Regelmäßig blicken wir auf französische Eigenheiten und sinnieren darüber, wie man in Frankreich am elegantesten überlebt. Heute: acht Wochen große Ferien. Und die Frage, welche Schülerinnen und Schüler in Europa wirklich den längsten Sommer haben.
Serie | Paris/Saarbrücken · Regelmäßig blicken wir auf französische Eigenheiten und sinnieren darüber, wie man in Frankreich am elegantesten überlebt. Heute: acht Wochen große Ferien. Und die Frage, welche Schülerinnen und Schüler in Europa wirklich den längsten Sommer haben.
In Frankreich sind die Sommerferien länger als in Deutschland. Junge Franzosen und Französinnen können, zumindest theoretisch, länger am Strand faulenzen. Aber sind sie deswegen zu beneiden?
Foto: dpa/Álex ZeaIn vier Tagen schließt das Saarland seine Klassenzimmer zu. Und auch die Nachbarn gehen bald in die großen Ferien: Die französischen Schülerinnen und Schüler sehnen ihren Ferienbeginn am 4. Juli herbei. Im Gegensatz zu den sechs Wochen Sommerferien in Deutschland haben die Schulhöfe in Frankreich über den Sommer mehr Zeit, um Moos anzusetzen. Frankreich hat länger frei. Aber: In anderen Ländern dauert der Sommer wirklich ewig. Auch wenn der Ferien-Traum seine Haken hat.
Zwischen dem ersten Sommerferientag am Samstag, 4. Juli, und der „Rentrée scolaire“, dem Beginn des neuen Schuljahres am 1. September, liegen acht Wochen – acht Wochen ohne Unterrichtsgong, Hausaufgaben und Leistungstests. Hat Frankreich länger Sommerferien als Deutschland? Klares ja. Gleich zwei Wochen mehr. Wobei Franzosen und Französinnen damit noch lange nicht die europäischen Sommerferien-Spitzenreiter sind.
100 Tage Sommerferien in der süditalienischen Region Apulien (6. Juni bis 13. September) und 89 Tage in Malta: So galt das für alle drei Schulstufen im Sommer 2024. Solch’ lange Sommerferien hören sich für alle Schulpflichtigen umwerfend an. Doch der Blick auf verschiedene Schuljahreskalender in Europa entlarvt eine bittere Wahrheit: Der Traum von einem langen, freien Sommer kann so seine Haken haben.
Aus einem Bericht von Eurydice, dem Informationsnetz zum Bildungswesen in Europa, geht hervor: In Europa dauern die Sommerferien für die Primar- und Sekundarstufe I je nach Land ungefähr zwischen sechs und 14 Wochen, im Schnitt rund zehn. Die genaue Dauer hängt oft von Region, Schulstufe und Schuljahr ab. Die Länge der Sommerferien wird neben dem Klima auch von landwirtschaftlichen Rhythmen beeinflusst. Historisch bedingte Traditionen und regionale Gepflogenheiten wirken sich ebenfalls aus.
Vergleichsweise kurz sind die Sommerferien oft in Deutschland, Dänemark und den Niederlanden mit fünf bis sechs Wochen. Die längsten Sommerferien in Europa haben neben Italien und Malta beispielsweise auch Albanien und Zypern – mit rund zehn bis 13 Wochen.
Aber am Beispiel Italien zeigt sich, dass lange Sommerferien ihren Preis haben: Italien zelebriert je nach Region für die Grundstufe zwar zwischen 80 und 100 Tagen Sommerferien. Aber über das Schuljahr verteilt gibt es weniger Erholungszeit: So kam Apulien im Schuljahr 2023/24 zwar auf 100 Tage Sommer-, auf zwei Tage Mariä-Empfängnis- im Dezember und auf 16 Tage Weihnachtsferien. Demgegenüber stehen nur zwei Tage Karnevals- und sechs Tage Osterferien, und gar keine Herbstferien.
Außerdem ist in Italien eine Sechs-Tage-Woche mit Unterricht am Samstag noch häufiger als in Deutschland und Frankreich, wo es samstags normalerweise keinen regulären Unterricht mehr gibt.
Auch wenn Frankreichs Schulkinder im Schuljahr 2023/24, mit den Ferien des Sommers 2024, insgesamt rund 16 Wochen Ferien hatten, haben sie in der Grundschule trotzdem durchschnittlich 864 Zeitstunden Pflichtunterricht abgeleistet und in der unteren Sekundarstufe 973. In Deutschland waren es 725 und 886 bei durchschnittlich 13 Ferienwochen. Der EU-Durchschnitt liegt übrigens bei 730 und 870 Zeitstunden durchschnittlichem Pflichtunterricht, womit Frankreich deutlich darüber liegt. Italien mit 917 und 990 übrigens noch mehr. So steht es im OECD-Bildungsbericht 2025 für öffentliche Schulen.
Gestritten wird in Frankreich auch immer mal, ob die Ferien, die sich auf Juli und August konzentrieren, mehr entzerrt werden sollten – so ähnlich wie in Deutschland, wo der Sommerferienzeitraum von Ende Juni bis Mitte September reicht. De facto gibt es in Frankreich seit 1995 drei Zonen für die Einteilung der Schulferien. Aber für die Sommerferien sind die Termine in allen drei Zonen identisch.
Von einer Ausdehnung des Sommerkalenders könnte die Tourismusbranche profitieren. Zumindest argumentieren Touristiker mit mehr Zugang zu Ferien – also angepassten Tarifen, weniger frühen Ausbuchungen und weniger überlasteten Unterkünften. Entzerrte An- und Rückreisewellen könnten aber auch für weniger Staus und geringere Umweltbelastungen im Hochsommer sorgen. Frankreichs Bildungsminister Édouard Geffray hatte als Schulbeginn schon mal 9 Uhr statt 8 Uhr ins Spiel gebracht. Im Austausch für einen späteren Start am Morgen standen kürzere Ferien. Die Diskussion ebbte relativ schnell ab.
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