Zum 20-jährigen Bestehen der Jazzreihe „Blue In Green“ luden das Kulturamt und Initiator Philipp van Endert zur Jazz-Sommernacht auf das Laga-Gelände. Die Mischung aus erfrischender Jugend und gestandener Jazzexpertise kam beim Publikum sehr gut an.
Neuss · Zum 20-jährigen Bestehen der Jazzreihe „Blue In Green“ luden das Kulturamt und Initiator Philipp van Endert zur Jazz-Sommernacht auf das Laga-Gelände. Die Mischung aus erfrischender Jugend und gestandener Jazzexpertise kam beim Publikum sehr gut an.
Die Sparkassenbühne auf dem Gelände der Landesgartenschau verwandelte sich am Donnerstagabend in einen Ort, an dem das Thermometer – abweichend vom momentan eh herrschenden Hochsommer – noch einmal einige Hitzegrade mehr anzeigte. Ursache war die „Jazz Sommernacht“, die mit heißen Rhythmen und feurigen Klängen das zahlreich anwesende Publikum aufs Feinste bespielte und ihrem Namen mehr als alle Ehren machte. Initiator und Kurator Philipp van Endert hatte im Vorabgespräch schon mächtig Lust auf den Abend gemacht. Versprach er doch mit dem Jugend-Jazz-Orchester NRW, dem Düsseldorfer Jazz Ensemble (JE:D) und dem Soleil Niklasson Quintett hochkarätige Qualität an den Start zu bringen. Ein Line-Up, bei dem die Fans des Jazz entsprechend gut gelaunt angereist waren. Und sie wurden in der Tat reichlich verwöhnt.
Niklas Konnertz (58) aus Köln ist mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar nach Neuss gekommen. „Eigentlich wollten wir nur die Landesgartenschau besuchen“, sagt er in der Pause. „Da hatten wir schon den ganzen Tag unseren Spaß. Aber dann haben wir den Hinweis auf das Konzert gelesen und sind kurz entschlossen geblieben. Mein Freund und ich, wir machen selber Jazz und wissen das bisherige Programm zu schätzen. Das Jazz-Ensemble ist in der Tat bärenstark, aber da steht auch absolute Expertise auf der Bühne. Beeindruckt sind wir von der Jugend. Wir haben gestaunt, was die drauf haben, schließlich muss man sich auch bewusst werden, wie jung die noch sind. Chapeau! Und jetzt freuen wir uns auf den dritten Teil. Denn wir haben Soleil und das Quintett bereits in Hürth gesehen.“ Das kann eine völlig begeisterte Annette Klier (44) aus Düsseldorf nur unterstreichen: „Diese Stimme nennt man ja wohl gesegnet. So warm und samtweich, ich fühle mich regelrecht umarmt. Jazz, Blues und Soul, Soleil Niklasson beherrscht alles. Und die Musiker, jeder für sich ganz große Kunst, aber immer im Dienste des Quintetts.“
Da ist der Plan von van Endert und dem Kulturamt ja wohl aufgegangen. Hatte er doch vorab gesagt: „Neben der international etablierten Szene werden wir dieses Jahr den Nachwuchs fördern und auf die Bühne holen.“ Die besten Nachwuchsjazzer unseres Bundeslandes gaben alles, und avancierten so zu einem fulminanten Opener, der das Publikum aus den Sitzen holte. Die Musiker stehen erst am Anfang einer – wahrscheinlichen – Musikerkarriere, ließen aber keinen Zweifel an der jetzt schon vorhandenen Klasse. Einstudierungen von Herbie Hancock oder Carlos Jobim hat der Klangkörper genauso eindrucksvoll im Repertoire wie den Old-School-Sound. Unter der Leitung von Stefan Pfeifer-Galilea und einem fröhlich plaudernden Gabriel Pérez wächst da etwas Großes heran. Auffällig zudem, wie viel Spaß und ausgelassene Spielfreude bei der Sache rüber kam.
Den Mittelteil bestritt das Jazz Ensemble Düsseldorf (JE:D), ein Kollektiv von hochkarätigen Jazzern aus der Landeshauptstadt. National und international ausgezeichnete Musiker, die als Komponisten und Dozenten arbeiten. Kein Wunder also, dass alle Arrangements aus deren Feder stammen. Und vier Tage vor dem Fußball WM-Finale ging die Formation musikalisch natürlich auch auf den grünen Rasen. „WakaWaka“ von Shakira, in einer Latin-Version, „We Are The Champions“, die ewige Hymne „Football’s Coming Home“ oder Udo Jürgens’ „Fußball ist unser Leben“ als tragisch trauriger Bolero. Und auch wenn die deutsche Elf gefühlt gar nicht an der WM teilgenommen hat, sollten enttäuschte Fußballfans trotzdem eine gute Zeit erleben.
Künstlerischer Abschluss und Höhepunkt des mehr als dreistündigen Abends war das Soleil Niklasson Quintett. Die in Chicago geborene Musikerin mit ihrem aktuellen Programm „Love Unlimited“ versteht es meisterhaft, ihr Publikum ausdrucksstark zu fesseln und es mit ihrer sowohl kraftvollen als auch warmen bluesigen Stimme zu umgarnen. Und die Lichtstimmung der gerade untergegangenen Sonne entließ ein begeistertes Publikum in die Sommernacht.