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Freiheit gilt für jede Frau

Дата публикации: 16-07-2026 07:00:00

Kamel Daoud erklärt im Interview mit der NZZ, was die Linke falsch macht im Umgang mit dem Islam in Europa. Ägypten wird von einer Militärdiktatur regiert, erklärt der Aktivist Hossam el-Hamalawy in der FR, warum unterstützen es ausgerechnet Deutschland und Frankreich? Die SZ berichtet über die gescheiterte Wahlreform Giorgia Melonis, die FAZ über die antiukrainische Stimmung in Polen und die Zeit über ein Geheimtreffen deutscher Politiker mit russischen in Baku.

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Ein sehr lesenswertes Interview mit dem algerischen Schriftsteller Kamel Daoud gibt es in der NZZ zu lesen. Darin vergleicht er die Erfindung von Sprachmodellen mit der Erfindung der Druckerpresse, was auf den Islam eine ähnliche Wirkung haben könnte wie auf das Christentum damals, denn mit den Übersetzungsprogrammen könnten jetzt alle den Koran nicht nur rezitieren, sondern wirklich lesen. Außerdem verteidigt er die Laizität. In Europa habe die Linke viel zu lang über Islamismus oder Migration geschwiegen, kritisiert er, jetzt habe zwar eine Debatte begonnen, aber die laufe zu oft in die falsche Richtung: "Man darf junge Franzosen algerischer Herkunft nicht ständig auf ihre Herkunft zurückwerfen und sich dann wundern, dass sie sich nie ganz als Franzosen fühlen. Gerade in linken Milieus glaubt man oft, ihnen einen Gefallen zu tun, indem man ihre Andersheit betont. ... Im Westen macht man die muslimische Frau erneut zum Objekt. Früher geschah das mit Zwang, heute oft aus Angst, bevormundend oder rassistisch zu wirken. Plötzlich gelten für sie andere Maßstäbe als für alle anderen. Ich denke: Freiheit gilt für jede Frau. Deshalb gibt es für mich keinen westlichen, islamischen oder arabischen Feminismus, sondern nur einen: das Recht jeder Frau, frei über ihr Leben und ihren Körper zu entscheiden. Alles andere ist eine Beleidigung für die Iranerinnen, Ägypterinnen oder Algerierinnen, die ihr Leben riskieren, wenn sie den Schleier ablegen."

Die algerische Regierung, die maßgeblich vom Militär getragen wird, steht nach einer niedrigen Wahlbeteiligung bei der Parlamentswahl angeschlagen da, konstatieren der Politikwissenschaftler Claus Leggewie und der Politologe Rachid Quaissa in der FR. In dieser Stimmung reist der algerische Präsident Abdelmadjid Tebboune zu Gesprächen mit der Bundesregierung nach Deutschland. Es soll dabei nicht nur um Rohstoffe gehen, sondern auch um kulturellen Austausch mit Algeriens Zivilgesellschaft, fordern die beiden Autoren: Es brauche "ein Gesamtpaket mit konkret spürbaren Vorteilen für die Bevölkerung: bessere Ausbildung, mehr Arbeitschancen, faire Mobilität, kulturelle Nähe und wirtschaftliche Perspektiven. Wiederaufnahme des Bildungs- und Wissenschaftsaustauschs, vor allem zugunsten der unter 30-Jährigen. Unbehinderte Kulturbeziehungen, einschließlich Sprachkursen, Begegnungsprogrammen und Jugendformaten, z. B. anhand der in beiden Ländern blühenden HipHop-Kultur. Absicherung der Programme des Goethe-Instituts und der parteinahen Stiftungen in Algerien. Einrichtung eines Presseaustauschs nach KSZE-Vorbild. Erleichterte Mobilität für Studierende, Forschende, Kulturschaffende und junge Berufstätige."

Die Ägypter leben in einer Militärdiktatur, erklärt der ägyptische Aktivist Hossam el-Hamalawy im Interview mit der FR. Selbst Nasser und Moubarak hätten eine gewisse Unterstützung im Volk gehabt, Abd al-Fattah as-Sisi hat keine. Doch europäische Staaten zählen zu seinen engen Verbündeten: "Deutschland und Frankreich gehören zu den stärksten Unterstützern von Sisi. Er hat die Migrationskarte sehr effektiv ausgespielt und den europäischen Regierungen gesagt: Unterstützt mich, denn wenn mein Regime fällt, wird Ägypten zusammenbrechen und Migranten werden eure Küsten erreichen. Und es hat funktioniert. Deutschland und Frankreich haben durch Kredite, politische Unterstützung und umfangreiche Waffenverkäufe dazu beigetragen, sein Regime über Wasser zu halten. Ägypten hat U-Boote aus Deutschland gekauft. Aber was wird Ägypten damit anfangen? Das ist Teil von Sisis Diplomatie. Die Botschaft lautet im Wesentlichen: Ich unterstütze eure U-Boot-Industrie und schaffe Arbeitsplätze in Deutschland, also belästigt mich nicht mit Demokratie oder Menschenrechten."

In der Welt spricht Nicholas Potter mit der Journalistin Nora Bussigny, die für ihr Buch "Les Noveaux Antisemites" undercover in den französischen, propalästinensischen Milieus unterwegs war. Sie kommt auch auf den Begriff "Islamo-Gauchisme" zu sprechen. "In Frankreich wird der Begriff vor allem von der extremen Rechten verwendet. Ich verwende ihn deshalb nicht. Aber es findet eine enge Zusammenarbeit zwischen islamistischen und linken Kreisen statt. Die islamistischen Muslimbrüder wollen demokratische Institutionen destabilisieren und das Scharia-Gesetz einführen. Linksradikale wollen ebenfalls demokratische Institutionen destabilisieren, nur minus Scharia. Hinzu kommt der gemeinsame Feind - der 'Jude', auch wenn sie 'Zionisten' sagen. Und hier findet eine 'Zusammenführung der Kämpfe' statt, wie linke Aktivisten es selbst nennen."

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