Wenn Kristin Schmidt in der St.Galler Kulturszene unterwegs ist, vermischen sich die privaten und die beruflichen Interessen der Co-Leiterin der Kulturförderung der Stadt St.Gallen.
Wenn Kristin Schmidt in der St.Galler Kulturszene unterwegs ist, vermischen sich die privaten und die beruflichen Interessen der Co-Leiterin der Kulturförderung der Stadt St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi
Wenn Kristin Schmidt in der Stadt an Kulturanlässen präsent ist, ist sie das immer auch ein wenig mit den Augen der Co-Leiterin der Kulturförderung der Stadt St.Gallen. Privater und beruflicher Kulturgenuss gehen oft ineinander über. «Wenn ich an Veranstaltungen zugegen bin, welche die Stadt gefördert hat, geht es auch um Wertschätzung von Kultur», sagt Kristin Schmidt, die seit 1999 in St.Gallen lebt.
«Ich habe mich schon damals gewundert, wie viel hochstehende Kultur eine Stadt dieser Grösse bietet», sagt die promovierte Kunsthistorikerin, die in St.Gallen ihren ersten Arbeitsplatz bei der Sammlung Hauser und Wirth hatte, die damals in der Lokremise beheimatet war. «Heute freut mich, wie sich diese Lokremise zu einem funktionierenden Kulturzentrum entwickelt hat.»
Bild: Benjamin Manser
Im Februar hat sich Kristin Schmidt dort im Kinok einen Architekturfilm über das Londoner Barbican Centre angeschaut, eine Ikone brutalistischer Architektur. «Ich finde es ganz erstaunlich, dass das Kino voll ist, wenn über Mittag ein Architekturfilm gezeigt wird. Das zeigt, dass die Lokremise wirklich lebt.» In der Kunstzone der Lokremise stellt gerade Atiéna R. Kilfa aus.. «Die Kunstzone beweist, wie gut Kunst funktionieren kann. Die stark spürbare industrielle Atmosphäre in der Lokremise macht etwas mit Kunst, stellt sie in einen spannenden Kontext», schwärmt Kristin Schmidt.
St.Gallen ist eine Reise wertMüsste sie das Kulturleben der Stadt St.Gallen einem Fremden erklären, würde sie das hohe Level und die Ausstrahlung der Kultur erwähnen, sagt die Mutter von zwei Teenagern. «Für viele Veranstaltungen lohnt sich ein Besuch St.Gallens auch von auswärts, was erfreulicherweise regelmässig zu beobachten ist.»
Bild: Benjamin Manser
Als Kunsthistorikerin geht Kristin Schmidt selbstverständlich gerne in Ausstellungen, in grosse wie im Kunsthaus Bregenz oder Zürich, aber auch in kleine. Eine spezielle Kunstadresse ist die Chambre Directe von Felix Boekamp in einem ehemaligen Geschäft für Haushaltsgeräte an der Rorschacherstrasse im Quartier St.Fiden. Der Februar dort war dem Bildhauer Claes Oldenburg gewidmet. Die Ausstellung zeigte Kataloge, Plakate oder Einladungskarten, viele Dokumente rund um den berühmten Pop-Art-Künstler. «Manchmal braucht man gar nicht die Originalwerke, um einem künstlerischen Werk näherzukommen», beschreibt Kristin Schmidt ihren Besuch. «Die Chambre Directe ist wirklich eine kleine, feine Initiative.»
Erinnerungen an einen Winter, den es nicht mehr gibtIst das Projekt «Grauer Himmel», der kleinste Skilift der Welt mitten in St.Gallen, Kunst? Kristin Schmidt sagt überzeugt Ja. «Das ist ein sehr schönes Projekt, das bewiesen hat, wie viele ganz unterschiedliche Leute Kunst zusammenbringen kann. Die Idee hat mich sofort überzeugt, nochmals einen Winter aufleben zu lassen, den es so heute nicht mehr gibt, der aber bei vielen mit Erinnerungen an früher verbunden ist.» Dass ein Kunstprojekt als soziale Plastik funktionieren könne, fand Kristin Schmidt bei diesem Event beeindruckend.
Bild: Christian Beutler/Keystone
Auch für Musik war Kristin Schmidt an grossen und kleinen Anlässen anzutreffen. Sie hat die Inszenierung der Oper «Macbeth» am Theater St.Gallen gesehen und ein Konzert in der Reihe Alte Musik gehört. Ein Zyklus, der niederschwellig musikalisch beglücke, findet Kristin Schmidt, die ein Fan von barocker Orgelmusik ist. Auf der Heimfahrt vom Kunsthaus Zürich, wo sie sich die Retrospektive von Marina Abramović angeschaut hat, ist Kristin Schmidt im Zug mit einer Band ins Gespräch gekommen. Wie sich herausstellte, war es die dänische Gruppe Hjalte Ross, die am Nordklang-Festival auftrat. Kristin Schmidt hat dann das Konzert in der Kellerbühne besucht.
Bild: zvg
Dass es oft die kleineren Nischen sind, an denen spannende Kultur zu entdecken ist, bestätigt Kristin Schmidts Besuch bei Amboss & Steigbügel, einer kleinen Konzertreihe für aktuelle Musik: «Wie urban, wie grossstädtisch man St.Gallen erleben kann, wenn man im Perronnord in einem Konzert sitzt, hat mir der Abend mit dem fantastischen japanischen Otomo Yoshihide Jazz Quintett einmal mehr bestätigt.»
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