Im Südtiroler Martelltal wurden von mehreren Berggipfeln Schäden gemeldet. Der Alpenverein ist nun auf der Suche nach den Vandalen.
Im Südtiroler Martelltal wurden von mehreren Berggipfeln Schäden gemeldet. Der Alpenverein ist nun auf der Suche nach den Vandalen.
Unter den Alpinisten im Martelltal in Südtirol herrschen Wut und Trauer: Im Juni wurden mehrere Fälle von Vandalismus in den Bergen bekannt. Auf der Vorderen Rotspitze und der Orgelspitze wurden die Metallboxen mit den Gipfelbüchern zerstört, auf der Orgelspitze wurden die markanten Steinmännchen eingerissen und auf dem Hasenöhrl ist ein Gedenkkranz verschwunden.
„Einzelnen Zeitgenossen scheint inzwischen der Respekt vor unseren alpinen Traditionen zu fehlen“, beschwerte sich der Alpenverein Martell jetzt auf seiner Facebook-Seite. „Schade und sehr traurig. Für zweckdienliche Hinweise sind wir dankbar.“
Der Alpenverein beschreibt die Schäden im Einzelnen: „So wurden etwa Mitte Juni auf der Vorderen Rotspitze (3033 Meter) und auf der Orgelspitze/Laaserspitze (3305 Meter) beinahe zeitgleich die Gipfelbuchboxen samt Gipfelbüchern mutwillig zerstört. Auf der Orgelspitze wurden zudem die beiden großen Steinmännchen, die dort schon immer gestanden hatten und vom Tal aus gut sichtbar waren, umgestoßen und zerstört. Die Kollegen vom AVS Latsch melden, dass am Hasenöhrl der Jubiläumskranz entwendet wurde.“
Solche Gegenstände seien weit mehr als bloße Symbole. Gipfelbücher dienen Bergsteigern nicht nur als Erinnerungsort, sondern können im Notfall auch wichtige Hinweise für die Bergrettung liefern. Steinmännchen sind traditionelle Wegmarkierungen in den Alpen und Teil einer gemeinsamen Bergkultur. Ihre Zerstörung wird daher nicht nur als Sachbeschädigung, sondern auch als Angriff auf das kulturelle Gedächtnis und die Werte des Bergsteigens verstanden.
Trotz des Schadens hat der Alpenverein nicht aufgegeben. Die Hüttenwirte Christian und Wolfgang sowie ihre Helfer haben auf beiden Gipfeln neue Kassetten und Gipfelbücher angebracht.
Auch im Rifugio Luigi Mambretti in der italienischen Provinz Sondrio wurde kürzlich ein Gipfelbuch ruiniert. Während eines Unwetters drang durch eine von Wanderern offen gelassene Tür Wasser in den Biwakraum. Für den Betreiber der Schutzhütte war das eine Katastrophe, wie er auf Facebook schrieb: „Es tut weh, diesen Post schreiben zu müssen. In den vergangenen Tagen hat jemand die Biwakstür offen gelassen. Bei schlechtem Wetter kam Wasser herein und hat das Gipfelbuch komplett ruiniert.“
Bei einem Gipfelbuch handelt es sich um eine Sammlung von Unterschriften, Geschichten, Gedanken und Erinnerungen von Menschen, die im Laufe der Zeit vorbeikamen. „Ein kleiner Teil der Geschichte dieses Ortes, der nicht wiederhergestellt werden kann“, so der Schutzhüttenbetreiber.