Plötzlich wird im Wald die Schleimspur eines Lindwurms überschritten: Bei der Schaumberg-Tour suchten Familien nach Elfen, Trollen und Wichteln. Kurz vor dem Ziel passiert, womit niemand mehr rechnete.
Tholey · Plötzlich wird im Wald die Schleimspur eines Lindwurms überschritten: Bei der Schaumberg-Tour suchten Familien nach Elfen, Trollen und Wichteln. Kurz vor dem Ziel passiert, womit niemand mehr rechnete.
Da viele Augen bekanntermaßen mehr sehen, hatte die Gemeinde kurzerhand zwei Erlebniswanderungen ausgeschrieben. Am vergangenen Sonntag war es dann soweit. Annika Jonsson und Volker Schütz drangen vormittags und nachmittags jeweils mit einer 30-köpfigen Gruppe, darunter viele Familien mit ihren neugierigen Kindern, in das Wald-Dickicht des Schaumbergs vor. „Bei magischen Wesen im Wald, da sind Volker und ich immer gerne zur Stelle und schauen uns das genauer an. Wir konnten schon Spuren ausmachen, die die Elfen hinterlassen haben“, so Annika Jonsson zu Beginn der Erlebnistour. Mit den Elfen sei es so, sie wanderten durch Raum und Zeit. Nie könne man wissen, wo sie gerade sind. „Vielleicht treffen wir auch auf andere Wesen. Dann müssen wir nur eins beachten. Wenn ich rufe: ‚Ducken!’, muss sich jeder schnell ducken“, sagt Jonsson.
Die magischen Wesen seien sehr spontan. Man müsse immer auf der Hut sein. „Meine Mutter ist Schwedin und im Skandinavischen Wald ist das Thema Trolle allgegenwärtig. Als Kind bin ich immer auf den großen Steinen herumgeklettert und habe mir vorgestellt, dass das Trolle sind“, verrät die Waldführerin. Die Gruppe macht sich vom Herzweg-Parkplatz auf den Weg und erklimmt den Schaumberg.
Beim Einstieg in die Tholixrunde erwartet Volker Schütz die Gruppe. Er hat im Vorfeld schon mal den Wald erkundet. „Ich komme gerade aus dem Wald. Da habe ich einen üblen Lindwurm getroffen, der hat mich mit seinem weißen Schleim bespritzt. Aber der ist jetzt wohl weg“, verrät Volker Schütz, ehe es in den Wald geht.
Einige Kinder entpuppen sich als wahre Troll-Experten und tauschen ihr Wissen aus. „Die Trolle riechen, wenn wir müde sind, kitzeln uns dann“, ruft ein Mädchen. Ein Junge ergänzt: „Wahrscheinlich haben die Trolle gute Verstecke im Wald.“ Ein anderes Kind fragt: „Sind die Trolle Mini-Klein?“ – „Nein, die sind riesig.“ – „Ich habe keine Angst vor Trollen, denn ich kann Kung-Fu kämpfen“, sagt ein wagemutiger Junge, der Trolle bestens aus dem Film die Trolls kennt.
Kaum ist die Gruppe im Wald, entdecken die Kinder einen großen rot leuchtenden Pilz. „Das ist ein Märchenpilz, den hat wohl ein Wichtel hierhergebracht. Die Wichtel wohnen in kleinen Häuschen und mögen Pilze sehr. Vielleicht entdecken wir sogar noch das Wichtelhäuschen“, erklärt Schütz nach einem fachmännischen Blick. „Los, wir müssen weiter Ausschau halten“, drängt ein Mädchen in neugieriger Erwartung die Gruppe zum Weitergehen.
Plötzlich finden die Kinder viele bunte Blumen im Dickicht. Annika Jonsson führt die Kinder in einen verzauberten Garten und lenkt die Blicke auf eine nahe gelegene Trollbehausung mit Kochtopf und weiteren Utensilien. „Die Elfen haben in diesem Garten Zauberblumen mit einem besonderen Duft gesät. Wenn man den Duft einer Elfenblume erschnuppert, dann erinnert man sich für immer an diesen Tag“, sagt Jonsson.
Die sechsjährige Emmi aus Überroth schnuppert im Elfengarten an einer Zauberblume.
Foto: Marion SchmidtIm Zaubergarten packt sie eine kleine Gitarre aus und singt eines der Troll-Lieder, welche die Elfen gerne sängen. Auf ihrem weiteren Weg vorbei an einem magischen Wichtel-Pilz muss die Gruppe vorsichtig die Schleimspur eines Lindwurms überschreiten. Es geht vorbei an einem großen magischen Trollstein, in der Gemeinde Tholey als sagenumwobener Klapperstorchstein bekannt. Zuvor aber packt Jonsson ein kleines Keyboard aus und singt eine magische Weise.
Nach einer überraschenden Begegnung mit einem langen Lindwurm führt der Weg weiter über einen geheimnisvollen Pfad. „Schaut mal, da steht ein kleines Klavier“, schreit ein Mädchen aufgeregt und rennt los. Die Kinder entdecken die Behausung eines Wichtels – das Miniaturklavier auf einem Teppich, daneben eine kleine Sitzecke. Weitere kleine Musikinstrumente wie Harfe und Gitarre hängen in den Bäumen. Plötzlich ertönt laut die Stimme eines Trolls. „Hier ist irgendwas. Ich weiß nicht, wo der Troll gerade ist. Alle schnell ducken, ich habe was gesehen. Wir müssen versuchen, hier vorbei zu kommen. Wir müssen mit den Instrumenten schnell Zaubermusik machen“, munkelt Jonsson.
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„Die Stimme kommt doch aus einer Partybox, die da oben steht“, ruft ein Junge souverän. Nicht nur die Kinder sind begeistert von der Tour, auch manch ein Großer ist es. „Ich liebe Trolle. Wir machen viel Urlaub in Schweden und Norwegen. Im Wohnmobil haben wir auf dem Armaturenbrett vier putzige Trolle sitzen, die passen auf uns auf“, sagt Marion Rodenmayer aus Tholey. An einer Lichtung zeigt sich sogar die Königin des Waldes. Jonsson stimmt mit allen ein Lied mit Jodelgesang an, um die Königin des Waldes anzulocken. „Sie kann sich in vieles verwandeln. Bisher haben wir sie noch nicht gesehen“, erklärt sie und plötzlich nähert sich die Königin der Gruppe in Form einer aus Ästen zusammengebundenen Figur.
Joline Jochum-Wern aus St. Wendel ist angetan von der Tour: „Es ist fantastisch, wie auch meine acht- und zehnjährigen Kinder voller Spannung in dem Thema aufgehen.“ Für Schütz ist das Thema rund um Elfen und Trolle eine zauberhaft ernste Angelegenheit: „Mich fasziniert die Projektionsmöglichkeit. Man weiß nicht, ob diese Wesen existieren oder ob es nur etwas Fiktionales ist. Wenn man über die Wirklichkeit redet, ist man immer so fixiert auf das Wirkliche. Im Märchen kann man mitspielen. Da darf es auch mal anders sein, als in der Wirklichkeit.“
Am Ende der Tour stellt Jonsson fest: „Wir haben leider noch keine Elfe gesehen. Mal tauchen sie auf, mal hundert Jahre nicht. Ist vielleicht aber auch gut so. Denn es kann passieren, dass sie Menschen verzaubern mit einem Elfentanz.“ Doch auf dem Weg zum Parkplatz geschieht ihr Seltsames. Plötzlich taumelt sie tanzend umher und verschwindet im Gebüsch, gefolgt von einigen durcheinanderrufenden Kindern. „Annika ist jetzt verzaubert und läuft ins Elfenreich“, erklärt Schütz. Nach allerlei Begegnungen mit magischen Wesen kehren am Ende der 90-minütigen Tour alle unversehrt wieder an den Startpunkt zurück. Auch die Kinder, die der verzauberten Annika Jonsson ins Elfenreich folgen wollten.
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