Metz gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region. Wer die Stadt mit dem Fahrrad erkunden möchte, kann nun auf ein E-Bike zurückgreifen. Wir haben das Leihangebot unter die Lupe genommen und es mit dem in Saarbrücken verglichen.
Metz · Metz gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen der Region. Wer die Stadt mit dem Fahrrad erkunden möchte, kann nun auf ein E-Bike zurückgreifen. Wir haben das Leihangebot unter die Lupe genommen und es mit dem in Saarbrücken verglichen.
Die Elektro-Fahrräder können in der ganzen Stadt ausgeliehen werden.
Foto: Paul LangnerFeuer speien die Fahrräder zwar nicht, ihren Bezug zur Stadt tragen sie dennoch im Namen: „GraouLib“ heißt die E-Bike-Flotte, eine Anspielung auf den Drachen Graoully, das Wahrzeichen der Stadt. Der Legende nach wurde er im dritten Jahrhundert vom Metzer Bischof Clemens aus dem römischen Amphitheater vertrieben. Heutzutage verbinden die 385 E-Bikes an 56 Ladestationen des Gemeindeverbandes der Eurométropole Metz die Geschichte mit der Zukunft. Das Metzer Rathaus brachte im August 2025 gemeinsam mit dem französischen Fahrradverleiher „Fifteen“ die Flotte auf die Straße. Die Stadt habe damit „auf ein Bedürfnis nach mehr Flexibilität reagiert“ und zugleich umweltfreundliche Mobilität gefördert. Bedarf für ein neues Angebot gab es durchaus: Das Unternehmen „Indigo“ hatte fünf Jahre zuvor seinen Betrieb in Metz eingestellt, nachdem zahlreiche Fahrräder beschädigt zurückgebracht worden waren.
Im Rahmen einer Testphase waren die ersten zehn Fahrminuten kostenlos. Seit dem 1. Juni gelten die finalen Tarife mit 0,08 Euro pro Minute. Das Abonnement kostet Nutzer monatlich zehn oder jährlich 100 Euro – die Altersgruppe der 14- bis 26-Jährigen zahlt sogar nur den halben Preis. Für Abonnenten sind die ersten 30 Minuten kostenlos, danach gilt der reguläre Tarif. Je nach Banking-App fällt eine Vorabautorisierung in Höhe von 25 Euro an. Pro Standort gibt es bis zu zehn Ladestationen. Die Freischaltung läuft per QR-Code-Scan über die App „GraouLib‘160.“ Zudem können die Fahrräder auf den Wassertaxis METZ’O mitgenommen werden.
Das Verleihangebot in Saarbrücken unterscheidet sich deutlich von dem in Metz – und ist weitaus teurer für die Nutzer: In der saarländischen Landeshauptstadt dominieren E-Scooter des Anbieters „Dott“, früher „Tier.“ Auf SZ-Anfrage teilt das Unternehmen mit: „Wir betreiben in Saarbrücken rund 200 E-Bikes und 1.300 E-Scooter.“ Die Fahrzeuge sind im gesamten Stadtgebiet verteilt. Die Freischaltung kostet 1,00 Euro, danach zahlen Nutzer 0,38 Euro pro Minute.
Einen wesentlichen Anteil am Erfolg in Metz hatte offenbar die kostenlose Testphase. Nach Angaben der Stadt haben innerhalb von neun Monaten 12.400 aktive Nutzer 161.000 Fahrten unternommen. Drei Viertel der Nutzer sind jünger als 30 Jahre. „Das übertrifft unsere Erwartungen“, freut sich Bürgermeister François Grosdidier (Konservative). Die meisten Fahrräder werden unter anderem am Place de la République, an der Kathedrale, am Bahnhof sowie am Campus Île de Saulcy ausgeliehen.
Zudem gibt es seit 2013 die „VéloMet“-Flotte mit 600 E-Bikes, 220 klassischen Citybikes sowie zehn Klapp-, Lasten- und Longtailrädern. Die Ausleihe ist auf langfristige Nutzer angelegt, mit Abonnements von einem halben Tag bis zu einem Jahr. Das Durchschnittsalter der Nutzer liegt bei 39 Jahren. Die Verwaltung übernimmt der Verein „Mob d’Emploi“. Das Konzept scheint aufzugehen: Im vergangenen Jahr wurden 2.109 Verträge unterzeichnet „Beide Dienste ergänzen sich und decken unterschiedliche Bedürfnisse ab“, erklärt Augustin de Hillerin, Generaldirektor der Verkehrsbetriebe der Eurométropole Metz. Die steigende Popularität der E-Fahrräder stehe auch mit den hohen Kraftstoffpreisen in Verbindung, erklärt er. Die E-Mobilität im urbanen Raum kann daher ein Profiteur der aktuellen geopolitischer Unsicherheiten sein. Metz ist in jedem Fall gewappnet. (hem/avm)