiter.

Über Expertise verfügt Becker, ein echtes KSC-Urgestein, reichlich. Mit 21 bestritt er sein erstes Pflichtspiel im blau-weißen Trikot, beim 2:1-Sieg des KSC beim FK Pirmasens in der 2. Bundesliga Süd. Zwischen 1977 und 1986 machte Becker 94 Erstliga- und 63 Zweitligaspiele für den KSC, erzielte 19 Tore. In den legendären 1990ern war Becker an der Seite von Cheftrainer Winfried Schäfer mitverantwortlich für die großen Erfolge des Karlsruher SC. Im Januar 2005 übernahm er dann selbst als Chefcoach die Verantwortung und führte den Verein für zwei Jahre in die Bundesliga.

Fit mit 70: Edmund Becker in der Karlsruher Arena

Fit mit 70: Edmund Becker in der Karlsruher Arena SWR/Seemüller

Becker legt großen Wert auf den direkten, zwischenmenschlichen Austausch. Er ist ein Mann aus der analogen Welt. Deshalb hat er auch gebeten, das Interview nicht per Videocall zu führen, sondern vor Ort. Auf Augenhöhe mit dem Gesprächspartner. Das passt zu seinen Werten.

Edmund Becker, Sie gelten als bescheiden, fleißig, ehrlich und loyal. Woher kommen diese Werte?

Von meinen Eltern, die leider nicht mehr leben. Sie haben mir beigebracht, nie zu überdrehen, sondern – um kurz mal die Fußballersprache zu benutzen - den Ball flach zu halten. Es war und ist nicht meine Art, laut zu trommeln und mich in den Vordergrund zu schieben. Ich bin zufrieden, wie ich es gemacht habe.

Das Fußball-Business hat sich stark verändert. Mehr Unterhaltung, Kommerz, mehr Marketing und Social Media. Wie gut konnten Sie in Ihrer Zeit als verantwortlicher Trainer Ihren Werten treu bleiben? Ich bin immer authentisch geblieben und habe meine Werte meinen Mannschaften vorgelebt. Das Wichtigste war der Umgang miteinander, eine vernünftige Kommunikation. Und es gab klare Regeln. Wenn wir als Team zusammen aßen, mussten bestimmte Zeiten eingehalten werden. Es ging nicht, dass einer nach fünf Minuten aufstand und den Raum verließ. Mittags hatten die Spieler 30 Minuten, abends 45 Minuten am Tisch zu bleiben. Sie sollten miteinander reden. Es sollte auch auf der zwischenmenschlichen Ebene ein Team zusammenwachsen, um Erfolg zu haben. Für mich ist bis heute eines wichtig: Das Team steht immer über dem Einzelnen.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Die Spieler wussten, was mir wichtig ist. Es gab Regeln. Aber gleichzeitig habe ich versucht, ihnen eine gewisse Freiheit zu lassen. Wenn wir ein Spiel gewonnen hatten, bin ich nicht durch Karlsruhe gefahren und habe kontrolliert, ob die Jungs Alkohol trinken.

Ede Becker war für mich einer der besten Trainer, die ich hatte. Im Sportlichen legte er Wert auf Zusammenhalt, Vertrauen und klare Strukturen. Menschlich war er für mich eine glatte Zehn von Zehn – jemand, der immer ein offenes Ohr hatte, Vertrauen geschenkt und dieses zugleich eingefordert hat. Er war ein Trainer mit viel Emphatie, der genau wusste, wie er mit Menschen umgehen muss, um das Beste aus ihnen herauszuholen. Genau das hat er bei uns geschafft. Wenn ich heute darüber nachdenke, bekomme ich immer noch Gänsehaut, weil wir einfach eine großartige Zeit hatten.

Als Kind waren Sie Bayern-Fan. Als KSC-Profi haben Sie dann mehrmals gegen diese Bayern gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an den 24. November 1984?

Ich weiß noch, das war ein Spiel von uns im Münchner Olympiastadion. Damals waren nur gut 15.000 Zuschauer im Stadion – also kein Vergleich zu heute. Aber wir waren auch "nur" der KSC. Wir haben standesgemäß 2:6 verloren, aber ich schoss als Mittelfeldspieler unsere zwei Tore gegen Jean-Marie Pfaff im Bayern-Tor. Das war schon etwas Besonderes – trotz der Niederlage.

Edmund Becker als Profi des Karlsruher SC (1982)

Edmund Becker als Profi des Karlsruher SC (1982) IMAGO Ferdi Hartung

Ein anderes Highlight war unser 4:1-Erfolg im Wildpark gegen die Bayern im Februar 1982. Die Bayern mit Stars wie Breitner, Hoeneß und Rummenigge. Unser damaliger Coach, Max Merkel, war als Trainer-Legende zum KSC gekommen. In den Jahren zuvor hatte ich mich als Spieler nicht immer durchsetzen können, aber Merkel sagte zu mir: "Von deiner Sorte könnte ich noch zehn gebrauchen." Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben, ab diesem Zeitpunkt habe ich permanent gespielt.

Nach der Spielerkarriere begann Ihre Zeit als Trainer. Zunächst als Co-Trainer von Winfried Schäfer und als Coach des KSC II. Im Januar 2005 gab es dann die Posse um den Sieben-Tage-Trainer Reinhold Fanz. Und plötzlich hieß es: Ede, bitte übernehmen.

Ja, plötzlich kam der Verein und bat mich, gemeinsam mit Peter Gadinger das Trainingslager in der Türkei zu leiten. Solange, bis man wusste, wie es weitergeht. Im Trainingslager sagten die Spieler zu mir: "Bitte keinen neuen Trainer mehr. Mach du es doch mit Peter." Ich sagte: "Nee, das mache ich nicht, mir ist der Stress zu groß." Permanent in der Öffentlichkeit zu stehen, ist nicht mein Ding. Aber dann sind sie nochmal gekommen, ich habe mit meiner Frau telefoniert, Gespräche geführt und eine Nacht drüber geschlafen. Und dann haben wir gesagt: Komm, lass uns das machen. Wir schauen mal, wie es läuft. Daraus wurden dann viereinhalb Jahre.

Zunächst schafften Sie den Klassenverbleib in der 2. Bundesliga, 2007 folgte dann der Aufstieg in die Bundesliga. Das Team um Torwart Markus Miller, Mario Eggimann, Maik Franz, Christian Eichner oder Massimilian Porcello dominierte die Liga – vorne trafen Giovanni Federico und Edmond Kapllani nach Belieben. War das Ihr größtes Erfolgserlebnis?

Das war tatsächlich ein Höhepunkt. Als wir nach dem letzten Spiel mit den Cabrios durch Karlsruhe fuhren und auf dem Rathausbalkon standen, das war toll – gemeinsam mit den vielen begeisterten KSC-Fans in der Innenstadt.

Was machte das Team so besonders? Es war von den "Söhnen Beckers" die Rede…

Grundsätzlich ist die Auswahl des Personals ungeheuer wichtig – egal, ob heute im NLZ oder seinerzeit bei den Profis. Eine gute Personalpolitik ist das A und O des Erfolgs. Wir hatten mit Maik Franz, Giovanni Federico oder Tamás Hajnal super Jungs geholt. Aber wir hatten auch gute Spieler hier im Verein: Lars Stindl, Sebastian Freis, Christian Eichner, Florian Dick, Timo Staffeldt oder Carsten Rothenbach. Die Mischung im Team stimmte, wir hatten Leader, junge Spieler und eben auch Arbeiter, die ein Team komplettieren.

Ede ist eine echte Institution beim KSC. Er hat mir damals als jungem Torhüter, der auch Fehler gemacht hat, immer das Vertrauen geschenkt. Dadurch konnte ich mich in Ruhe entwickeln. Das war wichtig für mich und hat mir gutgetan. Das werde ich nicht vergessen.

Und Ede Becker war wie ein Vater?

Nein. Ich habe immer Distanz gehabt zu der Mannschaft. Wenn du zu nah dran bist an den Spielern, kannst du auch keine harten Entscheidungen treffen. Du hast 20 Spieler, nur elf können spielen, und zwei oder drei Spielern musst du sagen, du bist nicht dabei. Bei zu viel Nähe wird es schnell eine emotionale Geschichte. Und weil ich letztlich nicht der ganz harte Hund bin, musste ich diese Distanz wahren. Ich wollte keine Schwierigkeiten bekommen, was die Gefühle betrifft.

Edmund Becker und Christian Eichner (re.), Ex-Spieler und langjähriger KSC-Trainer

Edmund Becker und Christian Eichner (re.), Ex-Spieler und langjähriger KSC-Trainer IMAGO pmk

Sie hatten nie einen Lieblingsspieler?

Den hatte ich tatsächlich nicht. Ich habe immer versucht, sachlich zu bleiben. Natürlich hatte ich zu dem einen oder anderen einen engeren Draht. Aber auch da habe ich versucht, mich freizumachen, was die sportlichen Entscheidungen betraf. Das Verhältnis zur Mannschaft war von gegenseitigem Respekt geprägt. Ich habe nie einen Spieler in der Öffentlichkeit kritisiert.

Die erste Saison nach dem Aufstieg lief hervorragend. Der KSC war in der Vorrunde zeitweise Tabellenzweiter und belegte zum Saisonende einen guten 11. Platz. Sie selbst wurden in einer Umfrage zum "Gewinner unter den BL-Trainern" gewählt.

Nach meiner Wahl bin ich gleich zu Rolf Dohmen, unserem damaligen Manager, gerannt und habe gesagt, mein Vertrag müsse finanziell angepasst werden (lacht). Nein, Spaß beiseite. Natürlich habe ich mich über das Ergebnis dieser Umfrage gefreut, aber ich weiß auch, wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist. Aber die Saison war insgesamt super.

Trotzdem waren Sie über die 0:7-Niederlage am letzten Spieltag beim Hamburger SV enttäuscht…

Ja, das hat mich maßlos geärgert. Die Frauen waren dabei, wir wollten einen tollen Saisonabschluss feiern. Aber dann so unterzugehen, das tat weh. Irgendwie war es auch schon ein Signal für die kommende Saison, in der wir dann abgestiegen sind. Das ging mir damals schon durch den Kopf. Deshalb war die Feier am Abend, zumindest bis 22 oder 23 Uhr, für mich eigentlich gelaufen. Später konnte ich zwar doch noch genießen, aber am Anfang war das schon Käse.

Ede hatte immer ein gutes Gespür, was eine Mannschaft benötigt. Er hat uns immer einen Rahmen vorgegeben, aber innerhalb dieses Rahmens konnten wir uns auf dem Platz entfalten. Ede hat sich selbst nie zu wichtig genommen, und auch die Bedeutung des Fußballs hat er immer wieder eingeordnet. In meinen sechseinhalb Jahren als KSC-Cheftrainer war er ein wichtiger Ansprechpartner und Ratgeber für mich. Ede kann sehr stolz auf sich und seine Erfolge beim KSC sein.

Eine weitere große Enttäuschung gab es im Sommer 2009 nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga. Sie wurden nach nur zwei Spielen in der neuen Saison entlassen. Und das nach diesen Erfolgen zuvor…

Ja, das war sehr enttäuschend. Wir hatten zuhause 1:1 gegen Aachen gespielt und dann 0:2 in Paderborn verloren. Unser Manager Rolf Dohmen teilte mir danach mit, dass man neue Impulse setzen wolle. Ich habe zu diesem frühen Zeitpunkt nicht damit gerechnet. Einer meiner großen Fehler war, dass ich nach dem Abstieg nicht noch mehr Einfluss auf die Kaderplanung genommen hatte. Es war nach viereinhalb Jahren Verantwortung als Cheftrainer eine menschliche Enttäuschung.

Das Verhältnis zu Rolf Dohmen hat dadurch also gelitten?

Ja, sicherlich. Ich hatte mit ihm zusammengespielt, wir hatten ein gutes Verhältnis. Die Zusammenarbeit passte – bis eben zu dieser Geschichte. Dabei hatten wir besprochen, wenn wir einen Schnitt machen müssen, bringen wir das vernünftig über die Bühne. Das haben wir nicht geschafft. Es war einfach schlecht.

Unschöne Trennung: Edmund Becker (re.) mit Ex-Manager Rolf Dohmen

Unschöne Trennung: Edmund Becker (re.) mit Ex-Manager Rolf Dohmen IMAGO Team 2

Wirkt das bis heute nach?

Nein. Ich habe nach einem Dreivierteljahr das Gespräch gesucht. Bis dahin war Funkstille. Aber dann haben wir uns ausgesprochen. Ich habe ihm noch einmal deutlich gesagt, dass ich nicht gut fand, wie es gelaufen ist. Damit war die Sache für mich erledigt.  

Diese unbefriedigende Trennung wäre vielleicht die Möglichkeit gewesen, den Großraum Karlsruhe zu verlassen. Sie sind sehr heimatverbunden. Sie sind in Reichenbach groß geworden und blieben immer in der Region. Wollten Sie nie weg und etwas anderes erleben?

Die große, weite Welt habe ich bei meinen Urlaubsreisen gesehen. Beim Fußball hat es sich nie wirklich ergeben. Nach dem Ausscheiden als Cheftrainer gab es zwar Gespräche mit Bochum, aber richtig konkret wurde es nie. Nach viereinhalb Jahren als Profitrainer war mein Akku auch fast leer. Direkt danach wieder einzusteigen war für mich kein Thema. Ich habe mir auch die Frage gestellt: Gehst du ganz raus aus dem Fußball oder bleibst du? Ich habe mich entschieden, im Fußball zu bleiben. Es war die richtige Entscheidung. 2010 wurde ich Leiter unseres Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Das sind mittlerweile 16 Jahre. Es macht mir unheimlich Spaß, mit jungen Leuten zu arbeiten.  

Welchen Rat würden Sie einem jungen Fußballtalent geben, das in den Profifußball will? Achte auf ein gutes Umfeld. Es ist wichtig, dass die Eltern oder Berater nicht gleich ins oberste Regal greifen und sagen: Du musst unbedingt Bundesligaprofi werden. Es geht vielmehr darum, die jeweilige Situation einzuordnen: Wo stehe ich? Wie kann ich mich verbessern? Grundsätzlich haben Jungs, die eine hohe Eigenmotivation mitbringen, größere Chancen als ein Talent, das denkt, es gehe automatisch in die Bundesliga. Da haben wir schon viele Jungs scheitern sehen.

Wo sehen Sie den größten Unterschied zu Ihrer Anfangszeit als Trainer?

Der größte Unterschied ist die Loyalität zum Verein. Jungs wie seinerzeit Lars Stindl wurde ein Fördervertrag hingelegt, und sie fragten: Wo ist der Stift? Ich möchte gerne unterschreiben. Wenn wir heute dem Jugendspieler einen Fördervertrag hinlegen und sagen, dass wir ihn zum Profi ausbilden wollen, muss er erst einmal mit seinen Eltern und seinem Berater sprechen - und für drei Jahre unterschreibt er sowieso nicht. Maximal zwei Jahre. Es wird alles ausgelotet: Wo könnte es besser sein? Wo kann ich mehr Geld verdienen? Wo ist die Möglichkeit, Profi zu werden, vielleicht noch größer als beim KSC?

Es ist anstrengend, diese Gespräche zu führen. Es nervt, bitten und betteln zu müssen.

Da sitzt man drei-, viermal mit ihnen am Tisch, um sie zu überzeugen, dass der KSC ein guter Verein ist. Dabei gibt es zig Beispiele von Spielern, die hier ausgebildet wurden und heute in allen Ligen unterwegs sind.

Trotzdem macht Ihnen die Arbeit an der Akademie immer noch viel Spaß. Bis 75 wollen Sie das allerdings nicht mehr machen, sagen Sie. Welchen Wunsch haben Sie zu Ihrem 70. Geburtstag?

Das Wichtigste ist Gesundheit für meine Familie und für mich. In meinem Alter ist Gesundheit das zentrale Thema. Der Fußball kommt erst weit dahinter. Ich möchte noch die eine oder andere Reise machen, ansonsten aber einfach in den Tag leben und ihn möglichst fit erleben. Beim Frühstück auf der Terrasse sitzen, den Vögeln lauschen oder das vorbeilaufende Reh beobachten. Letztlich sind es die einfachen Dinge, auf die es im Leben ankommt.

Danke für das Gespräch und herzlichen Glückwunsch.

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