San Francisco erlebt einen neuen Goldrausch: Der KI-Boom treibt Immobilienpreise auf Rekordniveau, Häuser wechseln für Millionen über dem Angebotspreis den Besitzer und Verkäufer akzeptieren sogar Aktien von KI-Firmen als Währung.
San Francisco erlebt einen neuen Goldrausch: Der KI-Boom treibt Immobilienpreise auf Rekordniveau, Häuser wechseln für Millionen über dem Angebotspreis den Besitzer und Verkäufer akzeptieren sogar Aktien von KI-Firmen als Währung.
In San Francisco boomt die KI-Industrie wie nirgendwo sonst. Nach jahrelangem Verfall ziehen Beobachter sogar Vergleiche zu den Goldgräberzeiten (1848-1855). Die Immobilienpreise steigen ins Uferlose.
Wer ein Haus sucht, bietet Berichten zufolge häufig eine Million Dollar mehr als den angesetzten Preis, um andere Interessenten auszustechen. Verkäufer betonen in ihren Anzeigen, dass sie sich lieber mit KI-Aktien als Geld bezahlen lassen.
Und Makler erzählen: Nicht einmal während des Dotcom-Booms der 90er Jahre oder den Börsengängen von Google (2004) und Facebook (2012) hätten sie San Francisco in einem solchen Rausch erlebt wie jetzt.
Seit Jahresbeginn wurden in San Francisco bereits 144 Häuser zu Preisen verkauft, die mindestens eine Million Dollar über dem Angebotspreis lagen. Das berichtete ein Immobilienmakler im Gespräch mit der „New York Times“ (NYT).
Im Mai wurde demnach ein Einfamilienhaus mit Blick auf die Golden Gate Bridge für 15 Millionen Dollar veräußert. Der Verkäufer hatte 7,9 Millionen Dollar verlangt.
Der Grund für den Boom: In der Gegend um San Francisco gibt es derzeit rund 1500 bis 2000 KI-Start-ups. Die bedeutendsten KI-Firmen mit Hauptsitz in San Francisco sind Anthropic und OpenAI, wozu auch ChatGPT gehört. Beide haben den Börsengang beantragt.
Der jüngste Kapitalzufluss lässt sich auf Firmenangebote zurückführen, bei denen Mitarbeiter bereits vor dem Börsengang Unternehmensanteile verkaufen durften. Im vergangenen Herbst veräußerten mehr als 600 OpenAI-Angestellte Unternehmensanteile im Gesamtwert von 6,6 Milliarden Dollar. 75 dieser Mitarbeiter erhielten dadurch jeweils 30 Millionen Dollar. Das geht aus einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) hervor.
Nun ist es so: Einige Hausverkäufer gewähren ihren Käufern Preisnachlässe, wenn sie mit KI-Firmenanteilen anstatt Geld bezahlen. Vijay Chattha etwa bot sein Ferienhaus im Sonoma-Weinbaugebiet bei San Francisco für zwei Millionen statt 2,5 Millionen US-Dollar an. Vorausgesetzt, der Käufer würde in Anthropic-Aktien bezahlen.
„Ich gehe davon aus, dass Anthropic schneller wachsen wird als der Immobilienmarkt, warum also nicht einfach einen Tausch vornehmen?“, sagte er der „New York Times“. Auch seine Eigentumswohnung in der Stadt will er demnächst gegen Aktien von KI-Unternehmen anbieten.
Die Verkaufschancen dürften gut stehen. Denn während die Preise für Einfamilienhäuser in San Francisco vergangenes Jahr um rund 18 Prozent stiegen, sank das Angebot um 45 Prozent. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Das durchschnittliche Einfamilienhaus kostet derzeit 2,2 Millionen Dollar und ist im Schnitt nach 18 Tagen verkauft.
Dabei sah die Lage vor wenigen Jahren noch ganz anders aus: Vor allem während der Corona-Pandemie verließen viele Menschen die Stadt. Kriminalität und Obdachlosigkeit schienen außer Kontrolle. Während noch vor kurzem Obdachlosen-Zelte das Straßenbild in vielen Teilen der Stadt bestimmten, herrscht in San Francisco nun das KI-Fieber.
An scheinbar jeder Ecke sieht man fahrerlose Roboter-Taxis vorbeifahren und provokative Werbeplakate für KI-Firmen mit Slogans wie „Hört auf, Menschen einzustellen“. Ein anderes Beispiel ist die Schockwerbung, Personal durch die digitale Mitarbeiterin „Ava“ zu ersetzen. Auf obdachlose Menschen trifft man deutlich seltener als zuvor.
Viele Einwohner loben den neuen Bürgermeister Daniel Lurie für seine Arbeit: Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 gelang es dem Demokraten, die Zahl Obdachloser auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren zu drücken.
„Ich bin stolz, enorme Fortschritte verkünden zu können. Die Obdachlosigkeit auf der Straße ist in San Francisco um 22 Prozent gesunken, die Zahl der Menschen in Zelten ist um 85 Prozent zurückgegangen und auch die Obdachlosigkeit insgesamt ist rückläufig“, so der 49-Jährige.
„Es liegt noch viel Arbeit vor uns, aber wir werden unermüdlich weitermachen, bis jeder Einwohner San Franciscos die sicheren und sauberen Straßen hat, die er verdient.“
Zu Luries Maßnahmen zählen neue Heime und Einrichtungen, die Obdachlose mit Suchtproblemen behandeln. Außerdem Programme, die sie wieder mit ihren Familien und sozialen Hilfsnetzen außerhalb der Stadt zusammenführen.
Darüber hinaus erschuf Lurie ein präventives Pilotprojekt für Familien: eine öffentlich-private Partnerschaft, die Familien finanziell und juristisch unterstützt, ihre Wohnungen zu erhalten, bevor sie auf der Straße landen.
Ob solche Initiativen künftig ausreichen werden und mit der Wohnungsmarktentwicklung Schritt halten können, ist fraglich. Laut Berichten eines Portals für Mietwohnungen erreichte die Durchschnittsmiete für eine Ein-Zimmer-Wohnung in San Francisco mit 4000 Dollar im Monat einen historischen Rekord. Eine Wohnung mit zwei Schlafzimmern kostet derzeit im Schnitt 5500 Dollar.