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Klimawandel im Schatten der Dauerkrisen

Дата публикации: 29-06-2026 08:23:39

Es ist eine Entwicklung, die überrascht, aber doch erschreckend logisch erscheint: Der Klimawandel verliert für Jugendliche an Bedeutung.
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Ein Wald mit zahlreichen abgestorbenen Bäumen

Larissa Menne, funky-Jugendreporterin

Es ist eine Entwicklung, die auf den ersten Blick überrascht und auf den zweiten erschreckend logisch erscheint: Der Klimawandel verliert für viele Jugendliche in Deutschland an Bedeutung. Laut einer aktuellen Befragung des Sinus-Instituts im Auftrag der Barmer Krankenkasse halten  nur noch rund vier von zehn Jugendlichen Klimaschutz für ein sehr wichtiges Thema. 2021 waren es noch sechs von zehn. Gleichzeitig steigt der Anteil derjenigen, die das Thema als unwichtig einstufen, deutlich an.

Die Zahlen erzählen viel über die Gegenwart, aber nicht unbedingt über die Zukunft. Denn sie zeigen weniger, dass jungen Menschen das Klima egal geworden ist. Sie zeigen vielmehr, wie überfüllt die Welt inzwischen mit Krisen ist. Krieg in Europa, Terror, wirtschaftliche Unsicherheit, steigende Preise, gesellschaftliche Spannungen, Zukunftsängste: Jugendliche wachsen heute in einer Zeit auf, die sich permanent, wie eine Krise anfühlt. Wer morgens die Nachrichten liest, sieht Raketenangriffe, politische Radikalisierung, Diskussionen über Migration, Wohnungsnot oder soziale Ungleichheit. Der Klimawandel konkurriert inzwischen mit vielen anderen Bedrohungen um Aufmerksamkeit. Und Aufmerksamkeit ist begrenzt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Klimakrise kleiner geworden wäre. Im Gegenteil. Während das öffentliche Interesse schwankt, verschärft sich die Realität weiter. Europa erlebt massive Trockenperioden, Rekordtemperaturen, Waldbrände und den dramatischen Verlust von Schnee- und Eisflächen. Die Ozeane heizen sich auf, Extremwetterereignisse nehmen zu, ganze Regionen kämpfen zunehmend mit Wassermangel. Die Krise macht keine Pause, nur weil andere Schlagzeilen dominieren. Und es interessiert sie auch nicht, ob Menschen gerade lieber über Kriege, Inflation oder die Performance der Regierung diskutieren.

Gerade deshalb ist die Entwicklung gefährlich. Denn Klimaschutz funktioniert nur langfristig. Wenn gesellschaftlicher Druck nachlässt, sinkt oft auch der politische Wille. Maßnahmen werden verschoben, Investitionen verzögert, Debatten entschärft. Klimapolitik wird dann schnell zu einem Thema, das man irgendwann später lösen will. Dabei warnen Wissenschaftler:innen seit Jahren davor, dass genau dieses „später“ das eigentliche Problem ist.

Die eigentliche Frage lautet also nicht, warum junge Menschen sich weniger für Klimaschutz interessieren. Die eigentliche Frage ist, wie eine Gesellschaft damit umgeht, wenn sie beginnt, sich an eine der größten Krisen ihrer Zeit zu gewöhnen.

Viele junge Menschen erleben derzeit ein Gefühl permanenter Unsicherheit. Wer sich Sorgen um Kriege, die eigene Zukunft oder finanzielle Belastungen macht, nimmt den Klimawandel als abstrakt und weit weg wahr, obwohl seine Folgen längst konkret sind. Hinzu kommt eine gewisse Erschöpfung. Über Jahre wurde die junge Generation mit düsteren Prognosen konfrontiert. Irgendwann stumpfen Menschen ab, wenn Krisen dauerhaft präsent sind und gleichzeitig der Eindruck entsteht, dass sich ohnehin zu wenig verändert.

Doch genau an diesem Punkt braucht es einen Perspektivwechsel. Klimaschutz darf nicht länger als isoliertes Idealprojekt verstanden werden, das nur in ruhigen Zeiten Priorität haben kann. Er ist längst Teil von Sicherheits-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Extreme Wetterereignisse zerstören Infrastruktur, verteuern Lebensmittel und verschärfen globale Konflikte. Energieabhängigkeiten beeinflussen geopolitische Machtverhältnisse. Deshalb ist nachhaltiges Wirtschaften auch weltweit keine moralische Zusatzaufgabe mehr, sondern eine Frage langfristiger Stabilität.

Auch deshalb reicht es nicht, die Verantwortung allein auf die nachfolgenden Generationen abzuwälzen. Natürlich kann jeder Einzelne bewusster konsumieren und das machen viele junge Menschen auch schon. Doch Klimaschutz ist nicht nur persönlicher Verzicht, sondern vor allem eine gesellschaftliche und politische Aufgabe.

Gleichzeitig fühlen sich junge Menschen von der Politik nicht gehört und das nicht nur beim Thema Klimawandel, sondern bei allem, was sie belastet. Deshalb ist das Ergebnis der Studie auch als Weckruf an die Politik zu verstehen. Denn die Realität der Erderwärmung bleibt bestehen, unabhängig von Umfragewerten.

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