2017 als „Phantomschule" gegründet, feiert die Gesamtschule Haan nun ihren ersten Abiturjahrgang. Die Prüfungen der Schüler waren die gleichen wie an Gymnasien – und die Geschichten dahinter beeindruckend.
Der nächste Jahrgang: Michelle Wirth und Nicolas Brabender werden im kommenden Jahr an der Gesamtschule Haan ihr Abitur machen. Hier sind sie mit Schulleiter Christian Hoffmann zu sehen:
Foto: Köhlen, Stephan (teph)Haan · 2017 als „Phantomschule" gegründet, feiert die Gesamtschule Haan nun ihren ersten Abiturjahrgang. Die Prüfungen der Schüler waren die gleichen wie an Gymnasien – und die Geschichten dahinter beeindruckend.
Die Geschichte der Abiturienten an der Gesamtschule Haan ist eine Erfolgsgeschichte. Zum einen ist es ein Erfolg für jeden einzelnen der jungen Menschen, die hier das Zentralabitur und damit den exakt gleichen Abschluss wie an den Gymnasien abgelegt haben. Denn nur zehn der Kinder, die jetzt den höchsten in Deutschland möglichen Schulabschluss geschafft haben, kamen aus der Grundschule vor neun Jahren überhaupt mit einer Gymnasial-Empfehlung, also der Empfehlung, die Oberstufe zu besuchen und das Abitur zu machen. „Die meisten hatten eine Realschul-Empfehlung“, sagt Schulleiter Christian Hoffmann, „bei Dreien war es eine Hauptschul-Empfehlung.“ Er wirbt dafür, dass ein solcher Weg bis zum Abitur oder Fachabitur auch für künftige Schüler, die keine Gymnasial-Empfehlung haben, gangbar ist. Der Trend zeige, dass unglaublich viele Familien, besondern auch in Haan, ihre Kinder am Gymnasium anmelden wollen. Das sei aber nicht für jeden die richtige Schulform, die Art des Lernens unterscheide sich.
Zum anderen zeigt dieser Abiturjahrgang auch den Erfolg der ganzen Schule, denn hier hat in diesem Jahr zum ersten Mal überhaupt ein Jahrgang Abitur gemacht. 2017 wurde die Schule gegründet, und verzeichnete gleich im ersten Jahr 125 Anmeldungen, „obgleich die Eltern ihre Kinder an einer ,Phantomschule‘ anmeldeten, die es damals noch gar nicht gab“, informiert Haans Beigeordnete Annette Herz. Zuvor hatte es an dem Standort eine Real- und eine Hauptschule gegeben, an beiden machte der heutige Schulleiter sein Referendariat und leitete später stellvertretend die Hauptschule.
Was pädagogisches Engagement, guter Zusammenhalt zwischen den Schülern und wertvolle Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule ausmachen, zeigen die tollen Schulabschlüsse, und diese Aspekte waren auch bei der emotionalen Feierstunde an der Schule zu spüren. Schüler, Eltern und auch die Lehrer – eine Lehrerin etwa hatte den Abiturjahrgang alle neun Schuljahre im Deutschunterricht begleitet – hatten Tränen in den Augen, als Abschiedsreden aus der Gesamtschule gehalten wurden. Auch die ehemaligen Schulleiter und viele weitere Gäste aus Haan waren dabei.
Ausgelassen und zugleich friedlich feierten die Schüler anschließend bis in die frühen Morgenstunden im „Roulez Rouge“ weiter, „und das haben sie sich auch verdient“, betont Astrid Schmidt, Leiterin des Schulamtes in Haan. Sie alle hätten auch im Vorfeld schon nur Positives berichtet aus ihrer Zeit in der Oberstufe und aus den Beratungen für den richtigen Weg eines jeden Schülers, auf die Christian Hoffmann besonderen Wert legt. Der Jahrgang ist auch deshalb ein besonderer, weil es durch die Umstellung zurück von G8 auf G9 an den Gymnasien in diesem Jahr in 2026 keine oder nur an wenigen Bündelungsgymnasien Abiturienten gibt.
Und noch eine Besonderheit zeichnet diesen Jahrgang aus: Er legt besonders viel Wert auf Dinge, die der Jugend lange Zeit von älteren Mitbürgern nicht unbedingt zugeschrieben wurden. Als Ziel für die Abschlussfahrt beispielsweise haben sich die jungen Menschen, auf Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance bedacht, die Natur ausgesucht: „Es ging nach Österreich“, berichtet Hoffmann, „und nicht etwa mit dem Bus wer weiß wohin in eine weit entfernte Partyhochburg“.
Besonders gut gefallen haben ihm, und das hoben auch die Vertreter der Bezirksregierung Düsseldorf hervor, auch die Abiturprüfungen an sich. „Die Schüler waren angemessen gekleidet, zusammen mit den schön hergerichteten Räumen herrschte eine äußerst angenehme Atmosphäre.“ Kollegen von der Bezirksregierung hatten sich die mündlichen Prüfungen angeschaut, weil es eben erstmals an der Gesamtschule Haan Abiturprüfungen gab.
Und auch die Ergebnisse können sich sehen lassen: Lucille Harden legte die Prüfungen mit einer 1,1 ab, drei weitere Mitschüler haben ebenfalls die Eins vor dem Komma stehen. „Das sind Top-Noten, und sie sind absolut vergleichbar mit den Abiturnoten an den Gymnasien“, betont Annette Herz, „denn es handelt sich ja um das Zentralabitur.“
Ein schlimmes Ereignis, das sich Ende 2025 ereignet hatte, rücke immer weiter in den Hintergrund, auch wenn noch nicht alle Spuren beseitigt seien – nicht im Gebäude und auch in den Köpfen: Die Polizei ermittelte als Hauptverdächtige zwei ehemalige Schüler die den Verwaltungstrakt, Sanitäranlagen und das Schülercafé der Gesamtschule brutal verwüstet hatten. Dank großer Unterstützung konnte damals bereits wenige Tage später der Unterricht wieder beginnen. Böden aber beispielsweise werden erst jetzt in den Sommerferien neu verlegt, auch die Türen seien noch nicht vollständig repariert, informiert Schulleiter Hoffmann. Insgesamt habe in all den Jahren seit Gründung der Hauptschule nur einmal kurz Schüler in einen Container ausweichen müssen, alles andere, auch der Neubau, habe während des laufenden Betriebs integriert werden können.
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