Aarau und Buchs wollen die Blitzscheidung und ab kommendem Schuljahr ihre Schulen wieder selber führen. Der Regierungsrat ist nun einverstanden damit.

Katja Schlegel
Der Regierungsrat stimmt einer «Entflechtung» der Kreisschule Aarau-Buchs zu. Das teilt er am Donnerstag mit.
Die beiden Verbandsgemeinden hatten vor rund zwei Wochen selber die Auflösung per Ende dieses Schuljahres beantragt: Das sei der «minimale gemeinsame Nenner» , es bestünden «unüberwindbare Differenzen betreffend die zukünftigen Entwicklungen der Schule».
Der Regierungsrat hat diese Gesuche im Rahmen der aufsichtsrechtlichen Möglichkeiten «insofern bewilligt, als die Kreisschule Aarau-Buchs entflechtet werden kann, bis eine formelle Auflösung auf Ende des kommenden Schuljahrs möglich wird». Das heisst es in einer Mitteilung der Regierung.
Bildungsvorsteherin Martina Bircher hält fest: «Für mich ist absolut zentral, dass die Probleme zwischen den Gemeinden nicht bis ins Schulzimmer gelangen und der Unterricht nicht betroffen ist.» Und weiter: «Die Gemeinden müssen hier ihre Verantwortung übernehmen.»
Oberstes Ziel sei es, den Schulbetrieb zu stabilisieren. «Es soll verhindert werden, dass Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen durch die aktuell stark beeinträchtigte Funktionsfähigkeit der Kreisschule noch länger betroffen sind», hält der Regierungsrat in der Mitteilung fest.
Für Schülerinnen und Lehrer läuft das kommende Schuljahr 2026/27 wie geplant ab. Schulorte und Klasseneinteilungen bleiben gemäss der kommunizierten Planung bestehen. «Damit der Übergang für die Lehrpersonen in rechtlicher Hinsicht reibungslos funktioniert, bleiben die Mitarbeitenden für das kommende Schuljahr noch bei der Kreisschule Aarau-Buchs angestellt», so der Regierungsrat weiter.
Die Auflösung der gesamten Kreisschule Aarau-Buchs könne aufgrund diverser rechtlicher, finanzieller und administrativer Herausforderungen nicht per sofort erfolgen. «Die Kreisschule als Rumpforganisation bleibt für den bevorstehenden Auflösungsprozess vorläufig erhalten, namentlich zur Sicherstellung der Anstellungen des schulischen Personals in der einjährigen Übergangszeit», schreibt der Regierungsrat.
Kreisschulvorstand und -rat sowie die eingesetzte Taskforce werden jedoch per Ende Juli 2026 aufgelöst. Für den Auflösungsprozess verantwortlich sei eine neue Kommission, die aus je einer Vertretung von Aarau und Buchs sowie einer Vertretung des Kantons besteht.
In einer ergänzenden Medienmitteilung der Stadt Aarau und der Gemeinde Buchs heisst es, dass die Satzungen der Kreisschule per 1. August teilweise «sistiert» würden. «Die ordentliche Auflösung des Gemeindeverbands Kreisschule Aarau-Buchs soll per 31. Juli 2027 erfolgen und erfordert je eine Entscheidung der Einwohnerräte Aarau und Buchs.»
Das ist neu, bislang war man davon ausgegangen, dass der Regierungsrat die Auflösung selber beschliessen kann, ohne dass die Legislativen der beiden Verbandsgemeinden mitreden dürfen.
Die Vermutung liegt nahe, dass man so verhindern will, eine juristische Angriffsfläche zu schaffen.
Der Aarauer Stadtrat und der Gemeinderat Buchs nähmen den Beschluss des Regierungsrats zur Kenntnis. «Die beiden Exekutiven sind sich der damit einhergehenden Verantwortung für die Zukunft der jeweiligen Schulen bewusst und werden diese mit grösster Sorgfalt wahrnehmen.»
• Jede Gemeinde übernimmt die Führung und das Personal der Schulstandorte auf dem eigenen Gemeindegebiet.
• Schülerinnen und Schüler können die Schule am vorgesehenen Standort weiter besuchen – unabhängig davon, ob sich dieser am eigenen Wohnort befindet. Während es auf Primarstufe heute nur ganz vereinzelt Buchser in Aarau zur Schule gehen und umgekehrt, ist die Durchmischung auf Oberstufe etwas grösser. Und für das kommende Schuljahr soll das auch so bleiben. «Es ist vorgesehen, dass Buchser, die im August in Aarau die Oberstufe beginnen, ihre drei Jahre dort absolvieren können», sagt der Buchser Vizegemeindepräsident Anton Kleiber. Ob und zu welchen Bedingungen ab Schuljahr 27/28 Buchser Kinder nach Aarau und Aarauer – vor allem wohl Rohrer – nach Buchs in die Oberstufe gehen könne, sei noch nicht entschieden.
• Offen ist laut Kleiber, was das Aus der Kreisschule für die Schulraumplanung auf der Oberstufe bedeutet. Ob Buchs die Suhrenmatte wirklich ausbauen muss wie eigentlich geplant? Falls nicht, würde das einige Millionen Franken sparen.
In Aarau sagt derweil Stadträtin Nina Suma: «Die Schulraumplanung der Oberstufe ist nur marginal von den organisatorischen Entwicklungen betroffen. Die Zwei-Standortstrategie Telli und Zelgli ist weiterhin gültig und wichtig. Diese zwei Standorte sind für die Schule Aarau umso vorteilhafter, weil sie kurze Wege für viele Schülerinnen und Schüler ermöglichen, insbesondere aus dem Stadtteil Aarau Rohr.» Der Stadtrat gehe davon aus, dass das Geschäft zum Baurechtsvertrag Telli zwischen der Ortsbürgergemeinde und der Einwohnergemeinde im November an der Ortbürgergemeindeversammlung traktandiert wird.
Zur Frage, ob es jetzt noch mehr teure Schulraumprovisorien braucht, sagt Suma: «Für die Erstellung von Provisorien sind weniger die Trennung als vielmehr die Ablösung des Oberstufenstandortes Stock in Küttigen und die wachsenden Schülerzahlen relevant.»
• Die Stadt Aarau führt die Musikschule, die Tagesschule und die Schulsozialarbeit bis auf Weiteres für beide Gemeinden. Sie übernimmt zudem das Personal der Geschäftsstelle der KSAB und führt die Horte.
Wie es die Aarauer Stadträtin Nina Suma auf Anfrage sagt, können die wenigen Buchser Schüler der Tagesschule in Aarau diese auch im nächsten Schuljahr besuchen. «Der Fokus der Planung liegt aktuell beim Schuljahr 2026/27. Die zwei Exekutiven stehen im Austausch für die längerfristige Planung.» Es sei aber bereits heute so, dass umliegende Gemeinden Kinder für die Tagesschule anmelden können und davon Gebrauch machen dürfen. «An diesem Umstand sollte sich auch in Zukunft nichts ändern.»
• Zur Klärung der möglichen künftigen Zusammenarbeit bei der Musikschule und der Schulsozialarbeit sowie des möglichen Oberstufen-Schüleraustauschs wird je eine Arbeitsgruppe eingesetzt.
• Die Vertragsgemeinden – Küttigen, Biberstein sowie die beiden Erlinsbach – bleiben vorerst bei der Schule Aarau. Sie hat sie quasi in die Ehe mitgebracht. Allerdings ist das langfristig nicht in Stein gemeisselt, wie der Buchser Vizegemeindepräsident Anton Kleiber auf Anfrage sagt. «Wenn sich eine Gemeinde in unsere Richtung orientieren will, sind wir offen für Gespräche.» Vor allem für Biberstein könnte es interessant sein, die Oberstufenschüler nach Buchs zu schicken. Je nachdem, wo der künftige Aarauer Oberstufenstandort hinkommt, ist der Weg in die Buchser Suhrenmatte weniger weit.
«Vertiefte betriebliche, organisatorische und finanzielle Fragen werden in den nächsten Wochen und Monaten gemeinsam geklärt», schreiben die Stadt Aarau und die Gemeinde Buchs. Weitere Informationen zur Zukunft der Schule und insbesondere zu deren Führung in der Stadt Aarau sowie der Gemeinde Buchs stellen die Verbandsgemeinden für kommende Woche in Aussicht.
Wie ist die Stimmung momentan? «Bei mir persönlch: gespalten», sagt Anton Kleiber. «Ich habe die KSAB mit aufgebaut und viel Energie hineingesteckt. Aber angesichts der Entwicklung bedeutet der Entscheid nun auch eine gewisse Erlösung. Ich freue mich darauf, dass wir eine Schule Buchs aufstellen können, die zu unserer Gemeinde passt.»
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