Immer mehr, immer größer – das scheint das außenpolitische Motto von US-Präsident Donald Trump zu sein. Dass viele Menschen ihn unterstützen, obwohl er ihnen objektiv schadet, hat laut Politökonomin Maja Göpel einen brisanten Hintergrund.
Immer mehr, immer größer – das scheint das außenpolitische Motto von US-Präsident Donald Trump zu sein. Dass viele Menschen ihn unterstützen, obwohl er ihnen objektiv schadet, hat laut Politökonomin Maja Göpel einen brisanten Hintergrund.
Donald Trump setzt sich auch für ärmere Amerikaner ein – so klang es im Wahlkampf. Tatsächlich gelang es ihm, viele Wähler ohne Hochschulbildung von den Demokraten abzuwerben. Allerdings kommt die Steuer- und Zollpolitik des US-Präsidenten einer Prognose von Ökonomen zufolge vor allem einkommensstarken Amerikanern zugute.
Trumps Amtsführung beruhe darauf, „,dass er verspricht, allen Gegnern Schmerzen zuzufügen“, sagt Politökonomin Maja Göpel bei der diesjährigen DLD-Konferenz zu FOCUS online. Das ist, so erklärt sie es, auch eine psychologische Erklärung dafür, dass viele Wähler „dabeibleiben, obwohl seine Politik ihnen nicht hilft“.
Die politische Interessenvertretung hat laut Göpel auch mit der Projektion von Identität zu tun. „Wenn ich mich sehr ohnmächtig gefühlt habe, übersehen gefühlt habe, vielleicht auch von oben herab behandelt gefühlt habe von denen, die vorher an der Macht waren, dann bin ich froh, wenn jemand auf sie einschlägt.“ Diese Tendenz sieht sie auch in Deutschland - mit Blick auf die AfD.
Die Betroffenen würden sich stellvertretend stark fühlen. Bei Trump kommt laut Göpel aber noch eine Besonderheit hinzu. „Nach dem Venezuela-Coup ist das Bonmot: Was ich sage, das meine ich so und werde es auch durchziehen“, so die Politökonomin. „Von daher kann man auch nicht davon ausgehen, dass er von allein einen Stopp-Knopf findet.“
Der US-Präsident inszeniert sich derweil als Friedensstifter. In verschiedene Konflikte hat er sich bereits eingeschaltet, etwa Thailand-Kambodscha, im Nahen Osten oder in Sachen Ukraine. Doch Trumps Erfolg ist zweifelhaft. Vielerorts konnte kein dauerhafter Frieden erreicht werden.
Thailand und Kambodscha gerieten auch nach den Vermittlungsversuchen des US-Präsidenten wieder aneinander. Und für die Ukraine gibt es bis heute keinen Friedensplan, mit dem beide Konfliktparteien einverstanden sind.
Göpel glaubt nicht, dass Trump seine selbstgewählte Rolle als Friedensstifter ausfüllen kann. Dazu müsste er Frieden in sich tragen, sagt sie. Wenn eine Dynamik immer weiter eskaliert und irgendwann aus dem Ruder läuft, gibt es der Politökonomin zufolge drei mögliche Ausgänge.
„Entweder, beide Parteien verstehen, dass die Kosten, weiterzumachen, zu groß für sie sind. Oder eine Partei versteht, dass die Kosten-Nutzen-Bilanz kippt – darauf hoffen ja viele bei Wladimir Putin.“ Die dritte Option: „Es kommt jemand von außen. Wie die Lehrerin auf dem Schulhof.“
So lässt sich Trumps Vorgehen wahrscheinlich am ehesten umreißen. Dass die Konfliktparteien nach solchen Interventionen gut miteinander auskommen, ist aber längst nicht ausgemacht, so die Transformationsforscherin. „Wenn die Lehrerin mit einem großen Eigeninteresse reingrätscht und sagt, ich nehme jetzt dein Pausenbrot, und das jeden Tag, dann ist das ja nicht unbedingt Frieden. Das ist eine Form von Waffenschweigen.“
Göpel glaubt, dass es in der Ukraine genau darauf hinauslaufen könnte. Dass die Bedingungen für einen möglichen Frieden unter Trumps Moderation für viele Einheimische nicht tragbar wären. Im Moment sind beispielsweise großflächige Gebietsabtretungen im Osten des Landes in der Diskussion.
Göpel sagt: „Ich glaube, viele Ukrainerinnen und Ukrainer haben ein ziemlich klares Bild vor Augen, dass das, was dann Frieden genannt wird, für sie keine Lebensbedingungen sind, die sie mit Freiheit verwechseln würden.“
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