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Bürger sehnen sich nach bezahlbarem Wohnraum – doch zwei Faktoren schlagen alles k.o.

Дата публикации: 02-12-2025 06:20:00

Der neue Bau-Turbo soll Genehmigungen verkürzen und die Neubauflaute stoppen. Experten dämpfen die Erwartungen: Die echten Bremsklötze liegen woanders, das Kernproblem bleibt ungelöst.

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Der neue Bau-Turbo soll Genehmigungen drastisch verkürzen und die Neubauflaute stoppen. Experten dämpfen jedoch die Erwartungen: Die echten Bremsklötze liegen woanders und das Kernproblem bleibt ungelöst.

Die Bundesregierung verspricht einen Durchbruch: Mit dem neuen Bau-Turbo sollen Genehmigungen für neue Wohnungen nur noch Monate statt Jahre dauern. Städte können künftig Baurecht erteilen, ohne zuvor einen vollständigen Bebauungsplan aufzustellen. Und Bauanträge sollen künftig binnen drei Monaten durch sein. Doch Ökonomen und Wohnungsprofis dämpfen die Erwartungen.

„Der Bau-Turbo allein reicht nicht aus“

Pekka Sagner, Wohnungspolitik-Experte beim Institut der deutschen Wirtschaft, begrüßt zwar die geplanten Beschleunigungen, warnt aber vor überhöhten Erwartungen. „Der Bau-Turbo allein reicht nicht aus, um die Neubauflaute zu überwinden“, warnt er gegenüber FOCUS online. Die Maßnahmen wie etwa digitale Verfahren, klare Fristen und schnellere Abläufe seien sinnvoll und überfällig. „Aber sie adressieren nicht die eigentlichen Ursachen der aktuellen Neubauflaute.“ 

Der Grund für den dramatischen Einbruch beim Neubau sei vor allem ein wirtschaftlicher: „Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen, die Zinsen haben sich seit 2021 etwa verdreifacht. Viele Projekte sind bei den heutigen Mieten schlicht nicht mehr wirtschaftlich“, so Sagner. Hinzu kämen hohe Bodenpreise und der Rückzug institutioneller Investoren.

Wo der Turbo greift und wo nicht

Der neue rechtliche Rahmen erlaubt Kommunen weitreichende Abweichungen vom geltenden Planungsrecht. Städte wie Köln, München oder Berlin erhoffen sich dadurch Tempo bei Nachverdichtung, Aufstockung und Umnutzung. Rolf Buch, Chef des Dax-Konzerns Vonovia, sprach gar vom „ersten Durchbruch“.

Doch Sagner sieht weiterhin „große strukturelle Hemmnisse“. Er nennt drei zentrale Bremsklötze:

1. Langwierige Bebauungsplanverfahren: „Hohe rechtliche Anforderungen, viele Beteiligungsschritte… oft dauert ein Bebauungsplan mehrere Jahre“, kritisiert Sagner. Der Turbo verkürze einzelne Schritte, löse aber das Personalproblem in vielen Bauämtern nicht.

2. Rechtsunsicherheit bei Artenschutz, Brandschutz, Lärm: Jeder dieser Punkte könne zum Projektstopper werden. Zwar reiche künftig ein Umweltcheck statt einer vollwertigen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP), doch „die zentralen Konfliktfelder bleiben bestehen“. 

3. Unterschiedliche Landesbauordnungen: In jedem Bundesland gelten unterschiedliche Vorgaben. „Der Bau-Turbo harmonisiert hier nicht, obwohl das einer der größten Effizienzhebel wäre“, wendet Sagner ein.

Die Reform schafft demnach zwar bessere Verfahren, aber nicht die Voraussetzungen, dass Projekte wirtschaftlich durchgerechnet werden können. Die großen strukturellen Hemmnisse wie Kosten, Zinsen und komplexe Standards bleiben, so der Experte, weiterhin ungelöst.

Kosten und Zinsen sind das größere Problem

Selbst wenn Genehmigungen künftig doppelt so schnell kämen, wären viele Projekte wegen der aktuellen Kosten und Zinsen weiter nicht finanzierbar. Sagner formuliert es deutlich: „Die ökonomischen Faktoren sind derzeit um ein Vielfaches relevanter als die Dauer eines Genehmigungsverfahrens.“

Haupttreiber seien:

  • Baukosten: Material, Löhne und strenge Effizienzstandards
  • Zinsniveau: viele Projekte kippen schon bei moderatem Fremdkapital
  • Bodenpreise: in Metropolen bleiben sie extrem hoch

Mittelfristig könne der Bau-Turbo zwar Effizienzgewinne bringen, aber erst, wenn die wirtschaftliche Seite stimmt. 

Ballungsräume: Wo der Turbo hilft

Zumindest in Großstädten sieht Sagner punktuelle Chancen: „In Städten wie Köln kann der Bau-Turbo vor allem dort Wirkung entfalten, wo Nachverdichtung und Umnutzung möglich sind.“ Schnellere Abläufe könnten Baulücken, Dachaufstockungen und kleinere Umnutzungsprojekte aktivieren, also Bereiche, die bisher oft an Lärmschutz oder überlasteten Ämtern scheiterten. Bei großen innerstädtischen Quartieren dagegen bleibe das Hauptproblem bestehen: Kosten und Finanzierung. „Eine grundlegende Trendwende wird der Bau-Turbo daher allein nicht auslösen.“

Gebäudetyp E: „Baupreisbremse und Bauturbo in einem“

Parallel zur Turbo-Reform will die Bundesregierung das Bauen selbst günstiger machen. Bauministerin Verena Hubertz und Justizministerin Stefanie Hubig präsentierten den Gebäudetyp E – einen radikal vereinfachten Baustandard.

Die Idee: kompakte Grundrisse, schlankere Wände, serielle Bauweise, einfache Lüftung statt Hightech, Weglassen von „Schnick Schnack“, wie Hubertz es formuliert.

Hubig beschreibt den neuen Standard als „ein bisschen wie Bau-Preisbremse und Bau-Turbo in einem“. Ein eigener Gebäudetyp-E-Vertrag soll 2026 kommen. Für sozialen Wohnungsbau plant der Bund zusätzlich 23,5 Milliarden Euro.

Was jetzt zusätzlich nötig wäre

Aus Sicht von Ökonom Sagner braucht der Markt jedoch ein ganzes Maßnahmenbündel, nicht nur beschleunigte Verfahren:

  • Rasch wirksame steuerliche Impulse, zum Beispiel ein zeitlich befristetes Aussetzen der Grunderwerbsteuer
  • gezielte Förderung für kurzfristig umsetzbare Projekte (zum Beispiel die Wiederaufnahme der KfW-55-Förderung für genehmigte Vorhaben)
  • Einheitlichere Standards und weniger Vorgaben bei Stellplätzen, Abstandsflächen und Energieanforderungen
  • Mehr Personal in Bauämtern und echte Digitalisierung

„Mittel- bis langfristig muss der Markt durch Effizienzsteigerungen und niedrigere Baukosten wieder ohne Förderung rentabel funktionieren“, resümiert der IW-Experte. Die Turbo-Reform wirkt zwar wie ein dringend nötiger Modernisierungsschub, aber ohne kräftige wirtschaftliche Impulse wird der Wohnungsbau weiter hinter den Zielen der Bundesregierung zurückbleiben.

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Классификация: Недвижимость. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 11.58. Источник: rss.focus.de.